Michiko, Kaiserin von Japan, Nur eine kleine Maulbeere. Aber sie wog schwer.

Der Titel dieses kleinen Gedichtbandes verdeutlicht dem Leser genau, was ihn erwartet:
feine, prägnante Gedichte, Tankas der Kaiserin von Japan mit Kalligrafien von Ishitobi Hakkō. Ergänzt durch ein ausführliches, hilfreiches Nachwort von Haga Tōru, das dem deutschen Leser ermöglicht, die in den Gedichten manchmal nur angedeuteten familiären, gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge zu konkretisieren und sich damit auch die Tiefen dieser Gedichte zu vergegenwärtigen.

Doch auch ohne diese Unterstützung sprechen die meisten Gedichte für sich, zumal auf jeder Seite unten der Anlass der Gedichte aufgeführt ist, etwa der Besuch der drei Baltischen Staaten im Mai 2007 durch das Kaiserpaar:

VOGELZUG

Über den Herbsthimmel
ziehen Vögel in ihre Gefilde.
Litauen,
Lettland, Estland.
Ab heute sind sie frei.

(Die letzen beiden Zeilen jedes Gedichtes sind im Buch eingerückt gedruckt. Weshalb mein Computer es nicht schafft, weiß ich nicht, nehme Hilfe und Tipps gerne an.)

Manchmal sind ihre Gedichte auch einfach nur Fragen, nicht wirklich (einfach) zu beantworten. Aber sie öffnen dem Leser eigene Räume, die er betreten und mit seinen Antworten, Fantasien füllen oder auch einfach leer lassen kann:

WEG

Damals, als ich mich
an der Weggabelung befand
und die eine Richtung wählte,
wohin hat mich wohl jener Weg geführt,
den ich nicht beschritten habe?

Zur goldenen Hochzeit schreibt sie:

LICHT

Gemeinsam schreiten wir
den langen Weg.
Der Tag geht zur Neige,
noch schimmert von Ferne am Himmel
ein sanftes Abendlicht.

Zart wie ihre Erscheinung ist, erkennbar auf einer Fotografie von ihr, so sind auch ihre Gedichte, vom kaiserlichen Hof autorisiert, die Übersetzung eingeschlossen.

Spannend wären sicher auch Gedichte, die sie nur für sich geschrieben hat, doch die werden wir sicher nicht zu Gesicht bekommen, dankbar für die in diesem schönen Gedichtband ausgewählten.

Michiko, Kaiserin von Japan, Nur eine kleine Maulbeere. Aber sie wog schwer. a.d.Japanischen v. Peter Pantzer, kalligrafien v. Ishitobi Hakkō, mit einem Nachwort v. Haga Torū, Herder Verlag, Freiburg 2017, 140 S., ISBN 978-3-451-31220-5

Datum: 12. März 2018
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Fotos, Gedichte, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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2 Kommentare

  1. Quer | Dienstag, 13. März 2018 7:42
    1

    Das muss ein wunderbar poetisches Buch sein. Ich merke es mir!
    Lieben Gruss ins Heute,
    Brigitte

  2. mona lisa | Dienstag, 13. März 2018 21:55
    2

    Hoffe, es wird dir ebenfalls gefallen.
    Hab eine gute Nacht mit poesievollen Träumen.

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