Verheißungsvolles Weiß


Der neue Murakami Roman ist da! Es ist ein Roman, dessen Protagonist ein Porträt-Maler ist, der zurückgezogen in einem Haus in den Bergen lebt. Er beschreibt den Moment, in dem der Maler seine noch leere Leinwand betrachtet, sicher ähnlich dem Moment, wenn ein Schriftsteller vor dem noch weißen Blatt Papier, oder dem noch unbeschriebene Dokument sitzt :

„Von jeher genoss ich es, frühmorgens eine weiße, noch unbemalte Leinwand zu betrachten.“Leinwand-Zen“ nannte ich das bei mir. Obwohl ich noch nichts gemalt hatte, war sie keineswegs leer. Ihre weiße Fläche barg die Verheißung auf etwas Kommendes. Wenn ich genau hinsah, erkannte ich mehrere Möglichkeiten, die sich demnächst zu einer vielversprechenden Spur verdichten würden. Diesen Moment liebte ich – den Moment, in dem Sein und Nichtsein sich vereinten.“

(Haruki Murakami, Die Ermordung des Commendatore Band 1: eine Idee erscheint, Köln 2018, S. 313f)

Datum: 14. März 2018
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2 Kommentare

  1. Quer | Freitag, 16. März 2018 6:46
    1

    Sehr schön, dieses Zitat. Ja, allem Anfang wohnt ein Zauber inne…
    Lieben Gruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Freitag, 16. März 2018 8:07
    2

    Hesse hat’s schon auf den Punkt gebracht, wohl wahr ;)
    Dir heute wenigstens einige verheißungsvolle Anfänge. Liebe Grüße

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