Pablo d’Ors, Biographie der Stille


Pablo d’Ors ist von der „alles verändernden Kraft der Meditation“, sicher auch aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen, zutiefst überzeugt. In diesem kleinen Büchlein spricht er in völlig unaufgeregter Art und Weise von seinen Erfahrungen in und mit der Meditation und was es, was man braucht, um „erfolgreich“ – ein Wort das er nie benutzten würde – zu meditieren:

„Man soll nicht standhalten, sondern sich ausliefern. Sich nicht mühen, sondern hingebungsvoll leben. Sowohl die Kunst als auch die Meditation entspringen immer aus der Hingabe und nie aus der Anstrengung. Und das gleiche gilt für die Liebe. Die Anstrengung bringt Willen und Vernunft ins Spiel; die Hingabe dagegen Freiheit und Intuition. Natürlich kann man sich fragen, wie man sich ohne Anstrengung hingeben kann. Die Chinesen haben einen Begriff dafür: wu wei, tun, indem man nichts tut. Wu wei besteht darin, sich zur Verfügung zu halten, damit durch deine Meditation etwas geschehen kann, doch es nicht direkt selbst zu tun und seinen Beginn, seine Entwicklung und seinen Höhepunkt nicht zu erzwingen. Das einzig Notwendige für diese Hingabe ist das DA-Sein, um auf diese Weise wahrzunehmen, was auch immer erscheint.“

Dass genau das gerade das Schwierige ist, weiß jeder, der schon einmal versucht hat zu sitzen und einfach nur still zu werden. Man kann im Außen dafür sorgen, dass Meditieren zum Leben dazugehört, indem man sich einen Platz zum Meditieren einrichtet, sich mit Geduld, Ausdauer, Entschlossenheit und Demut regelmäßig hinsetzt, sich sinnvollerweise eine Gruppe sucht, mit der man in regelmäßigen Abständen meditiert und einen Meister findet, mit dem man über die Erfahrungen seiner Meditationen sprechen kann.

Pablo D’Or schreibt dieses Buch, „um meinen Glauben an die Stille zu stärken. … Über die stille Meditation zu sprechen oder zu schreiben, ist wahrhaftig ein Widerspruch, ein Paradox. “ und er empfiehlt zum Schluss des Buches:„Am ratsamsten wäre, mit dem Lesen aufzuhören und mit dem Meditieren zu beginnen. Denn jegliche Meditation, auch die kürzeste, auch die zerstreuteste, ist gut für unsere Seelen.“

Und genau da beginnen die Schwierigkeiten: Genug Disziplin aufzubringen, sich täglich hinzusetzen und zu meditieren und gleichzeitig diese meditative Haltung auch in seine Alltagsverrichtungen zu bringen.

So kann bereits das Lesen dieser Stillebiographie schon Meditation sein, ersetzen kann sie das Meditieren allerdings nicht.

Pablo d’Ors, Biographie der Stille, Meditation – die alles verändernde Kraft, a. d. Spanischen v. Barbara Röhl, Gütersloher Verlagshaus München 2018, 157 S., ISBN 978-3-579-08699-6

Datum: 26. Juni 2018
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0

Kommentar abgeben