Isak Samokovlija, Der Jude, der am Sabbat nicht betet


(Copyright Edition Büchergilde)

Dieser Band enthält acht Erzählungen, die alle im Milieu sephardischer Juden in Sarajevo spielen, erschienen in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Stets führt ein allwissender Erzähler durch die Geschichten, in denen meist eine Person im Mittelpunkt steht. Bis auf die Titelgeschichte und eine weitere Erzählung haben die anderen den Namen des jeweiligen Protagonisten bereits in ihren Titeln:
Der Lastenträger Samuel
Simha
Davokas Geschichte von Jahijels Aufbegehren
Davokas Geschichte von der reinen Wahrheit
Hanka

Es geht in den Geschichten nicht in erster Linie um das Handeln dieser Person, sondern um ihr Innenleben, ihre Gedanken, Sehnsüchte und Wünsche, die sie in einer Welt zu realisieren versucht, die geprägt ist durch eine “Verflechtung von Arbeit und Beruf mit dem Leben der Figuren” und durch entsprechende (jüdische) Normen, Gesetzte, Gepflogenheiten etc., die der Realisation der Wünsche oft im Wege steht, sie zumindest aber recht kompliziert macht.

Der Leser hat durch die einfühlsame Art des Erzählens die Möglichkeit, den jeweiligen Protagonisten sehr nahe zu sein. Sie werden einem sehr sympathisch, vor allem, wenn sie mit Raffinesse versuchen, ihre Wünsche umzusetzen, dabei aber nicht auf direktem Wege dahin kommen können.

Entsprechend lang und ausführlich sind dann die Geschichten auch. Man braucht vielleicht ein wenig Zeit, um sich an die fast schon “morgenländlich” anmutende Erzählweise zu gewöhnen, doch dann faszinieren die Geschichten durch ihre Detailliertheit und Menschlichkeit.

Isak Samokovlija, Der Jude, der am Sabbat nicht betet, Erzählungen, Edition Büchergilde, Frankfurt/M. 2018, mit einem Nachwort von Dzevad Karahasan, 315 S., ISBN 9768-3-86406-087-8

Datum: 23. Juli 2018
Themengebiet: Allgemein, Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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