Colette, Die Katze


Ein Roman für Katzenliebhaber?

Ich denke schon. Denn Katze Saha ist letztendlich Protagonistin dieses kleinen Romans, in dem es um die noch junge Beziehung zwischen Camille und Alain, dem Katzenbesitzer, geht.

Es scheint eine mehr oder weniger arrangierte Heirat zu sein. Mit viel Begeisterung ist Alain jedenfalls nicht dabei. Der Gedanke, demnächst mit seiner gerade erst Angetrauten in sein Heim zu ziehen, das renoviert wird, behagt ihm überhaupt nicht.

“>Camille hier mit mir … Schon so bald! Camille im Pyjama unter den Heckenrossen …< Einer der Stöcke trug gerade seine Blütenlast, die sich schon beim Aufblühen entfärbte und deren orientalischer Duft abends bis zur Freitreppe drang. >Camille im Bademantel unter der Ulmenlaube …< War es genau genommen nicht besser, sie vorläufig im Aussichtsturm des Hochhauses wohnen zu lassen? >Nicht hier, nein, nicht hier – noch nicht …<“

Ob es je zu einem Umzug vom Hochhaus, in das sie sich während der Renovierung einquartiert haben, in Alains Heim kommt, in dem auch noch seine Mutter mit ihren Bediensteten lebt, die Camille als sowieso nicht standesgemäß ansieht, ist schon von Anfang an ziemlich fraglich, zumal Camille – wohl zu recht – Alains Katze zunehmend als Konkurrentin um die Aufmerksamkeit und Liebe Alains ansieht.

“Camille, die nicht schlafen konnte, atmete vorsichtig … Als Alaian sich umdrehte und ihr den Arm entzog, spürte sie eine unbewusste Liebkosung: dreimal glitten seine Finger über ihren Kopf, als sei er gewohnt, ein Fell zu streicheln, das zarter war als ihr weiches Haar.”

Und Camille versucht, die Katze ins Abseits zu drängen.
Der Roman ist eine ungewöhnliche Dreiecksgeschichte mit wenig äußerer Handlung, aber vielen inneren Monologen der beiden menschlichen Protagonisten aus der Perspektive eines auktorialen Erzählers.

Colette, Die Katze, a.d. Franz. v. Elisabeth Roth, ebersbach&simon Verlag, Berlin 2018, 140 S., ISBN 978-3-86915-156-4

Datum: 17. August 2018
Themengebiet: Allgemein, Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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5 Kommentare

  1. Quer | Freitag, 17. August 2018 12:14
    1

    Das ist sicher eine ganz spezielle Geschichte.
    Die Konstellation stelle ich mir echt schwierig vor.
    Danke für die Buchbesprechung.
    Lieben Freitagsgruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Sonntag, 19. August 2018 16:41
    2

    Gern, ja, sie ist ziemlich speziell ;)
    Späte Sonntagsgrüße, hatte viel Besuch.
    Nun sind alle weg!!

  3. Hürdenlauf – Geschichten und Meer | Montag, 20. August 2018 5:01
    3

    […] deren Blogroll sich das Stöbern lohnt. Aber zunächst einmal ein Link zu La Gioconda selbst, die einen Roman der Katzenliebhaberin Colette gelesen hat. Auf Mona Lisas Blogroll steht Frau Seelenruhig, und Frau Seelenruhig hat einen […]

  4. seelenruhig | Montag, 20. August 2018 6:02
    4

    Fein und zart… das ist sicher interessant. Ich danke dir für den feinen Tipp!

  5. mona lisa | Montag, 20. August 2018 10:00
    5

    Mir persönlich ist eine solche “Tierliebe” ein wenig suspekt ;)
    Vielleicht auch, weil ich eher Hunde- als Katzenliebhaberin bin.
    Herzliche Grüße zum Wochenstart.

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