Nenn ich dich Aufgang oder Untergang?

Nenn ich dich Aufgang oder Untergang?
Denn manchmal bin ich vor dem Morgen bang
und greife scheu nach seiner Rosen Röte –
und ahne eine Angst in seiner Flöte
vor Tagen, welche liedlos sind und lang.

Aber die Abende sind mild und mein,
von meinem Schauen sind sie still beschienen;
in meinem Armen schlafen Wälder ein, –
und ich bin selbst das Klingen über ihnen,
und mit dem Dunkel in den Violinen
verwandt durch all mein Dunkelsein.

(Rainer Maria Rilke)

Datum: 4. August 2018
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4 Kommentare

  1. FrauWind | Samstag, 4. August 2018 9:17
    1

    Unglaublich, wie Rilkes Worte die eigene Sprachlosigkeit immer wieder umarmen und befreien.
    Danke dir fürs Übermitteln! Frohe Abende wünsche ich dir nach solchen Tagen. Herzlich, FrauWind

  2. Quer | Samstag, 4. August 2018 18:15
    2

    Die milden Abende mag ich auch sehr, sie versöhnen mit so vielem.
    Herzliche Grüsse ins Abendlicht,
    Brigitte

  3. mona lisa | Sonntag, 5. August 2018 6:17
    3

    @ FrauWind, genau deshalb mag ich ihn so. Immer wieder. Habe den Abend sanft wiegend in meiner Hängematte verbracht, mit viel Himmel über mir, umhüllt von einer sanften Brise. Dir einen frohen Sonntag.

  4. mona lisa | Sonntag, 5. August 2018 6:19
    4

    @ Quer, da stimme ich dir zu. Es ist doch fein, versöhnt mit sich und der Welt den Tag zu beenden.
    Dir einen erholsamen Sonntag.

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