Im Nebel


Ein Tag wie dieses Bild. Viel Nebel. Wenig Land in Sicht. Verwirrung. Trauer. Müdigkeit.

Schon wieder gewinnt einer von denen.

Einer, der Nebel und Bilder für sich und gegen andere nutzt. Sich und einige über andere stellt.

Einer, von denen die Kraft rauben, statt sie zu geben. Einer von denen, denen ihr Platz erst dann reicht, wenn sie ihn allen anderen genommen haben.

Einer von so vielen, die mich zwingen, Menschen nicht zu mögen, nicht zu trauen, nicht zu nah kommen zu lassen. Weil er einer von so vielen ist.

Es schmerzt nicht, weil er es ist, weil er noch lauter, noch sexistischer, noch rassistischer ist, sondern weil es sich immer und immer wieder auszahlt, einer von denen zu sein.

Ich habe auch gelacht. Ich habe es ebenfalls nicht wahr haben wollen, nicht glauben können. Irgendwie Hoffnung. Wieder gewinnt das Gegenteil.

Wir, ich, die anderen. Ja, wir sind auch immer Teil dessen. Aber Ausgrenzung und Abgrenzung sind einfach nicht dasselbe. Aber dies lässt sich auch in tausend Jahren nicht auf markante Sprüche reduzieren.

Wir sind auch viele. Wir sind nur nicht laut.

Sapere aude ist am Arsch. Und doch will ich nicht Machiavelli und Locke verinnerlichen, um den Schmerz zu stillen.

Einer von denen gewinnt, aber mir bleiben dennoch Kafka, Rilke und Godot.

Im Nebel.

(Bild und Text © Raphael Raue)

Datum: 9. November 2018
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2 Kommentare

  1. Quer | Freitag, 9. November 2018 17:16
    1

    So ist es leider immer wieder, dass die Lauten, Ungehobelten, Eingebildeten, Rücksichtslosen, Gierigen, Unsensiblen gewinnen oder zumindest den Ton angeben.
    Wie weit das einmal führt, man kann es nur erahnen.
    Lieben Abendgruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Samstag, 10. November 2018 9:52
    2

    Vielleicht müssen die Leisen nicht laut werden, sich aber positionieren und ihren Standpunkt zur Geltung bringen.
    Nachdenkliche Morgengrüße

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