günter abramowski, darüberhinaus

Der neue Gedichtband von Günter Abramowski ist erschienen.

Es sind Gedichte, die mal mehr oder weniger sofort zugänglich sind.

zum lesen

tief einatmen
alles ausatmen
hören sie auf zu denken
seien sie still
lesen sie einfach weiter
vertrauen sie sich
darüberhinaus ist jetzt

Bei manchen tue ich mich als Leserin eher schwer:

hilflos

wer von allen geistern verlassen
ist noch bei sich
den er nicht kennt
realitäten verblassen
erinnerungen bedarfsweise
zu glaubensfragen

hilflos aber potent mit
erkauften fähigkeiten
ungerührt zeit vergeigend solo tanzend
durch felder falscher verbundenheit
amüsant stark
wundersam erfolgreich

Ich kann zwar mit einzelnen Metaphern etwas anfangen, doch ein verständliches Ganzes ergibt sich nicht unbedingt. Und das ist gut so, bleibt man doch so an Versen hängen, die meist dennoch oder gerade, weil sie nicht sofort verstanden werden, mit einem selbst zu tun haben.

Seine Themen kreisen um den ganz normalen Alltag(swahnsinn):um Ausflüge, Spaziergänge, um Liebe und Trennungen, um Fragen nach einem sinnvollen Leben. Abramowski spielt dabei immer wieder mit gängigen Floskeln und Sprichwörtern:

des frühen wurmes letzter satz

wer die magie
des lebens
nicht benutzt sich
selbst
zu verstehen
bleibt ein opfer

Sehnsucht und Denkbares finden Eingang in seine Gedichte:

hinein

aber sehnsucht
kennst du doch
der ort deiner gefühle
wo du versteckt
in deiner offenheit
von mutliversen träumst
wegen ihrer möglichkeiten

aber in dem
mit allen wassern gewaschenen kleid
der dummheit
kommt der intellekt daher
er will dass du
wo immer hinein
dich aus dem staub machst

in immer neuen kriesen (!)
stehen hüter auf deiner hemmschwelle
die sagen
außen ist nicht innen
du bist es nicht
wie wissen
potenziert sich dein unwissen

Auf der Rückseite des Gedichtbandes liest man:
„Abramowskis Gedichte sind Feuer für das Eis des Egos.
Sie müssen nicht verstanden werden.
Sie sind GedankenBilder, die in der Tiefe des Lesers wirksam werden wollen.“

Möge der Leser sich sein eigenes Urteil bilden. Mich jedenfalls haben die meisten Gedichte „angesprochen“.

günter abramowski, darüberhinaus. gedichte, elbaol verlag, hamburg 2018, 117 S., ISBN 978-3-939771-67-8

Datum: 10. Januar 2019
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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2 Kommentare

  1. Quer | Samstag, 12. Januar 2019 15:52
    1

    Na ja, ich tue mich ziemlich schwer mit diesen Beispielen.
    „hilflos aber potent mit / erkauften fähigkeiten…“
    Ich weiss nicht, welche Fähigkeiten man sich erkaufen könnte und wie man gleichzeitig hilflos und potent sein kann.
    Dennoch lieben Dank für den Tipp, den ich eher nicht befolgen werde. :-)
    Habe dafür heute ein Buch vom Waldgut Verlag in Frauenfeld zugeschickt bekommen: „Lichtungen“. Darin kommen vier St. Galler Lyrikerinnen zu Wort.
    Diese Lyrik sagt mir schon beim ersten kurzen Querlesen sehr zu.

    Dir ein schönes Wochenende und lieben Gruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Samstag, 12. Januar 2019 17:25
    2

    Nicht jedes Buch, das ich hier bespreche muss ja auch für jede(n) geeignet sein ;)
    Vielleicht ist es eine männliche Variante, hilflos und gleichzeitig potent sein zu können ;)
    Liebe Abendgrüße

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