Das Märchen von der Wolke

Der Tag ging aus mit mildem Tone,
so wie ein Hammerschlag verklang.
Wie eine gelbe Goldmelone
lag groß der Mond im Kraut am Hang.

Ein Wölkchen wollte davon naschen,
und es gelang ihm, ein paar Zoll
des hellen Rundes zu erhaschen,
rasch kaut es sich die Bäckchen voll.

Es hielt sich lange auf der Flucht auf
und sog sich ganz mit Lichte an; –
da hob die Nacht die goldne Frucht auf:
Schwarz ward die Wolke und zerrann.

(Rainer Maria Rilke)

Datum: 10. März 2019
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4 Kommentare

  1. Quer | Montag, 11. März 2019 7:22
    1

    So niedlich, dieses Rilke-Märchengedicht, das ich nicht kannte, und so passend zum Bild.
    Danke dafür und lieben Gruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Montag, 11. März 2019 7:55
    2

    Ist doch fein, wenn du ab und zu Unbekanntes hier lesen kannst.
    Hab einen guten Wochenstart!

  3. nordic | Montag, 11. März 2019 14:10
    3

    Ich sehe , du läufst schon wieder ein wenig. Dazu noch ein Rilkegedicht mit passendem Foto, da kann die Woche nur gut werden.

  4. mona lisa | Montag, 11. März 2019 15:35
    4

    Die kleine Mollbeck-Runde geht schon wieder :)
    Bis bald!

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