Heinrich von Kleist, Über das Marionettentheater

Schon in der Schule haben mich Kleists Gedanken “Über das Marionettentheater” fasziniert. Ich habe nur immer gedacht, es sei seine Schrift “Über Anmut und Würde gewesen”.
Jetzt liegt im Kunstanstifterverlag eine von Hanna Jung illustrierte Ausgabe vor. Diese Illustrationen sind im Rahmen ihrer Bachelorarbeit entstanden, in der Hanna Jung sich mit dm Thema der “natürlichen Grazie” auseinandergesetzt hat.

(copyright: Hanna Jung, kunstanstifter verlag)

Die von Grün nach Rose und umgekehrt irisierende Buchinnenseiten zeigen diverse Hände an und mit Fäden, die so bereits feinsinnig bildhaft in die Thematik einführen. Tänzer und Zuschauer sind als Tiere dargestellt in höfisch eleganter, farbiger Kleidung, die eigentlichen Marionetten sind Käfer und schmetterlingsähnliche Tiere, robust mit Panzer oder grazil, nahezu fragil mit zarten Flügeln.

(copyright: Hanna Jung, kunstanstifter verlag)

In der essayistischen Erzählung unterhält sich der Ich-Erzähler mit einem stadtbekannten Tänzer, der beim Publikum außerordentlich beliebt ist, über seine Besuche im Marionettentheater. Denn dieser ist der Überzeugung,
“daß ein Tänzer, der sich ausbilden wolle, mancherlei von ihnen lernen könne.
Da diese Äußerung mir, durch die Art, wie er sie vorbrachte, mehr, als ein bloßer Einfall schien, so ließ ich mich bei ihm nieder, um ihn über die Gründe, auf die er eine so sonderbare Behauptung stützen könne, näher zu vernehmen.”

Und der Leser wird in die Geheimnisse der Marionetten eingeführt, in ihre Herstellung, aber auch in die Fähigkeiten, die ein Marionettenspieler braucht, um eine Marionette tanzen zu lassen. Hochspannend, da es nicht nur um die tänzerischen Fähigkeiten als solche geht, sondern auch um Grazie, Anmut und die Störungen, die durch menschliches Bewusstsein, im Tanz, beim Tanzen entstehen können.

Eine wunderbare Ausgabe, der ich viele Leser wünsche.

Heinrich von Kleist, Über das Marionettentheater, illustriert von Hanna Jung, Kunstanstifter Verlag, Mannheim 2019, ISBN 978-3-942795-77-7

Datum: 3. März 2019
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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4 Kommentare

  1. Sonja | Montag, 4. März 2019 10:01
    1

    Grazie und Anmut, das ist schon klar, wenn man sich die Beispielbilder betrachtet, dass es unter anderem darum geht. So hervorragend zierlich gezeichnet – und da ich Kleist mag…
    Dankeschön wieder mal!
    Gruß von Sonja

  2. mona lisa | Montag, 4. März 2019 10:30
    2

    Immer wieder gern – es ist eine wirklich schöne Ausgabe!

  3. sylvia | Montag, 4. März 2019 14:26
    3

    vielen dank für den herrlichen hinweis! den text habe ich auch in einem kleinen büchlein, irgendwo. aber diese ausgabe scheint auch was für die augen zu sein!
    lieber gruß
    Sylvia

  4. mona lisa | Montag, 4. März 2019 16:12
    4

    Und wie sie das ist!
    Herrlich anzuschauen und inhaltlich feines Gedankenfutter ;)
    Liebe Grüße

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