Die Liebende


Ja ich sehne mich nach dir. Ich gleite
mich verlierend selbst mir aus der Hand,
ohne Hoffnung, dass ich Das bestreite,
was zu mir kommt wie aus deiner Seite
ernst und unbeirrt und unverwandt.

… jene Zeiten: O wie war ich Eines,
nichts was rief und nichts was mich verriet;
meine Stille war wie eines Steines,
über den der Bach sein Murmeln zieht.

Aber jetzt in diesen Frühlingswochen
hat mich etwas langsam abgebrochen
von dem unbewussten dunkeln Jahr.
Etwas hat mein armes warmes Leben
irgendeinem in die Hand gegeben,
der nicht weiß was ich noch gestern war.

(Rainer Maria Rilke, gesprochen von Hannelore Elsner, die Ostersonntag gestorben ist)

Datum: 24. April 2019
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4 Kommentare

  1. Quer | Mittwoch, 24. April 2019 6:54
    1

    Wie schön, dieses Rilke-Gedicht und das stille Bild zum Abschied von Hannelore Elsner.
    Mich hat die Nachricht auch betroffen gemacht.
    Lieben Gruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Mittwoch, 24. April 2019 6:59
    2

    Ich habe sie bei den Ruhrfestspielen live erleben können,
    barfuß in einem langen schwarzen Abendkleid! Imposant.
    Hab einen schönen Mittwoch

  3. sylvia | Mittwoch, 24. April 2019 7:09
    3

    wie eindrücklich und stimmig dein gedenken ist! mir wird Frau Elsner fehlen, ich mochte sie und ihr spiel.
    liebe grüße
    Sylvia

  4. mona lisa | Mittwoch, 24. April 2019 22:19
    4

    Es gibt immer noch ihre Filme und ihre Lesungen (im Netz wie dieses von ihr gelesenes Gedicht)
    Insofern ist sie „unsterblich“.
    Liebe Abendgrüße

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