Die Meise

Auguste, wie fast jede Nichte,
Weiß wenig von Naturgeschichte.
Zu bilden sie in diesem Fache
Ist für den Onkel Ehrensache.

Auguste, sprach er, glaub es mir,
Die Meise ist ein nettes Tier.
Gar zierlich ist ihr Leibesbau,
Auch ist sie schwarz, weiß, gelb und blau.
Hell flötet sie und klettert munter
Am Strauch kopfüber und kopfunter.
Das härt’ste Korn verschmäht sie nicht,
Sie hämmert, bis die Schale bricht,
Mohnköpfen bohrt sie mit Verstand
Ein Löchlein in den Unterrand,
Weil dann die Sämerei gelind
Von selbst in ihren Schnabel rinnt.
Nicht immer liebt man Fastenspeisen,
Der Grundsatz gilt auch für die Meisen,
Sie gucken scharf in alle Ritzen,
Wo fette Käferlarven sitzen,
Und fangen sonst noch Myriaden
Insekten, die dem Menschen schaden,
Und hieran siehst du außerdem,
Wie weise das Natursystem. –
So zeigt er wie die Sache lag.

(Wilhelm Busch, Die Meise, 1. Strophe)

Datum: 8. April 2019
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4 Kommentare

  1. Quer | Montag, 8. April 2019 16:09
    1

    Das Foto ist genauso süss wie das Meisengedicht von Wilhelm Busch.
    Dreimal hoch und glücklich sollen sie leben, die bunten Gartenhüpfer!

    Frohen Gruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Montag, 8. April 2019 21:20
    2

    Die Meise ist von dem Zweig immer wieder gegen die Scheibe geflogen, hat es allerdings überstanden. Wen, was sie dort wohl erblickt hat?
    Rechtschaffen müde Abendgrüße.

  3. sylvia | Dienstag, 9. April 2019 16:47
    3

    die arme meise! gut, dass sie es überstand. und Wilhelm Busch dazu, wie wunderbar. spät erst hab ich eine vorliebe für ihn entwickelt. aber dafür…

    lieber gruß
    Sylvia

  4. mona lisa | Mittwoch, 10. April 2019 7:45
    4

    W. Busch gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingslyrikern, dennoch gefallen mir die ein oder anderen Gedichte ;)
    Herzliche Morgengrüße

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