Verborgenheit


Laß, o Welt, o laß mich sein!
Locket nicht mit Liebesgaben,
Laßt dies Herz alleine haben
Seine Wonne, seine Pein!

Was ich traure weiß ich nicht,
Es ein unbekanntes Wehe;
Immerdar durch Tränen sehe
Ich der Sonne liebes Licht.

Oft bin ich mir kaum bewußt,
Und die helle Freude zücket
Durch die Schwere, so mich drücket
Wonniglich in meiner Brust.

Laß, o Welt, o laß mich sein!
Locket nicht mit Liebesgaben,
Laßt dies Herz alleine haben
Seine Wonne, seine Pein!

(Eduard Mörike)

Datum: 11. April 2019
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2 Kommentare

  1. Quer | Freitag, 12. April 2019 6:07
    1

    Schön in Bild und Wort.
    Ja, vielmals ist man ganz allein in seiner Trauer, seiner Not, seiner Wonne, seiner Freude.
    Das kann gut sein aber auch sehr schmerzlich.
    Lieben Gruss,
    Brigitte

  2. mona lisa | Freitag, 12. April 2019 7:03
    2

    Unbekanntes Wehe ist ja auch kaum kommunizierbar ;)
    Leichte Morgengrüße zu dir in die Schweiz.

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