Vereinsamt

Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n –
Wohl dem, der jetzt noch — Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rück­wärts, ach! wie lange schon!
Was bist du, Narr,
Vor winters in die Welt entflohn?

Die Welt — ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! –
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n,
Weh dem, der keine Heimat hat!

(Friedrich Nietzsche)

Datum: 4. November 2019
Themengebiet: Allgemein Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0

4 Kommentare

  1. sylvia | Montag, 4. November 2019 21:37
    1

    huuuu! das sind ja frostige aussichten. wohl dem, der einen großen hohlen stein bewohnt. mit heizung!
    fröstelnde abendgrüße
    Sylvia

  2. mona lisa | Dienstag, 5. November 2019 7:15
    2

    Hohler Stein mit Heizung und freundlichen Menschen im Umfeld, das beugt Seelenerschöpfung vor.

  3. Quer | Dienstag, 5. November 2019 8:37
    3

    Zum Glück sieht es noch nict so weiss und starr aus da draussen – obwohl deine Winterlandschaft bezaubert.
    Und das Nietzsche Gedankengut sehr intensiv nachwirkt bei mir.
    Lieben Gruss ins helle Heute,
    Brigitte

  4. mona lisa | Dienstag, 5. November 2019 11:39
    4

    Nein, so sieht es noch nicht aus – eher sehr viel trüber – novembrig halt :)
    Da mag ich mir schon so eine weiße Winterlandschaft mit der damit verbundenen Stille wünschen.

Kommentar abgeben