Dienstag, 12. September 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Zitate | Kommentare (2)

Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), - es sind Erfahrungen. Um eines Verses willen muß man viele Städte sehen, Menschen und Dinge, man muß die Tiere kennen, man muß fühlen, wie die Vögel fliegen, und die Gebärde wissen, mit welcher die kleinen Blumen sich auftun am Morgen. Man muß zurückdenken können an Wege in unbekannten Gegenden, an unerwartete Begegnungen und an Abschiede, die man lange kommen sah, - an Kindheitstage, die noch unaufgeklärt sind, an die Eltern, die man kränken mußte, wenn sie einem eine Freude brachten und man begriff sie nicht ...weiterlesen...


Dienstag, 22. August 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Zitate | Kommentare (0)

"Nicht alle, die etwas zu sehen glauben, haben die Augen offen; und nicht alle, die um sich blicken, erkennen auch, was um sie herum und mit ihnen geschieht. Einige fangen erst an zu sehen, wenn nichts mehr zu sehen da ist. Erst wenn sie Haus und Hof zugrunde gerichtet haben, beginnen sie, umsichtige Menschen zu werden. Zu spät hinter die Dinge zu kommen, dient nicht zur Abhilfe, wohl aber zur Betrübnis." (Baltasar Gracián, spanischer Jesuitenpater) weiterlesen...


Sonntag, 13. August 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Fotos, Gedichte | Kommentare (4)

Mauern trennen oft das, was zusammengehört, zumindest auf der Erde. Lösungen für Konflikte sind sie nie, eher Nötlösungen. Das folgende Gedicht schrieb Ai Qing, Vater von Ai Weiwei, laut "Tagesspiegel" an die Berliner Mauer, die am 13. August 1961 gebaut und dann am 9. November 1989 zerstört worden ist: DIE MAUER Eine Mauer, wie ein Messer Schneidet sie eine Stadt in zwei Stücke Die eine Hälfte im Westen Die andere Hälfte im Osten Welche Höhe? Welche Dicke? Welche Länge hat die Mauer? Auch wenn sie noch so hoch, noch so dick, noch so lang wäre So könnte sie doch nicht höher, dicker und länger sein Als die große chinesische Mauer Ist sie ...weiterlesen...


Freitag, 11. August 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Zitate | Kommentare (2)

Der Fuchs verstummte und betrachtete den Prinzen lange: "Bitte ... zähme mich!" sagte er. "Ja, gern", antwortete der kleine Prinz, "aber ich habe nicht viel Zeit. Ich muss Freunde finden und viele Dinge kennenlernen." "Man kennt nur Dinge, die man zähmt", sagte der Fuchs. "Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgend etwas kennenzulernen. Sie kaufen alles fix und fertig im Laden. Aber da es keine Läden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, zähme mich!" "Was muß ich tun?" fragte der kleine Prinz. "Du musst viel Geduld haben", antwortete der Fuchs."Zuerst setzt du dich ein Stück weit ...weiterlesen...


Dienstag, 8. August 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Zitate | Kommentare (2)

Meistens sind wir mit der Seele dem Körper gegenüber entweder voraus oder zurück, und zu den Korrekturen dieser Differenzen gehören jene Erschütterungen des inneren Lebensgefühls, jenes Zittern und Bangen an den Wurzeln, die uns je und je bei Lebenseinschnitten befallen. Mir scheint, man darf ihnen gegenüber wohl klein sein und sich klein fühlen, wie Kinder durch Weinen und Schwäche hindurch am besten das Gleichgewicht nach einer Störung des Lebens wiederfinden. (Hermann Hesse) weiterlesen...


Samstag, 29. Juli 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Worte, Zitate | Kommentare (2)

"Sprache kann man nicht erfinden. Sie lebt davon, dass sie überliefert wird, von Generation zu Generation. Aber es kam wohl darauf an, die geläufigen Sätze zu waschen, die Buchstaben ins Wasser zu werfen, die Silben rein zu kratzen, die Wörter abzubürsten. Das ganze Gewört auf die Leine zu hängen, damit am Ende die alte Sprache und gerade nicht eine ungebrauchte neue das Alte und Gültige wieder sagen könne. Sie soll ja nicht Dichtung werden wollen, sondern Gebrauchssprache für Menschen, die als Fußgänger auf den Märkten unterwegs sind." Jörg Zink über seine Bemühungen, nach dem 2. Weltkrieg eine Sprache zu finden, mit ...weiterlesen...


Mittwoch, 19. Juli 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Zitate | Kommentare (0)

„Meine liebe Bergit. Es gibt Tage, an denen man das Alleinsein sehr spürt. Da hilft kein Buch. Da hilft selbst die tollste Arbeit nicht. Vielleicht ist das neu einsetzende Winterwetter dran schuld, dass ich heute nur so herum pendle, vielleicht die Übermüdung nach einer anstrengenden Woche, vielleicht ist es das Gefühl, dass dieser Krieg noch endlos dauern wird. Dazu der Gedanke, dass die letzte Nachricht von dir vier Monate alt ist, und vier Monate sind eine schrecklich lange Zeit. Wenn man sich doch nur direkt schreiben könnte! Aber immer auf diesem grässlichen Umweg und dazu stets nur Grüße und nicht ...weiterlesen...


Montag, 17. Juli 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Zitate | Kommentare (0)

Es schien, als wäre die alte Welt gestorben und eine neue begönne mit uns, so geistig und kräftig und liebend und leicht war alles geworden, und wir und alle Wesen schwebten, selig vereint wie ein Chor von tausend unzertrennlichen Tönen, durch den unendlichen Aether. ... Sterblichkeit ist Schein, ist, wie die Farben, die vor unserm Auge zittern, wenn es lange in die Sonne sieht! ... Ja, eine Sonne ist der Mensch, allsehend, allverklärend, wenn er liebt, und liebt er nicht, so ist er eine dunkle Wohnung, wo ein rauchend Lämpchen brennt. (aus: Hölderlin, Hyperion oder Der Eremit in Griechenland, Frankfurt a.M. 2. Aufl. ...weiterlesen...


Montag, 17. Juli 2017 | Kategorie: Allgemein, Aufgelesen, Fotos | Kommentare (0)

"Aber was hilft die Mauer um den Garten, wo der Boden dürre liegt? Da hilft der Regen vom Himmel allein. O Regen vom Himmel! o Begeisterung!" Hölderlins Metapher für den Zustand des Staates. (aus: Friedrich Hölderlin, Hyperion oder Der Eremit in Griechenland, Frankfurt a.M. 2. Aufl. 1980, S. 42f) weiterlesen...


Sonntag, 16. Juli 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Zitate | Kommentare (2)

„Deinen Brief vom 23. Mai überreichte mir der Postsekretär heute früh, als ich nach dem Brunnen ging. Es war mir umso angenehmer, als ich wirklich seit einigen Tagen briefdurstig bin: denn außer einem lakonischen Blatt von der Mutter und einem Leipziger Brief von Cotta habe ich die ganze Zeit meines Hierseins von Freunden nichts weiter vernommen…“ (Johann Wolfgang Goethe an seinen achtzehnjährigen Sohn August, mitgenommen aus der heutigen Sendung "Lebenszeichen, Mitten im leben schreib ich dir" des WDR v. 16.07.2017) weiterlesen...