Sonntag, 12. August 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (3)

Der Himmel hat eine Träne geweint, Die hat sich ins Meer verlieren gemeint. Die Muschel kam und schloss sie ein: Du sollst nun meine Perle sein. Du sollst nicht vor den Wogen zagen, Ich will hindurch dich ruhig tragen. O du mein Schmerz, du meine Lust, Du Himmelsträn in meiner Brust! Gib, Himmel, daß ich in reinem Gemüte Den reinsten deiner Tropfen hüte. (Friedrich Rückert) weiterlesen...


Donnerstag, 9. August 2018 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Für Schönheit starb ich - und war kaum Zurechtgerückt im Grab Als Einer der für Wahrheit starb Ins Nebenzimmer kam - Er fragt sanft "Für was starbst du?" "Für Schönheit", sagte ich - "Und ich - für Wahrheit - wir sind Brüder - Denn Die sind Eins und gleich" - So redeten wir, blutsverwandt - Und Wand an Wand des Nachts - Bis Moos zu unsern Lippen stieg - Auf unsern Namen wuchs - (Emily Dickinson) weiterlesen...


Mittwoch, 8. August 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

Du gehst. Und der Asphalt ist plötzlich nass und plötzlich ist das Grün der Bäume neu und ein Geruch wie von ganz frischem Heu schlägt dir in dein Gesicht, das heiß und blass auf diesen Regen wohl gewartet hat. Die Gräser, welche staubig, müd und matt sich bis zur Erde haben hingebeugt, sehen beglückt die Schwalbe, welche nahe fleugt, und scheinen plötzlich stolz zu sein. Du aber gehst. Gehst einsam und allein und weißt nicht, sollst du lachen oder weinen. Und hier und da sind Sonnenstrahlen, welche scheinen, als ginge sie der Regen gar nichts an. (Selma Meerbaum-Eisinger) weiterlesen...


Dienstag, 7. August 2018 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Es gibt eine Stille, in der man meint, man müsse die einzelnen Minuten hören, wie sie in den Ozean der Ewigkeit hinuntertropfen. (Adalbert Stifter) weiterlesen...


Sonntag, 5. August 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

Wickle die Hand in das Tuch und dann tauche sie Ein ins bekrönte Gesträuch, und so kühn, daß es knirscht In dem Dickicht zelluloidener Dornen. Die Rose gepflückt ohne Schere! Sieh dich nur vor, daß die Blüten nicht alle zerfallen - Rosiger Kehricht - Musselin - Salomons Blütenblatt - Wildling, für das Sorbet nicht zu brauchen, Weder Aromen noch Öl gibt's aus ihm. (Ossip Mandelstamm, Armenien, Armenien, Posa, Notizbuch, Gedichte 1930-1933) weiterlesen...


Samstag, 4. August 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (4)

Nenn ich dich Aufgang oder Untergang? Denn manchmal bin ich vor dem Morgen bang und greife scheu nach seiner Rosen Röte - und ahne eine Angst in seiner Flöte vor Tagen, welche liedlos sind und lang. Aber die Abende sind mild und mein, von meinem Schauen sind sie still beschienen; in meinem Armen schlafen Wälder ein, - und ich bin selbst das Klingen über ihnen, und mit dem Dunkel in den Violinen verwandt durch all mein Dunkelsein. (Rainer Maria Rilke) weiterlesen...


Donnerstag, 2. August 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

Gleich einer Symphonie in Grün durchpulst von Licht und Duft und Glanz ziehn Wiesen sich und Hügel hin erfüllt von buntem Blumentanz. Die Wege liegen lang im Wind, und alle Birken neigen sich. Und wenn die Gärten verlassen sind, dann sind sie es nur für mich. Die Bänke stehen wartend da, die Gräser wiegen her und hin, und manchmal scheint der Himmel nah, und lange Vogelschwärme ziehn. Und alles ist tief eingetaucht in Lächeln und in Einsamkeit. Mit Gold ist alles angehaucht, und eine Elster schreit. (Selma Meerbaum-Eisinger) weiterlesen...


Donnerstag, 26. Juli 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

Zeit der Stille die Banner eingerollt, die Rufe schweigen Zeit für das Meer an Land zu steigen wahr und falsch fallen zusammen lassen etwas Neues entsteh'n Zeit dass auf Erden Wunder gescheh'n (Joachim Harms, mit Genehmigung des Autors hier veröffentlicht) weiterlesen...


Samstag, 21. Juli 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (4)

Pfauenfeder: in deiner Feinheit sondergleichen, wie liebte ich dich schon als Kind. Ich hielt dich für ein Liebeszeichen, das sich an silberstillen Teichen in kühler Nacht die Elfen reichen, wenn alle Kinder schlafen sind. Und weil Großmütterchen, das gute, mir oft von Wünschegerten las, so träumte ich, du Zartgemute, in deinen feinen Fasern flute die kluge Kraft der Rätselrute - und suchte dich im Sommergras. (Rainer Maria Rilke) Gefunden habe ich nur diese: weiterlesen...


Donnerstag, 19. Juli 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (4)

Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen Sich tiefer und tiefer ins Herz hinein, Und während Tage und Jahre verstreichen, Werden sie Stein. Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre, Sie scheinen zerronnen wie Schaum. Doch du spürst ihre lastende Schwere Bis in den Traum. Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle, Die Welt wird ein Blütenmeer. Aber in meinem Herzen ist eine Stelle, Da blüht nichts mehr. (Ricarda Huch) weiterlesen...