Sonntag, 20. April 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Er vermochte niemals bis zuletzt ihr zu weigern oder abzuneinen, daß sie ihrer Liebe sich berühme; und sie sank ans Kreuz in dem Kostüme eines Schmerzes, welches ganz besetzt war mit ihrer Liebe größten Steinen. Aber da sie dann, um ihn zu salben, an das Grab kam, Tränen im Gesicht, war er auferstanden ihrethalben, daß er seliger ihr sage: Nicht - Sie begriff es erst in ihrer Höhle, wie er ihr, gestärkt durch seinen Tod, endlich das Erleichternde der Öle und des Rührens Vorgefühl verbot, um aus ihr die Liebende zu formen die sich nicht mehr zum Geliebten neigt, weil sie, hingerissen von enormen Stürmen, seine Stimme übersteigt. (Rainer Maria Rilke) weiterlesen...


Freitag, 18. April 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Oft ist das Leben lauter Licht Und funkelt freudefarben Und lacht und fragt nach denen nicht, Die litten, die verdarben. Doch immer ist mein Herz bei denen, Die Leid verhehlen Und sich am Abend voller Sehnen Zu weinen in die Kammer stehlen. So viele Menschen weiß ich, Die irren leidbeklommen, All ihre Seelen heiß ich Mir Brüder und willkommen. Gebückt auf nasse Hände Weiß ich sie abends weinen, Sie sehen dunkle Wände Und keine Lichter scheinen. Doch tragen sie verborgen, Verirrt, und wissen’s nicht, Durch Finsternis und Sorgen Der Liebe süßes Licht. (Hermann Hesse) weiterlesen...


Dienstag, 8. April 2014 | Kategorie: Denk-Würdiges, Gedichte, Worte | Kommentare (4)

Du wagst ein Ja und erlebst einen Sinn. Du wiederholst dein Ja und alles bekommt Sinn. Wenn alles Sinn hat, wie kannst du anders leben als ein Ja? (Dag Hammerskjöld, abgedruckt in: Elisabeth Lukas, Der Schlüssel zu einem sinnvollen Leben, Kösel-Verlag, S. 75) weiterlesen...


Freitag, 4. April 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (1)

Als ich zurücksah, war die Welt ertrunken in Kirschblüten. (Chora) weiterlesen...


Donnerstag, 27. März 2014 | Kategorie: Allgemein, Gedichte | Kommentare (2)

Man muß sein Brot mit gar nichts essen. Mit nichts als Licht und Luft bestreut. Gefühle, die man ganz vergessen, Geschmack und Duft der Kinderzeit, Sie sind im trocknen Brot beschlossen, wenn man es unterm Himmel ißt. Doch wird die Weisheit nur genossen, wenn man den Hunger nicht vergißt. (Eva Strittmatter, gefunden in: Andere zeiten Heft 1/2014, S. 8 Ich habe mal als Kind Brot holen müssen, es war noch warm. Ich habe es mir unter den linken Arm geklemmt und mit den Fingern der rechten Hand an der Kruste geknibbelt, immer und immer wieder. Zu Hause angekommen, hatte es bis fast zur Mitte einen "Mäusegang". weiterlesen...


Donnerstag, 20. März 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung an der Wiesen aufgedecktes Grau. Kleine Wasser ändern die Betonung. Zärtlichkeiten, ungenau, greifen nach der Erde aus dem Raum. Wege gehen weit ins Land und zeigen’s. Unvermutet siehst du seines Steigens Ausdruck in dem leeren Baum. (Rainer Maria Rilke) weiterlesen...


Samstag, 15. März 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Gedichte, Rezensionen | Kommentare (0)

Dieser schmale Gedichtband macht eine Entwicklung des lyrischen Ichs deutlich. Es ist - zunächst - offensichtlich das einer (sehr) jungen Frau, die schlafend oder tagträumend auf den Prinzen wartet, ohne den sie sich verloren wähnt. Da ist vom Rausch der Gefühle die Rede, von den "berühmten Schmetterlingen" im Bauch, von trauter, inniger Zweisamkeit, die Garant für alle problematischen Situationen zu sein scheint. Und da ist der Wunsch: Am liebsten würde ich ihn einsperren. In einen goldenen Käfig. Und die Einsicht, dass das wenig sinnvoll ist, auch wenn das Leben ohne ihn "endlose Leere" im Körper verbreitet und die Kraft des lyrischen Ichs ...weiterlesen...


Sonntag, 9. März 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Brech der lustige Sonnenschein Mit der Tür euch ins Haus hinein, Daß alle Stuben so frühlingshelle; Ein Engel auf des Hauses Schwelle Mit seinem Glanze säume Hof, Garten, Feld und Bäume, Und geht die Sonne abends aus, Führ er die Müden mild nach Haus! (Joseph von Eichendorff) weiterlesen...


Samstag, 8. März 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Du hast mir das Leben geschenkt mein Leben ein Leben voller Möglichkeiten Dafür danke ich dir Ich war mit meiner Unbändigkeit meinem Lebenswillen meinem Wunsch nach Entfaltung - auch jenseits geltender Normen - für dich sicher bedrohlich zu Beginn sogar lebensbedrohlich Das tut mir leid Lange bin ich weit unter meinen Möglichkeiten geblieben Ich sollte "kleine Brötchen backen" Gehorsam habe ich mich daran gehalten - nur nicht zuviel wollen - Ich hätte ja wie die Kuh auf dem Eis landen können Das hat viel Energie gekostet zu viel Das Wissen um meine Möglichkeiten war mir fast abhanden gekommen Meine Lebensenergie kochte auf Sparflamme Jetzt werde ich Brotlaibe backen und wie die Kuh auf's Eis gehen Mal sehen was ich dann erlebe! (© mona lisa) weiterlesen...


Dienstag, 4. März 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Gedichte, Rezensionen | Kommentare (1)

Manchmal muss es einfach ein Gedicht sein, kein Krimi, kein Roman, kein Sachbuch, einfach ein Gedicht. Heute Morgen habe ich "In der Farbe des Morgens" gestöbert, eine schon 1992 herausgegebene Auswahl von Gedichten der lateinamerikanischen Lyrikerin Gioconda Belli. Und ich bin begeistert. Es sind Gedichte voller (weiblicher) Phantasie, Erotik. Sie strotzen vor Selbstbewusstsein. Da gibt es "Spielregeln für Männer, die mich lieben wollen", ein "Hexeneinmaleins zum Träumen". Ihre Gedichte waren zur Zeit ihres Erscheinens ein Skandal, weil sie offen weibliche (sexuelle) Wünsche und Phantasien ansprechen. "Ich fühlte instinktiv, daß ich die Schlange vom Baum des Lebens geholt hatte." Bitte Kleide mich in Liebe denn ich ...weiterlesen...