Donnerstag, 18. September 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Der innere Architekt Wem's in der Unterwelt zu still, Wer oberhalb erscheinen will, Der baut sich, je nach seiner Weise, Ein sichtbarliches Wohngehäuse. Er ist ein blinder Architekt, Der selbst nicht weiß, was er bezweckt. Dennoch verfertigt er genau Sich kunstvoll seinen Leibesbau. Und sollte mal was dran passieren, Kann er's verputzen und verschmieren, Und ist er etwa gar ein solch Geschicktes Tierlein wie der Molch, Dann ist ihm alles einerlei, Und wär's ein Bein, er macht es neu. Nur schad, daß, was so froh begründet, So traurig mit der Zeit verschwindet, Wie schließlich jeder Bau hienieden, Sogar die stolzen Pyramiden! (Wilhelm Busch) weiterlesen...


Dienstag, 16. September 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Gedichte, Rezensionen | Kommentare (0)

In diesem schmalen Band verarbeitet Irmgard Schreiner offensichtlich ihre zahlreichen Impressionen über Frankreich in Gedichten sehr unterschiedlicher Art und freut sich schon auf den nächsten Aufenthalt, der ihr dabei hilft, die "deutsche pedantische Zeit" zu vergessen. Das Gedicht "Guten Morgen Frankreich" liest sich fast wie eine "Einleitung" in die Facetten, die den Leser ihrer Gedichte erwarten: Erinnern den Duft von croissants nature, die zur Frühmesse rufenden Glocken von Notre Dame. Bonjour Strasbourg! Und Bilder hinter der Stirn ... der lächelnde Engel vom Westportal, das Ballet der Möven an den Ufern der Ill, printemps au quai de Paris. Sie beschließt: Ich werde den "Maurice Ravel", ich werde den Nachtzug nehmen, ich werde die Zeit ...weiterlesen...


Sonntag, 14. September 2014 | Kategorie: Alltägliches, Gedichte | Kommentare (4)

Begegnungen mit bekannten oder noch unbekannten Menschen in den eigenen vier Wänden oder unterwegs Gespräche in einer Offenheit, Leichtigkeit von der man im Alltag nur träumen kann Strahlende Gesichter auch ernste doch immer authentisch Flüchtige Begegnungen mit einer Nachhaltigkeit die noch länger spürbar ist. (© mona lisa) weiterlesen...


Freitag, 12. September 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Der Herbst des Einsamen Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle, Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen. Ein reines Blau tritt aus verfallener Hülle; Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen. Gekeltert ist der Wein, die milde Stille Erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen. Und hier und dort ein Kreuz auf ödem Hügel; Im roten Wald verliert sich eine Herde. Die Wolke wandert übern Weiherspiegel; Es ruht des Landmanns ruhige Gebärde. Sehr leise rührt des Abends blauer Flügel Ein Dach von dürrem Stroh, die schwarze Erde. Bald nisten Sterne in des Müden Brauen; In kühle Stuben kehrt ein still Bescheiden Und Engel treten leise aus den blauen Augen der Liebenden, ...weiterlesen...


Sonntag, 7. September 2014 | Kategorie: Aufgelesen, Gedichte | Kommentare (2)

Aus der Hand frisst der Herbst mir sein Blatt: Wir sind Freunde. Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehn: Die Zeit kehrt zurück in die Schale. Im Spiegel ist Sonntag, im Traum wird geschlafen, der Mund redet wahr. (die ersten beiden Strophen von: Paul Celan, Corona, zitiert nach, Lyrik der Nachkriegszeit 1945-1960, Leipzig 2005, S. 89) weiterlesen...


Freitag, 5. September 2014 | Kategorie: Aufgelesen, Gedichte | Kommentare (1)

Wacht auf, denn eure Träume sind schlecht! Bleibt wach, weil das Entsetzliche näher kommt. Auch zu dir kommt es, der weit entfernt wohnt von den Stätten, wo Blut vergossen wird, auch zu dir und deinem Nachmittagsschlaf, worin du ungern gestört wirst. Wenn es heute nicht kommt, kommt es morgen, aber sei gewiss. (die ersten beiden Strophen von: Günter Eich, Träume, zitiert nach, Lyrik der Nachkriegszeit 1945-1960, Leipzig 2005, S. 67) weiterlesen...


Sonntag, 31. August 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren Sind Schlüssel aller Kreaturen, Wenn die, so singen oder küssen, Mehr als die Tiefgelehrten wissen, Wenn sich die Welt ins freie Leben, Und in die Welt wird zurück begeben, Wenn dann sich wieder Licht und Schatten Zu echter Klarheit werden gatten, Und man in Märchen und Gedichten Erkennt de ew'gen Weltgeschichten, Dann fliegt vor einem geheimen Wort Das ganze verkehrte Wesen fort. (Novalis 1800) weiterlesen...


Donnerstag, 28. August 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (1)

Champagner Ist dein Leben freudenleer - Trink' Champagner! Ist das Herz von Gram dir schwer - Trink' Champagner! Hast nicht Wunsch noch Thränen mehr - Trink' Champagner! Trink' Champagner! Es bannt die Trauer Der leichte Franzose, der rosig glüht, Jagt die sentimentalen Grillen Aus dem schweren deutschen Gemüth. Die lustigen Champagnergeister Die drehen sich jetzt im Kreis Und mir im Kopfe summet Eine seltsam wirbelnde Weis'. Sie glauben, daß ich trunken sei Und wollen mit mir spielen; O hütet euch, im Rausche erst Erwachen die bösen Grillen. Denn wenn ich oft recht toll gelacht, Gescherzt und mich heiser gesungen: Hab' ich zu übertäuben gesucht Meine lauten Erinnerungen. »Wie Jener im Rausch noch denken kann?« Ihr meint wohl, daß die ...weiterlesen...


Dienstag, 26. August 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Gerade an den Sonntagen wenn es nichts mehr zu tun gibt oder ich die Kraft noch mehr zu tun nicht mehr aufbringen kann oder will ist da Raum, viel Raum deine Abwesenheit zu spüren die Leere die fehlende Wärme und Weichheit deines Körpers die Erinnerungen an deinen Humor, deine Großzügigkeit deine spezielle Art der Fürsorge diese Leere ist manchmal schwer zu ertragen trotz aller Fort-Schritte in meinem eigenen Leben (© mona lisa) weiterlesen...


Freitag, 22. August 2014 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (4)

Gestern ist nicht heute mehr: Es ist weg, es ist dahin. Es verspührt, empfindet, fühlet, sieht und höret unser Sinn Nichts von seiner Gegenwart. Gestern ist, wie ein Geschrey, Das im Augenblick verschwindet, auch verschwunden und vorbey. Alles gestrige Vergnügen, Lachen, Fröhlichkeit und Schertz Ist nunmehr ein leeres Nichts. Aber auch ein bittrer Schmertz, Der uns gestern drückt′ und fraß, der uns Marck uns Bein durchwühlet, Hat mit gestern aufgehört, und wird heute nicht gefühlet. Eines Reichen fröhlichs Gestern ist mit allem seinen Prangen, Und des Armen elend Gestern auch mit aller Noth vergangen. Beydes bringt besondern Trost. Denn die kurtze Daur der Freuden Tröstet alle, die nicht glücklich: Und, die ...weiterlesen...