Dienstag, 2. Februar 2016 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Nordwind bläst. Und Südwind weht. Und es schneit. Und taut. Und schneit. Und indes die Zeit vergeht bleibt ja doch nur eins: die Zeit. Pünktlich holt sie aus der Truhe falschen Bart und goldnen Kram. Pünktlich sperrt sie in die Truhe Sorgenkleid und falsche Scham. In Brokat und seidnen Resten, eine Maske vorm Gesicht, kommt sie dann zu unsren Festen. Wir erkennen sie nur nicht. Bei Trompeten und Gitarren drehn wir uns im Labyrinth und sind aufgeputzte Narren um zu scheinen, was wir sind. Unsre Orden sind Attrappe. Bunter Schnee ist aus Papier. Unsre Nasen sind aus Pappe. Und aus welchem Stoff sind ...weiterlesen...


Dienstag, 19. Januar 2016 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

Und ein großes Schweigen Hüllt die Welten ein. Tod mit seiner Geigen Schreitet auf dem Rain. (Georg Heym, 2. Strophe v. Winterwärts) weiterlesen...


Samstag, 16. Januar 2016 | Kategorie: Allgemein, Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

Gute Bäume, die ihr die starr entblätterten Arme Reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab! Ach, ihr müßt noch harren, ihr armen Söhne der Erde, Manche stürmische Nacht, manchen erstarrenden Tag! Aber dann kommt wieder die Sonne mit dem grünenden Frühling Euch; nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück? Harr geduldig, Herz, und bringt in die Wurzel den Saft dir! Unvermutet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor. (Johann Gottfried von Herder) weiterlesen...


Freitag, 15. Januar 2016 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (3)

Ich trete in die dunkelblaue Stunde - da ist der Flur, die Kette schließt sich zu und nun im Raum ein Rot auf einem Munde und eine Schale später Rosen – Du! Wir wissen beide, jene Worte, die jeder oft zu anderen sprach und trug, sind zwischen uns wie nichts und fehl am Orte: dies ist das Ganze und der letzte Zug. Das Schweigende ist so weit fortgeschritten und füllt den Raum und denkt sich selber zu die Stunde – nichts gehofft und nichts gelitten – mit ihrer Schale später Rosen – Du. (der erste Teil des Gedichts, Blaue Stunde von Gottfried Benn) weiterlesen...


Donnerstag, 14. Januar 2016 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (1)

Ich bin aus aller Ordnung ausgetrieben. Sie nennen mich ein Emigrantenschwein. Sie sagen, wärst du doch zu Haus geblieben! Ich aber wollte ein Charakter sein. Ich sagte "Guten Tag" statt "Heil" zu rufen, Da hat man mir die Schutzhaft angedroht, Doch ich bin nicht zum Märtyrer berufen. Ich floh- aus einer Not- in andre Not. Jetzt bin ich ein unangemeldetes Leben, Ich habe keinen Paß. Ich stehe daneben und bleibe daneben- Den Beamten ein ewiger Haß. Die Staaten haben herrliche Devisen! Nach Frankreich gewendet: Hier drüben "Freiheit, Gleichheit, Bruderschaft", Nach der Schweiz gewendet: Und dieses Land wird als Asyl gepriesen. Doch mich erwartet hier und dort nur Haft. So wie ich bin, so bin ich ungesetzlich. Zwar schlägt man ...weiterlesen...


Samstag, 9. Januar 2016 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

Die Wolken sehen aus wie Wogen, und die Wogen wie Wolken. Ich muß einen Fischer suchen, der mir sagt, wo das Meer ist. (Ki No Tsurayuki) weiterlesen...


Mittwoch, 6. Januar 2016 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Betritt er den Wald, so bewegt sich nicht einmal das Gras. Taucht er ins Wasser, verursacht er nicht einmal eine kleine Welle. Niemand bemerkt ihn, da er von sich selbst keine Notiz nimmt. (Zenrin) weiterlesen...


Samstag, 2. Januar 2016 | Kategorie: Allgemein, Gedichte | Kommentare (2)

Mit der Freude zieht der Schmerz traulich durch die Zeiten. Schwere Stürme, milde Weste, bange Sorgen, frohe Feste wandeln sich zu Zeiten. Und wo eine Träne fällt, blüht auch eine Rose. Schon gemischt, noch e wir's bitten, ist für Throne und für Hütten Schmerz und Lust im Lose. War's nicht so im alten Jahr? Wird's im neuen enden? Sonnen wallen auf und nieder, Wolken gehn und kommen wieder und kein Mensch wird's wenden. Gebe denn, der über uns wägt mit rechter Waage, jedem Sinn für seine Freuden, jedem Mut für seine Leiden in die neuen Tage, jedem auf dem Lebenspfad einen Freund zur Seite, ein zufriedenes Gemüte und zu stiller Herzensgüte Hoffnung ins Geleite! (Johann Peter Hebel) weiterlesen...


Mittwoch, 30. Dezember 2015 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (0)

Ich will nicht mehr gefallen um geliebt zu werden und auch nicht mehr lieb sein um zu gefallen auch wenn das manchen gar nicht gefällt (© mona lisa) weiterlesen...


Sonntag, 27. Dezember 2015 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

So wandelt sie im ewig gleichen Kreise, Die Zeit, nach ihrer alten Weise, Auf ihrem Wege taub und blind. Das unbefangene Menschenkind Erwartet stets vom nächsten Augenblick Ein unverhofftes seltsam neues Glück. Die Sonne geht und kehret wieder, Kommt Mond und sinkt die Nacht hernieder, Die Stunden die Wochen abwärts leiten, Die Wochen bringen die Jahreszeiten. Von aussen nichts sich je erneut. In dir trägst du die wechselnde Zeit, In dir nur Glück und Begebenheit! (Ludwig Tieck) weiterlesen...