Donnerstag, 28. Mai 2015 | Kategorie: Denk-Würdiges, Gedichte | Kommentare (2)

Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben! Sie zu halten, wäre das Problem. Denn, wen ängstigts nicht: wo ist ein Bleiben, wo ein endlich Sein in alledem? - Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegen jenem Raum, der ihn nach Abend nimmt: Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen, und das willig Liegende verschwimmt - Berge ruhn, von Sternen überprächtigt; - aber auch in ihnen flimmert Zeit. Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt obdachlos die Unvergänglichkeit. (Rainer M. Rilke, aus dem Nachlaß des Grafen C. W.) weiterlesen...


Dienstag, 26. Mai 2015 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (3)

Du wunderst wunderlich dich über Wunder, Verschwendest Witzespfeile, blank geschliffen. Was du begreifst, mein Freund, ist doch nur Plunder, Und in Begriffen nicht mit einbegriffen Ist noch ein unermeßliches Revier, Du selber drin das größte Wundertier. (Joseph von Eichendorff) weiterlesen...


Donnerstag, 21. Mai 2015 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Der Wunsch nach einem liebe-vollen Freund der einen versteht, achtet, respektiert besteht nun schon sehr lange sozusagen ein Jugendtraum Wäre es nicht sinn-voller sich selbst zum besten Freund zu machen statt sehnsuchtsvoll zu warten auf einen, der vielleicht nie kommt Dann wäre man zumindest stets in bester Begleitung (mona lisa) Entstanden beim Lesen von Bronnie Ware, 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen weiterlesen...


Sonntag, 17. Mai 2015 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Wäre es uns möglich, weiter zu sehen, als unser Wissen reicht, und noch ein wenig über die Vorwerke unseres Ahnens hinaus, vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden. Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist, etwas Unbekanntes; unsere Gefühle verstummen in scheuer Befangenheit, alles in uns tritt zurück, es entsteht eine Stille, und das Neue, das niemand kennt, steht mitten darin und schweigt. (R.M. Rilke, aus einem Brief an F.X. Kappus) weiterlesen...


Mittwoch, 13. Mai 2015 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Wir leben hin in Form und Schein Und ahnen nur in Leidestagen Das ewig wandellose Sein, Von dem uns dunkle Träume sagen. Wir freuen uns an Trug und Schaum, Wir gleichen füherlosen Blinden, Wir suchen bang in Zeit und Raum, Was nur im Ewigen zu finden. Erlösung hoffen wir und Heil In wesenlosen Traumesgaben - Da wir doch Götter sind und teil Am Urbeginn der Schöpfung haben. (Hermann Hesse) weiterlesen...


Dienstag, 12. Mai 2015 | Kategorie: Allgemein, Gedichte | Kommentare (4)

Manchmal geht etwas zu Ende von dem man weiß, es ist nur vorübergehend das Ende absehbar doch wenn das Ende dann da ist wie immer scheinbar plötzlich werden Erinnerungen an große, einschneidende Abschiede wach die unwiderruflich sind keine Hoffnung mehr auf einen Neuanfang besitzten und die alte Traurigkeit greift wieder um sich will gesehen und gewürdigt werden auch wenn der Anlass nur ein kleiner vorhersehbarer Abschied war (mona lisa) weiterlesen...


Samstag, 9. Mai 2015 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

So hab ich wirklich dich verloren? Bist du, o Schöne, mir entfloh'n? Noch klingt in den gewohnten Ohren Ein jedes Wort, ein jeder Ton. So wie des Wandrers Blick am Morgen Vergebens in die Lüfte dringt, Wenn, in dem blauen Raum verborgen, Hoch über ihm die Lerche singt: So dringet ängstlich hin und wider Durch Feld und Busch und Wald mein Blick. Dich rufen alle meine Lieder; O komm', Geliebte, mir zurück! (Johann W. Goethe) weiterlesen...


Dienstag, 5. Mai 2015 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Wenn der Frühling kommt mit dem Sonnenschein, Dann knospen und blühen die Blümlein auf; Wenn der Mond beginnt seinen Strahlenlauf, Dann schwimmen die Sternlein hintendrein; Wenn der Sänger zwei süße Äuglein sieht, Dann quellen ihm Lieder aus tiefem Gemüt; - Doch Lieder und Sterne und Blümelein, Und Äuglein und Mondglanz und Sonnenschein, Wie sehr das Zeug auch gefällt, So macht's doch noch lang keine Welt. (Heinrich Heine) weiterlesen...


Montag, 4. Mai 2015 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Wie soll ich meine Seele halten, daß sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie hinheben über dich zu andern Dingen? Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas Verlorenem im Dunkel unterbringen an einer fremden stillen Stelle, die nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen. Doch alles, was uns anrührt, dich und mich, nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich, der aus zwei Saiten eine Stimme zieht. Auf welches Instrument sind wir gespannt? Und welcher Geiger hat uns in der Hand? O süßes Lied. (Rainer Maria Rilke) weiterlesen...


Freitag, 1. Mai 2015 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (1)

So häng ich denn auf krummem Aste und schaukle meine Müdigkeit. Ein Vogel lud mich her zu Gaste, ein Vogelnest ist's, drin ich raste. Wo bin ich doch? Ach, weit! Ach weit! Das weiße Meer liegt eingeschlafen, und purpurn steht ein Segel drauf. Fels, Feigenbäume, Turm und Hafen, Idylle rings, Geblök von Schafen, – Unschuld des Südens, nimm mich auf! Nur Schritt für Schritt – das ist kein Leben, stets Bein vor Bein macht deutsch und schwer. Ich hieß den Wind mich aufwärts heben, ich lernte mit den Vögeln schweben, – nach Süden flog ich übers Meer. Vernunft? Verdrießliches Geschäfte! Das bringt uns allzubald ans Ziel! Im Fliegen lernt ich, was mich äffte, – schon fühl ich Mut ...weiterlesen...