Freitag, 14. Juni 2013 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Ich danke Gott und freue mich Wie's Kind zu Weihnachtsgabe, Daß ich bin, bin! Und daß ich dich, Schön menschlich Antlitz! habe; ... Ich danke Gott mit Saitenspiel, Daß ich kein König worden; Ich wär geschmeichelt worden viel, Und wär vielleicht verdorben. ... Gott gebe mir nur jeden Tag, Soviel ich darf zum Leben. Er gibts dem Sperling auf dem Dach; Wie sollt er's mir nicht geben! (Matthias Claudius) weiterlesen...


Freitag, 7. Juni 2013 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden: Die Luft einziehen, sich ihrer entladen; Jenes bedrängt, dieses erfrischt; So wunderbar ist das Leben gemischt. Du danke Gott, wenn er dich preßt, Und dank ihm, wenn er dich wieder entläßt. (Johann Wolfgang v. Goethe) weiterlesen...


Mittwoch, 5. Juni 2013 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (4)

"Wir danken sehr für Ihr ergreifendes Gedicht, Das uns so tiefen Eindruck hinterlassen hat, Und wir bedauern herzlich, daß es nicht So recht geeignet scheint für unser Blatt." So schreibt mir irgendeine Redaktion Fast jeden Tag. Es drückt sich Blatt um Blatt. Es riecht nach Herbst, und der verlorne Sohn sieht deutlich, daß er nirgends Heimat hat. Für mich allein denn schreib ich ohne Ziel, Der Lampe auf dem Nachttisch les ich's vor. Vielleicht leiht auch die Lampe mir kein Ohr. Doch gibt sie hell, und schweigt. Das ist schon viel. (Hermann Hesse) weiterlesen...


Freitag, 31. Mai 2013 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Gott spricht zu jedem nur, eh er ihn macht, dann geht er schweigend mit ihm aus der Nacht. Aber die Worte, eh jeder beginnt, diese wolkigen Worte, sind: Von deinen Sinnen ausgesandt, geh bis an deiner Sehnsucht Rand; gieb mir Gewand. Hinter den Dingen wachse als Brand, daß ihre Schatten, ausgespannt, immer mich ganz bedecken. Laß dir Alles geschehn: Schönheit und Schrecken. Man muß nur gehn: Kein Gefühl ist das fernste. Laß dich von mir nicht trennen. Nah ist das Land, das sie das Leben nennen. Du wirst es erkennen an seinem Ernste. Gieb mir die Hand. (R.M.Rilke, Das Stundenbuch) weiterlesen...


Sonntag, 12. Mai 2013 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (1)

Wolken sind Gedanken, die am Himmel stehn. Keine Schrift der Erde schrieb sie je so schön. Manchmal hingerissen, hart und wie im Zorn, manchmal wie im Traume leise und verlor'n. Und seit Ewigkeiten stehen sie so da, eh' ein Menschenauge noch nach ihnen sah. Und in Ewigkeiten werden sie so stehn. Auch wenn Menschenaugen längst sie nicht mehr sehn. (Hermann Claudius) weiterlesen...


Freitag, 10. Mai 2013 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (1)

Das Warenhaus Palmström kann nicht ohne Post leben: Sie ist seiner Tage Kost. Täglich dreimal ist er ganz Spannung. Täglich ists der gleiche Tanz: Selten hört er einen Brief plumpsen in den Kasten breit und tief. Düster schilt er auf den Mann, welcher, wie man weiß, dafür nichts kann. Endlich kommt er drauf zurück, auf das: "Warenhaus für Kleines Glück". Und bestellt dort, frisch vom Rost (quasi): ein Quartal - "Gemischte Post"! Und nun kommt von früh bis spät Post von aller Art und Qualität. Jedermann teilt ihm sich mit, brieflich, denkt an ihn auf Schritt und Tritt. Palmström sieht sich in die Welt plötzlich überall hineingestellt ... Und ihm wird schon wirr und weh ... Doch es ist ja nur das - "W.K.G." (Christian Morgenstern) weiterlesen...


Montag, 6. Mai 2013 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Sommergesang 1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; Schau an der schönen Gärten Zier, und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben. 2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide. Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an, als Salomonis Seide. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fleucht aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder, Die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und Felder. (Paul Gerhardt) weiterlesen...


Dienstag, 30. April 2013 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (3)

O schau, sie schweben wieder Wie leise Melodien Vergessener schöner Lieder Am blauen Himmel hin! Kein Herz kann sie verstehen, Dem nicht auf langer Fahrt Ein Wissen von allen Wehen Und Freuden des Wanderns ward. Ich liebe die Weißen, Losen Wie Sonne, Meer und Wind, Weil sie der Heimatlosen Schwestern und Engel sind. (Hermann Hesse) weiterlesen...


Dienstag, 23. April 2013 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (0)

Frühlingsglaube Die linden Lüfte sind erwacht, Sie säuseln und weben Tag und Nacht, Sie schaffen an allen Enden. O frischer Duft, o neuer Klang! Nun, armes Herze, sei nicht bang! Nun muß sich alles, alles wenden. Die Welt wird schöner mit jedem Tag, Man weiß nicht, was noch werden mag, Das Blühen will nicht enden. Es blüht das fernste, tiefste Tal: Nun, armes Herz, vergiß die Qual! Nun muß sich alles, alles wenden. (Ludwig Uhland) weiterlesen...


Freitag, 29. März 2013 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (4)

Verhangener Tag, im Wald noch Schnee, Im kahlen Holz die Amsel singt: Des Frühlings Atem ängstlich schwingt, Von Lust geschwellt, beschwert von Weh. So schweigsam steht und klein im Gras Das Krokusvolk, das Veichennest, Es duftet scheu und weiß nicht was, Es duftet Tod und duftet Fest. Baumknospen stehn von Tränen blind Der Himmel hängt so bang und nah, Und alle Gärten, Hügel sind Gethsemane und Golgatha. (Hermann Hesse) weiterlesen...