Sonntag, 26. August 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (6)

Wo sind die Lilien aus dem hohen Glas, die deine Hand zu pflegen nie vergaß? Schon tot? Wo ist die Freude deiner Wangen hin, die wie ein ganzer Lenz zu prangen schien - Verloht? Und wo ist unser Glück, so groß und rein, das hell dein Haar wie ein Madonnenschein umspann? Auch das ist tot. Heut weinen wir ihm nach, und morgen kommt der Frost uns ins Gemach - Und dann? (Rainer Maria Rilke) weiterlesen...


Donnerstag, 23. August 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (4)

Es herbstelt schon ein wenig: Die Abende und Morgen atmen feucht Von dünnen Nebeln, deren Naß noch lau. Vom Maulbeerbaum mit plötzlichem Geleucht Weht gelb und groß ein Blatt ins sanfte Blau. (2.Strophe des Gedichtes "Spätsommer" von Hermann Hesse) weiterlesen...


Montag, 20. August 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (4)

Die große Sonne ist versprüht, der Sommerabend liegt im Fieber, und seine heiße Wange glüht. Jach seufzt er auf: "Ich möchte lieber ..." Und wieder dann: "Ich bin so müd ..." Die Büsche beten Litanein, Glühwürmchen hangt, das regungslose, dort wie ein ewiges Licht hinein; und eine kleine weiße Rose trägt einen roten Heiligenschein. (Rainer Maria Rilke) weiterlesen...


Sonntag, 12. August 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (3)

Der Himmel hat eine Träne geweint, Die hat sich ins Meer verlieren gemeint. Die Muschel kam und schloss sie ein: Du sollst nun meine Perle sein. Du sollst nicht vor den Wogen zagen, Ich will hindurch dich ruhig tragen. O du mein Schmerz, du meine Lust, Du Himmelsträn in meiner Brust! Gib, Himmel, daß ich in reinem Gemüte Den reinsten deiner Tropfen hüte. (Friedrich Rückert) weiterlesen...


Donnerstag, 9. August 2018 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Für Schönheit starb ich - und war kaum Zurechtgerückt im Grab Als Einer der für Wahrheit starb Ins Nebenzimmer kam - Er fragt sanft "Für was starbst du?" "Für Schönheit", sagte ich - "Und ich - für Wahrheit - wir sind Brüder - Denn Die sind Eins und gleich" - So redeten wir, blutsverwandt - Und Wand an Wand des Nachts - Bis Moos zu unsern Lippen stieg - Auf unsern Namen wuchs - (Emily Dickinson) weiterlesen...


Mittwoch, 8. August 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

Du gehst. Und der Asphalt ist plötzlich nass und plötzlich ist das Grün der Bäume neu und ein Geruch wie von ganz frischem Heu schlägt dir in dein Gesicht, das heiß und blass auf diesen Regen wohl gewartet hat. Die Gräser, welche staubig, müd und matt sich bis zur Erde haben hingebeugt, sehen beglückt die Schwalbe, welche nahe fleugt, und scheinen plötzlich stolz zu sein. Du aber gehst. Gehst einsam und allein und weißt nicht, sollst du lachen oder weinen. Und hier und da sind Sonnenstrahlen, welche scheinen, als ginge sie der Regen gar nichts an. (Selma Meerbaum-Eisinger) weiterlesen...


Dienstag, 7. August 2018 | Kategorie: Gedichte | Kommentare (2)

Es gibt eine Stille, in der man meint, man müsse die einzelnen Minuten hören, wie sie in den Ozean der Ewigkeit hinuntertropfen. (Adalbert Stifter) weiterlesen...


Sonntag, 5. August 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

Wickle die Hand in das Tuch und dann tauche sie Ein ins bekrönte Gesträuch, und so kühn, daß es knirscht In dem Dickicht zelluloidener Dornen. Die Rose gepflückt ohne Schere! Sieh dich nur vor, daß die Blüten nicht alle zerfallen - Rosiger Kehricht - Musselin - Salomons Blütenblatt - Wildling, für das Sorbet nicht zu brauchen, Weder Aromen noch Öl gibt's aus ihm. (Ossip Mandelstamm, Armenien, Armenien, Posa, Notizbuch, Gedichte 1930-1933) weiterlesen...


Samstag, 4. August 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (4)

Nenn ich dich Aufgang oder Untergang? Denn manchmal bin ich vor dem Morgen bang und greife scheu nach seiner Rosen Röte - und ahne eine Angst in seiner Flöte vor Tagen, welche liedlos sind und lang. Aber die Abende sind mild und mein, von meinem Schauen sind sie still beschienen; in meinem Armen schlafen Wälder ein, - und ich bin selbst das Klingen über ihnen, und mit dem Dunkel in den Violinen verwandt durch all mein Dunkelsein. (Rainer Maria Rilke) weiterlesen...


Donnerstag, 2. August 2018 | Kategorie: Fotos, Gedichte | Kommentare (2)

Gleich einer Symphonie in Grün durchpulst von Licht und Duft und Glanz ziehn Wiesen sich und Hügel hin erfüllt von buntem Blumentanz. Die Wege liegen lang im Wind, und alle Birken neigen sich. Und wenn die Gärten verlassen sind, dann sind sie es nur für mich. Die Bänke stehen wartend da, die Gräser wiegen her und hin, und manchmal scheint der Himmel nah, und lange Vogelschwärme ziehn. Und alles ist tief eingetaucht in Lächeln und in Einsamkeit. Mit Gold ist alles angehaucht, und eine Elster schreit. (Selma Meerbaum-Eisinger) weiterlesen...