Freitag, 17. Februar 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Bis dahin kannte ich nur das als Kind so begehrte Hasenbrot, auf das man wartete, wenn abends der Vater nach Hause kam. In diesem Bilderbuch (Copyright Ulrike Möltgen, kunstanst!fter verlag) geht es um ein riesiges Wurstbrot, das der Ich-Erzähler von seiner Mutter für den langen Schulweg bekommt. Das ist die gute Nachricht für ihn, da es kurz nach dem Krieg selten ist, dass Wurst aufs Brot kommt. Die schlechte ist: Er muss heute allein gehen, da seine beiden Mitschüler krank zu Hause bleiben. Und der Schulweg führt durch einen dunklen Winterwald, denn es ist kurz nach den Winterferien und noch vor ...weiterlesen...


Mittwoch, 15. Februar 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Normalerweise habe ich überhaupt keine Hemmungen, in Büchern Stellen anzustreichen, Notizen, Anmerkungen zu machen etc. Doch bei diesem "Liegenden Akt in Blau" - der fulminaten Liebesbeziehung zwischen dem Maler Nicolas de Staël und der verheirateten jüngeren Jeanne, sprachlich interessant geschrieben von Nathalie Chaix und von Christina Röckl wunderbar aussagekräftig illustriert, habe ich es nicht übers Herz gebracht. Ich habe mir einen Zettel genommen und darauf meine Notizen gemacht. Aber seht selbst: (Copyright Christina Röckl, kunstanst!fter verlag) Es ist die Geschichte einer langsam und zaghaft beginnenden, dann aber leidenschaftlichen, zerstörerischen Liebesbeziehung in den 50iger Jahren des letzen Jahrhunderts, zwischen diesem ungleichen Paar. Beide ...weiterlesen...


Donnerstag, 9. Februar 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Das Buch "Nichts, um sein Haupt zu betten" hat einen langen Weg hinter sich, bevor es jetzt in deutscher Übersetzung auch für deutsche Leser zugänglich ist. (Copyright Hanser Verlag) Michel Francesconi hat ein Exemplar von "Rien où poser sa tête", 1945 erschienen, auf einem Flohmarkt in Nizza gefunden, es gelesen und weiterempfohlen, so dass es 2015 in Paris bei Gallimard in einer Neuauflage erscheinen konnte. Françoise Frenkel, 1889 in Polen geboren, ist leidenschaftliche Buchhändlerin gewesen und versteht sich nach ihrem Literaturstudium an der Pariser Sorbonne als Botschafterin der französischen Literatur. Während eines Aufenthalts in Berlin stellt sie fest, dass es keine Buchhandlung ...weiterlesen...


Freitag, 3. Februar 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (4)

Mary erzählt ihre Geschichte: "Ich wurde Maria getauft. ... Laut Pass bin ich dreiundzwanzig. Vor ein paar Jahren konnte ich mir nicht vorstellen, wie es sein würde so alt zu sein; jetzt studiere ich bereits im letzten Studienjahr Architektur. Nur die Examensarbeit steht noch aus. ... Ich weiß nicht. ob ich Bauingenieurin, Landschaftsarchitektin oder einfach Architektin werde. Ich vermute, einfach Architektin; zumindest würde ich mir das wünschen. Als ich klein war, wurde ich Tochter oder Marienkäfer genannt, gelegentlich auch Poliomädchen - die Krankheit erklärt mein Hinken. Ich wurde auch mit anderen Namen gerufen, habe aber nicht vor, hier auf sie ...weiterlesen...


Montag, 30. Januar 2017 | Kategorie: Allgemein, Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (8)

Klienten kommen des öfteren mit dem Wunsch zu mir, weil sie ihre sogenannten "negativen Gefühle" - natürlich möglichst schnell und einfach - loswerden wollen. Sie sollen einfach nur weg sein, sie anschauen, mit ihnen sprechen und hinhören wollen sie zunächst meist nicht. Genauso wie die Menschen in Sophies Umgebung. Das sehr einfühlsam illustrierte Bilderbuch von Mirjam Zels über den Umgang mit der Angst beginnt so: "Es gab einmal eine Stadt, da war eigentlich alles in Ordnung." - Ja, das verräterische Wort "eigentlich", das hat es in sich. (© Mirjam Zels / kunstanst!fter verlag) "Sie hatten alles, was man zum Leben braucht. ...weiterlesen...


Donnerstag, 26. Januar 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen | Kommentare (0)

"Wie kommst du auf die Bücher, die du liest?" wurde ich einmal gefragt. Manchmal - habe ich den Eindruck - kommen sie zu mir. Im Programmheft "Kopfüber - Weltunter" der Ruhrfestspiele für 2017 fand ich unter Lesungen diesen Roman von Heinrich Böll, der von Günter Lamprecht und Claudia Amm gelesen wird. Ich kannte ihn noch nicht, weiß aber auch noch nicht, ob ich zu der Lesung gehen kann, also habe ich mir den Roman besorgt und gelesen. Es ist ein wirklich beeindruckender Roman, der am Tag der Kapitulation, am 8. Mai 1945, beginnt. In dem Nachwort von Werner Bellmann, erfährt man ...weiterlesen...


Donnerstag, 19. Januar 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

"Happy Birthday, Türke!", der erste Kriminalroman des 2013 verstorbenen Jakob Arjouni, ist bereits 1985 erschienen und seitdem in mehr als 23 Sprachen übersetzt und von Doris Dörrie verfilmt worden. Viele kennen daher Kemal Kayankaya, den hessisch babbelnden Frankfurter Privatdetektiv und seinen ersten Fall vielleicht schon. Jetzt ist dieser amüsante Krimi in der Edition Büchergilde als Sonderausgabe neu erschienen, überzeugend illustriert von Philip Waechter. Dass ihm die Illustration als ehemaligem Frankfurter Spaß gemacht hat, wie er im Anhang bekennt, ist unschwer zu erkennen. Es ist das Frankfurt der 80iger Jahre, als Kommissare und Privatdetektive noch öffentliche Telefonzellen, mit ihren dicken Telefonbüchern nutzten, ...weiterlesen...


Dienstag, 17. Januar 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (3)

"Asta denkt - und schweigt. Mit wem, fragt sie sich, sollte ich reden? Ich kenne doch keinen mehr, hier, am Boden meines Vaterlandes, das nicht meines ist, weil es mir ebenso wenig gehört wie die Muttersprache; ich steh bloß drauf. Ja, da steht sie, am östlichen Ende der Ebene 03 des Flughafens Franz Josef Strauß, neben einer vom Schalter einer Autovermietung verdeckten und daher kaum frequentierten Drehtür, zu der ihre Nikotingier sie blindlings geleitet hat." Und von dieser Drehtür kommt Asta Arnold, Krankenschwester, quasi entlassen und zwangspensioniert, auch nicht mehr weg. Lange war sie in Nicaragua tätig, bis man ihr mit einem ...weiterlesen...


Freitag, 13. Januar 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

"Mayday! Can anyone hear me? This is Nick Cave, captain of the Henry Lee. I've lost orientation ... Can anyone hear me ..." Dieser Schlusssatz des zweiten Romans des 1983 geborenen Autors Fabian Hischmann ist bezeichnend für die meisten der hier im Roman zahlreich vorkommenden, meist noch jugendlichen Personen. Von ihnen wird in auf den ersten Blick unzusammenhängenden Episoden erzählt, wobei es oft nur Blitzlichter sind, die einen nur einen Moment lang etwas sehen lassen, das man aber nicht wirklich als zusammenhängend erkennen und verstehen kann. Ausdruck einer suche nach Orientierung? Immer wieder tauchen neue Personen auf, manchmal auch nur in ...weiterlesen...


Dienstag, 10. Januar 2017 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (3)

Andreas Altmann bezeichnet sich selbst als einen "Davongekommenen", der als Reporter nicht die Wahrheit berichtet. Sondern "jene Wirklichkeit, an die ich mich erinnere. Immerhin bin ich verwegen genug und unterschlage nicht meine Abstürze, ja Mittelmäßigkeiten und Feigheiten. Ein 'Lebenshilfebuch' ist es wohl nicht geworden. Betrug, schwerer Diebstahl, Impotenz, misslungene Nähe, Homosex, Drogen, Hysterie, AIDS, Liebesunfähigkeit. Wer will sich das zumuten?" Ja, wer will sich das zumuten? Zumindest Menschen, die mit ihm die Liebe zu Büchern, zur Literatur - seine Reportagen sind gespickt mit Zitaten - zur deutschen Sprache, vor allem aber zum eigenständigen und eigenwilligen Leben in all seiner Bandbreite teilen. ...weiterlesen...