Freitag, 4. September 2015 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Gedichte, Rezensionen | Kommentare (2)

Johann Christoph Bürgel hat hundert Vierzeiler aus Rumis Werk ausgewählt, aus dem Persischen übertragen, mit einer Einleitung und Erläuterungen versehen, so dass auch Lesern, die bisher noch keine allzugroße Affinität zu Rumis Versen haben, ein Zugang zu diesen Versen möglich ist. In drei Kapitel sind die Verse eingeteilt, die in poetischer Sprache vor allem die "Freundschaft und Liebe" eines Mannes zu seinem Freund beschreiben, dem er in fast mystischer Weise verbunden war, bis dieser dann eines gewaltsamen Todes gestorben ist. 12 Deine Güte erreicht, was den Meeren gebricht. Deine Großmut nie etwas für morgen verspricht. Man muss keine Gaben erbitten von Dir. Niemand ...weiterlesen...


Mittwoch, 2. September 2015 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Sie suchen gute Unterhaltung mit Tiefgang? Dann greifen Sie zu Dörte Hansens Erstlingsroman "Altes Land". Er erzählt die Geschichte zweier Frauen, die auf den ersten Blick nicht allzuviel gemeinsam haben: Vera ist 1945 mit ihrer Mutter, Hildegard von Kamcke, als Flüchtling im Alten Land gestrandet, von der Bäuerin begrüßt mit folgendem Satz: "'Woveel koomt denn noch vun jau Polacken?'Ihr ganzes Haus war voll von Flüchtlingen, es reichte." Vera, immer nur gelitten, bleibt in diesem Haus, ist nach Karls Tod sogar dessen Besitzerin, während ihre Mutter, die zwar den aus dem Krieg heimgekehrten kriegsversehrten Hoferben Karl geheiratet hat, dann aber mit einem Mann ...weiterlesen...


Montag, 31. August 2015 | Kategorie: Buch-Rezensionen | Kommentare (0)

Mit "Charlotte" ist David Foenkinos ein überaus lesenswerter, eigenwilliger Roman über die Malerin Charlotte Salomon gelungen, über ihr Leben und ihr Werk. Quelle dieses Romans ist nach eigenen Angaben Charlottes Werk Leben? Oder Theater?, das sie im Exil geschaffen und ihrem Arzt, der sie unterstützt hat, mit den Worten C'EST TOUTE MA VIE übergeben hat. "Aber was ist damit genau gemeint? Ich übergebe Ihnen mein Werk, das mein ganzes Leben erzählt. Oder: Ich übergebe Ihnen ein Werk, das mir so viel bedeutet wie mein Leben. Oder vielleicht: Mein Leben geht zu Ende, hier ist es. Heißt es, dass ihr Leben zu Ende geht? Mein GANZES ...weiterlesen...


Montag, 24. August 2015 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

"Ein Leben mehr" ist "die Geschichte von drei alten Männern, die sich in den Wald zurückgezogen haben. Drei Männern, die die Freiheit lieben. 'Man ist frei, wenn man sich aussuchen kann, wie man lebt.' 'Und wie man stirbt.'" Aber keine Sorge, es ist ein Roman vom Leben und vom Lieben, nicht (nur) von Tod und Sterben, auch wenn die drei Männer zusammen fast zweihundert Jahre alt sind. Zwar hockt der Tod die gesamte Geschichte über in seinem Versteck, doch: "Um den Tod muss man sich keine Sorgen machen, er lauert in allen Geschichten." Denn vorerst geht es ums Leben, zunächst um das der zurückgezogen lebenden ...weiterlesen...


Samstag, 22. August 2015 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Den bereits 1928 in Frankreich erschienenen Roman hat nun der Dörlemann Verlag neu herausgegeben, wie gewohnt im lesefreundlichen Format, leinengebunden und mit farbig passendem Lesebändchen. Der Übersetzer Rainer Moritz interpretiert in seinem Nachwort den Roman mit seinem Protagonisten in zutreffender Weise. Dort ist zu lesen, der Roman sei "ein psychologisches Kabinettstück, ein genau durchgearbeitetes Porträt eines Mannes, der früh altert und aus dem Dilemma seines Lebens keinen Ausweg mehr findet." Dabei beginnt der Roman mit folgendem Satz so leicht, so einfach: "Brugnons Jugend verlief unbeschwert. Sein Vater war reich, und seine Mutter pflegte zärtlichen Umgang mit ihm. Beide hatten ihn früh ...weiterlesen...


Donnerstag, 20. August 2015 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

Ich habe meinen Kindern, als sie noch klein waren, (schwierige) Themen oft mit Hilfe von Bilderbüchern erklärt oder versucht, sie ihnen nahezubringen. Das hat den Vorteil, dass sie sich eher ein Bild machen konnten. Man kann zudem beim Vorlesen innehalten, nachfragen, nachdenken, erklären, was auch immer gerade anliegt. Wichtig und nicht immer einfach ist es, passende, ansprechende (Bilder-)Bücher zu finden. Claudia Gliemann und Nadia Faichney ist gemeinsam mit "Papas Seele hat Schnupfen" gelungen, die für Nicht-Betroffene so schwer zu erklärende bzw. nachzuvollziehende Krankeit Depression kindgerecht in Wort und Bild darzustellen. Neles Eltern sind berühmte Seilartisten, die im Zirkus Miraconda, einer ...weiterlesen...


Montag, 17. August 2015 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (3)

"Damals genoss ich solche Verwirrungen, ein taumelndes Gefühl der Schwerelosigkeit, ja, wenn ich jetzt zurückdenke, entsinne ich mich eines primären Gefühls der Schuldlosigkeit." Solche Verwirrungen entstehen bei Victoria, der Ich-Erzählerin, wenn sie sich an einem Ort befindet und dann gefühlt doch wieder nicht. Die gebürtige Rumänin hat in einer Züricher Bank gearbeitet, die überfallen worden ist. Sie wird beurlaubt, um die damit verbundenen Erlebnisse zu verarbeiten und kehrt zurück in ihre Heimatstadt Bukarest. Auf langen Spaziergängen durch die Stadt, durch Begegnungen mit realen Menschen und die Erinnerung an weitere ergibt sich eine Aneinanderreihung von Geschichten wie barocke Perlen auf einer Schmur, ungleich ...weiterlesen...


Samstag, 8. August 2015 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

Jakob Franck ist der neue Ani-Kommissar, gerade pensioniert, ein "geschiedener und beziehungsloser Hausmann", wie er sich selbst bezeichnet. Gesellschaft leisten ihm die "Gespenster seiner Vergangenheit", Tote, mit denen er während seiner Dienstzeit als Mordermittler im Dezernat 11 zu tun hatte. Seine Hoffnung, sie ließen ihn nach der Pensionierung in Ruhe, erfüllt sich nicht. "Den Toten war sein Status egal. Er hatte sich damals, beim Eintritt in den Gehobenen Dienst, für ihre Welt entschieden, und aus dieser Welt kehrt niemand unversehrt und traumlos zurück." An einen - auch für Jakob Franck persönlich - besonderen Fall wird er erinnert, als ihn Ludwig Winther ...weiterlesen...


Samstag, 18. Juli 2015 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (4)

Petra Mikutta ist Journalistin. Sie kann "Unbeschreibliches" beschreiben und das sehr gut. Ergebnis ist dieses Buch, das sie selbst als "Überlebensbuch" bezeichnet. Das Schreiben über den plötzlichen, durch nichts vorhersehbaren Tod ihres Manns und ihren damit verbundenen Absturz in den "surrealen Zwischenzustand der Trauer" hilft ihr, das Leben in der "Parallelwelt der Trauer" zu fassen, zu durchleiden und Monate später dann allmählich wieder in ein eigenes Leben zu gelangen, wie bei einer Geburt verbunden mit vielen schmerzhaften Wehen. Die Art, wie sie schreibt, lässt den Leser ihren seelischen Zustand nachvollziehen, lässt ihn mitfühlen, soweit es für jemanden, der einen solchen ...weiterlesen...


Dienstag, 14. Juli 2015 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

"Der ehrgeizige Mr. Duckworth" wird in dem zweiten Band verfolgt, mehr oder weniger erfolgreich, denn dieses Mal wird er im Verlauf der Verhandlung inhaftiert und muss einige Zeit im Gefängnis sitzen. Der Leser des ersten Bandes erinnert sich, dass und wie Duckworth - ein Englischlehrer in Venedig - nichts und niemanden scheute, um in die höhere italienische Gesellschaft zu gelangen, sogar vor Morden nicht, die - für ihn - zum Glück nicht entdeckt worden sind. So begegnet man ihm zu Beginn des zweiten Romans im Bad seiner komfortablen Neubauwohnung. "MORRIS STRICH MIT DEN FINGERSPITZEN über die seidige Glasur der kaffeebraunen Kacheln. ...weiterlesen...