Freitag, 21. September 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

Poesie ist Widerstand. Widerstand gegen was, wen? Wecker ist der Ansicht, dass in unserer durchökonomisierten, stets auf Profit ausgerichteten (Gedanken-) Welt schon eine "Wunderwaffe" not-wendig ist, um Wichtiges von Unwichtigem, Essenzielles von Nicht-Essenziellem unterscheiden zu können. "Sie heißt Kreativität und sie entfaltet sich immer dann, wenn wir zweckfrei zu spielen beginnen. Wir können das auch mit Gedanken, Worten und Begriffen machen. Dann nennen wir das Spiel Poesie. Aber nicht jedes Wortspiel ist Poesie. Um Poesie zu einer kreativen Kraft werden zu lassen, reicht es nicht, schöne Worte aneinanderzureihen. Zu einer Waffe wird Poesie erst dann, wenn sie unter die Haut geht und die ...weiterlesen...


Mittwoch, 5. September 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

In den meisten Erzählungen wird direkt oder indirekt Sexualität als Machtinstrument thematisiert, das vom "Boss" (Erzählung von Anna Prizkau) ausgeübt wird und die damit verbundene Angst vor der Gewalt der Männer, die Frauen bis in den Schlaf begleitet, so in der Erzählung "Dickicht" von Julia Wolf. Doch auch Frauen und sogar schon Grundschülerinnen nutzen ihre (sexuelle) Macht als Instrument, Männer anzumachen oder Julian, Grundschüler einer 2. Klasse, zu quälen, indem sie ihn zwingen, sich auszuziehen und ihn dann, gefesselt mit einem Springseil, verprügeln. Scham verhindert, dass er sich auf direkte Weise seiner Mutter anvertraut. So erfindet er eine Geschichte, ...weiterlesen...


Freitag, 24. August 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (1)

Wenn man mit wachem Blick durch die Welt geht, kann man Engel allüberall erblicken: in Gedichten (man denke nur an die von Rilke), Kirchen, auf Friedhöfen, Postkarten, Bildern (u.a. von Emil Nolde, Chagall), als Schmuckanhänger, teilweise nur als Flügel angedeutet. In der Bibel sind sie Botschaftsverkünder, Mittler zwischen Gott und den Menschen. Versicherungen arbeiten in ihren Werbeanzeigen mit "Schutzengeln", die allüberall auf uns aufpassen. Manche Menschen bezeichnet man als "Engel", die einem der "Himmel" geschickt hat. Engel sind also mehr oder weniger im Alltag präsent. Doch gibt es sie tatsächlich? Wieviele Menschen glauben wirklich an die Existenz von Engeln, weil sie ...weiterlesen...


Mittwoch, 22. August 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen | Kommentare (2)

"Wenn Monsieur Ladmiral über das Älterwerden klagte, saht er seinem Gesprächspartner ins Gesicht und schlug einen provozierenden Ton an, der nach Widerspruch zu verlangen schien. Wer ihn schlecht kannte, täuschte sich leicht und antwortete, wie man es zu tun pflegt, höflich, dass sich Monsieur Ladmiral etwas einrede, er immer noch putzmunter sei und alle anderen überleben werde." Schon die ersten Sätze machen deutlich, dass nicht einfach ein mehr oder weniger harmonischer, idyllischer "Sonntag auf dem Lande" beschrieben wird. Sonntags erwartet Monsieur Ladmiral, ein in die Jahre gekommener verwitweter Portraitmaler, seinen Sohn Gonzargue. Der kommt "treu und brav jeden Sonntag ...weiterlesen...


Freitag, 17. August 2018 | Kategorie: Allgemein, Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen | Kommentare (5)

Ein Roman für Katzenliebhaber? Ich denke schon. Denn Katze Saha ist letztendlich Protagonistin dieses kleinen Romans, in dem es um die noch junge Beziehung zwischen Camille und Alain, dem Katzenbesitzer, geht. Es scheint eine mehr oder weniger arrangierte Heirat zu sein. Mit viel Begeisterung ist Alain jedenfalls nicht dabei. Der Gedanke, demnächst mit seiner gerade erst Angetrauten in sein Heim zu ziehen, das renoviert wird, behagt ihm überhaupt nicht. ">Camille hier mit mir ... Schon so bald! Camille im Pyjama unter den Heckenrossen ...< Einer der Stöcke trug gerade seine Blütenlast, die sich schon beim Aufblühen entfärbte und deren orientalischer Duft abends bis ...weiterlesen...


Samstag, 11. August 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

"Wir trugen Trauer um die Mutter, die im Herbst gestorben war, und verbrachten den ganzen Winter allein auf dem Land, Katja, Sonja und ich. ... Gegen Ende des Winters hatte dieses Gefühl von Melancholie, Einsamkeit und schierer Langeweile solche Ausmaße angenommen, daß ich mein Zimmer nicht mehr verließ, das Klavier nicht mehr öffnete und kein Buch mehr zur Hand nahm." So beginnt der Roman "Familienglück" von Lev Tolstoj, geschrieben aus der Ich-Perspektive der noch sehr jungen Maša, die sich in ihren sehr viel älteren Vormund Sergej Michajlyc verliebt und hofft, ihn heiraten zu können, obwohl dieser glaubt, das Thema "Liebe" schon ...weiterlesen...


Sonntag, 5. August 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

"Betrachte drei Dinge. Wisse, woher du kamst und wohin du gehst und vor wem du dich zu verantworten hast." Diese drei "Dinge" können den Menschen im Sinne Martin Bubers auf seinen Weg bringen, aus seinem Leben einen Weg machen. Dieser Weg beginnt mit der Erkenntnis, dass sich der Mensch oft vor sich selbst versteckt: "Um der Verantwortung für das gelebte Leben zu entgehen, wird das Dasein zu einem Versteckapparat ausgebaut." Für Martin Buber ist es in erster Linie ein sich Verstecken vor Gott, letztendlich aber ein sich Verstecken vor sich selbst mit der Konsequenz, die Verantwortung für das eigenen Leben nicht zu ...weiterlesen...


Freitag, 3. August 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

Barbara Ehrenreich ist studierte Physikerin und promovierte Biologin. Sie nimmt in diesem Buch die allseits bemerkbare "Wellness-Epidemie" unter die Lupe, die die Gewissheit unseres Tode durch die Illusion von allgegenwärtiger und allmächtiger Kontrolle versucht auszublenden. Die Autorin beginnt mit ihren eigenen Erfahrungen im Umgang mit dem Älterwerden und dem Fazit, welches sie für sich daraus gezogen hat, wohl wissend, dass sie damit gegen den "Strom ihrer speziellen demografischen Gruppe schwimmt": "Als ich erkannte, dass ich alt genug zum Sterben war, beschloss ich, dass ich auch alt genug war, um für ein längeres Leben nicht mehr Leiden, Verdruss und Langeweile auf mich zu ...weiterlesen...


Montag, 30. Juli 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Theodor Storms Novelle "Ein Doppelgänger" ist vom 1. Oktober bis 15. Dezember 1886 in sechs Fortsetzungen in der Zeitschrift "Deutsche Dichtung" erschienen. Die Büchergilde Gutenberg hat sie jetzt als eine von Sophie Nicklas illustrierte Ausgabe im "Leinenkleid" mit farbig passendem blauen Lesebändchen herausgegeben. Die Rahmenhandlung der Geschichte spielt im Sommer und wird von einem Advokaten erzählt, der sich in das Fremdenbuch eines Gasthauses eingeschrieben hat und dort auch den Oberförster kennenlernt, "ein stattlicher Mann von etwa fünfzig Jahren, mit kurzgeschorenen, schon ergrautem Haupthaar; über dem Vollbart schauten ein paar freundliche Augen, und ein leichter Humor, der bald in seinen Worten ...weiterlesen...


Mittwoch, 25. Juli 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

In diese überarbeitete Neuauflage hat Chris Paul das von ihr entwickelte "Kaleidoskop des Trauerns" eingearbeitet, das sie bereits in ihren vorigen Büchern "Ich lebe mit meiner Trauer" und "Wir leben mit deiner Trauer" ausführlich dargestellt hat. In diesem Band geht es um die besondere Situation nach einem Suizid und die danach oft gestellt Frage: "Warum hast du uns das angetan?" die "von der Voraussetzung ausgeht, der vertraute Mensch habe sich mit Blick auf die Angehörigen das Leben genommen. Doch wer sich selbst tötet, will das in der Regel nicht anderen antun, er tut es für sich. ... Wenn ein Mensch ...weiterlesen...