Mittwoch, 29. Oktober 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (1)

Der Roman hat mich thematisch an "Szenen einer Ehe" erinnert und ist doch ganz anders. "Amt für Mutmaßungen" ist assoziativ, mosaikartig, fast im Stil eines persönlichen Tagebuchs geschrieben, in dem man vieles unkoordiniert festhält: Zitate, Gedichte, Lieder, eigene Gedankensplitter und Fragen, die einem durch den Kopf rasen, Zeitungsausschnitte, Aphorismen bekannter Philosophen, Schriftsteller oder auch Wissenschaftler. Auf diese Weise erhält der Leser aus der Perspektive der Frau, die mal als Ich-Erzählerin auftritt, mal stärker distanziert als personaler Erzähler, Einblick in die Ehe von "der Frau" und "dem Mann" und "der gemeinsamen Tochter". Uns so fing alles, fängt auch der Roman, an: "Antilopen sehen ...weiterlesen...


Dienstag, 28. Oktober 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

Es ist ein leises, ein berührendes, ein liebevoll geschriebenes Buch, das der Schriftstellerin und Journalistin da gelungen ist. Schon der Inneneinband ist verheißungsvoll und macht neugierig. Auf handgeschriebenen Listen mit unterschiedlich farbigen Kugelschreibern sind Fotos von diversen Gegenständen abgebildet. Man sieht ein Auto, ein knieendes Porzellanpferd, eine Kreamikfigur etc. und kann zunächst nichts damit anfangen. Nach der Lektüre weiß man: Sie symbolisieren ein ganzes Familienuniversum. "Ich war schon lange darauf vorbereitet, dass der Tag kommen würde, aber nur als ein Tag in ferner Zukunft. Der Tag kommt am Samstag, dem 13. November 2010, mit tiefstenender, weißlicher Sonne hinter den Bäumen ...weiterlesen...


Samstag, 25. Oktober 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Die Kategorie "Lebenskunst-Roman" ist mir - ehrlich gesagt - noch nicht untergekommen. Der Titel "Wolfs letzter Tag" setzt eher Assoziationen von "einsamer Wolf", "Tod und Sterben" frei als von "Leben" oder gar "Lebenskunst". Der Roman ist die Geschichte von Wolf dem Wolf, einem ehemaligen Leitwolf, dessen Tag gekommen ist, an dem er sein Rudel verlassen muss, um zu sterben. Wobei dieses Wort lange vermieden wird. "Jetzt ist es also soweit, denkt er. Ab Morgen muss der Wald ohne mich klar kommen." Ganz schön selbstherrlich. Und so hat er regiert. Die, die seine (weltanschaulichen) Ansichten nicht teilten, mussten sich unterwerfen oder das ...weiterlesen...


Mittwoch, 22. Oktober 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

In diesem gut verständlich geschriebenen, übersichtlich strukturierten Sachbuch, geht es Doris Märtens darum, diverse Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sich Introvertierte im Privat- und Berufsleben "Gehör verschaffen". Man liest - m. E. mit einigem Gewinn - entweder das gesamte Buch oder als "eiliger Leser" nur die jeweils zu seinem Verhaltensstil passenden Kapitel, die als Auflistung dem Inhaltsverzeichnis folgen. Anhand eines Fragenkatalogs kann man sich über die verschiedenen Arten des Leiseseins klar werden. Märtin unterscheidet vier Verhaltensstile: die Masterminds die Supersensiblen die Nerds die Cocoonern. Die Auswertung des Testes ist einfach und macht zugleich deutlich, wie sich der individuelle Verhaltensstil zusammensetzt. Eine allgemeine Darstellung ...weiterlesen...


Mittwoch, 15. Oktober 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (8)

Nun liegt er vor der dritte Band über Hilla Palm aus Dondorf, 600 Seiten stark, mit Lesebändchen. Der Roman beginnt mit der Aufzählung des gesamten "Stammpersonals", das die Leser schon aus "Das verborgene Wort" und "Aufbruch" kennen: "Ich kann sie doch nicht einfach sitzen lassen im hillije Kölle, meine Hilla, mit dieser Lichtung, dieser Nacht in ihrem jungen Leben, da muss einer her, der sie erlöst, muss Freude her, Party, Lebenslust. Hereinspaziert heißt es noch einmal für Vater Josef Palm und Mutter Maria Palm, für die Großmutter Anna Rüppli, den Bruder Bertram, Altstraße 2; für Tante Berta, Onkel Schäng und ...weiterlesen...


Samstag, 4. Oktober 2014 | Kategorie: Allgemein, Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

"Würden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, Ihr Leben genau so, wie es bisher verlaufen ist, noch einmal leben wollen?" Der Konjunktiv verweist die Frage in den Bereich des Irrealen, des Wünschens, des (Un-) Möglichen, denn ein Neuanfang ist ja nicht möglich. Dennoch macht es Sinn, über eine Antwort nachzudenken, dann nämlich, wenn ich mich frage, will ich so weiter leben und wie sieht dann die Endbilanz aus? Auf der Grundlage der "sieben sogenannten Todsünden" (Hochmut, Gier, Neid, Zorn, Wolllust, Völlerei, Trägheit) iunternimmt Domian eine Beschreibung der heutigen gesellschaftlichen Gegebenheiten und allgemein vorherrschender Verhaltensweisen, die ihn deutlich "nerven", die er "schädlich", "sinnlos" findet. ...weiterlesen...


Dienstag, 23. September 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Die Diagnose ALS ist immer noch ein Todesurteil. Diese erhält Morrie, ehemaliger Professor, eines Tages und verabschiedet sich auf seine ihm eigene Art von seinen Studenten: "Ich habe dieses Seminar zwanzig Jahre gehalten, und dies ist das erste Mal, daß ich sagen kann, es ist überhaupt kein Risiko, es zu belegen, da ich an einer tödlichen Krankheit leide. Möglicherweise werde ich nicht lange genug leben, um bis zum Ende des Semesters zu unterrichten. Wenn Sie das Gefühl haben, dies sei ein Problem, dann habe ich volles Verständnis." Durch eine Fernsehsendung mit Morrie erfährt ein ehemaliger Student von dessen tödlicher Krankheit und nimmt ...weiterlesen...


Mittwoch, 17. September 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

"Das Buch gegen den Tod" ist erst zwanzig Jahre nach Canettis eigenem Tod erschienen und von Peter von Matt mit einem Nachwort versehen worden. Canettis Aufzeichnungen, Gedanken, Fragen, Aphorismen sind chronologisch geordnet. Sie beginnen mit Aufzeichnungen 1942 für das Totenbuch, das nach Canettis eigenen Aussagen paradoxerweise nur entstehen wird, "wenn das Wort 'Tod' darin sich vermeiden läßt." und endet mit Aussagen aus dem Jahre 1994, dem Jahr, in dem Canetti gestorben ist: "Es ist Zeit, mir wieder Dinge mitzuteilen. Ohne dieses Schreiben löse ich mich auf. Ich spüre, wie mein Leben sich in stumpfes, trübes Sinnen auflöst, weil ich nicht mehr ...weiterlesen...


Dienstag, 16. September 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Gedichte, Rezensionen | Kommentare (2)

In diesem schmalen Band verarbeitet Irmgard Schreiner offensichtlich ihre zahlreichen Impressionen über Frankreich in Gedichten sehr unterschiedlicher Art und freut sich schon auf den nächsten Aufenthalt, der ihr dabei hilft, die "deutsche pedantische Zeit" zu vergessen. Das Gedicht "Guten Morgen Frankreich" liest sich fast wie eine "Einleitung" in die Facetten, die den Leser ihrer Gedichte erwarten: Erinnern den Duft von croissants nature, die zur Frühmesse rufenden Glocken von Notre Dame. Bonjour Strasbourg! Und Bilder hinter der Stirn ... der lächelnde Engel vom Westportal, das Ballet der Möven an den Ufern der Ill, printemps au quai de Paris. Sie beschließt: Ich werde den "Maurice Ravel", ich werde den Nachtzug nehmen, ich werde die Zeit ...weiterlesen...


Montag, 1. September 2014 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen, Rezensionen (diverse) | Kommentare (0)

Sobald sich das Licht der Farben Grün, Rot und Blau in gleicher Weise mischt erscheint es uns als Weiß. (Farbenlehre nach Helmholtz) Grün, Rot, Blau und Weiß sind denn auch - in sehr unterschiedlicher Länge - die Kapitelüberschriften, in denen der Leser mit den verschiedenen Lebensabschnitten des Protagonisten Sebastian von Eschburg bekannt gemacht wird. Sebastian ist sehr sensibel, ist sich als Kind und Jugendlicher weitgehend selbst überlassen, zu Hause und im Internat. Er flüchtet sich in die Welt der Bücher, redet laut mit ihren Figuren, bis er auch das einstellt, um nicht als verrückt zu gelten. Später - sein Vater hat inzwischen Selbstmord begangen, ...weiterlesen...