Donnerstag, 10. November 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (1)

Wie Tilman Jens in "Abschied von meinem Vater" schreibt auch Arno Geiger von seinem an Demenz erkrankten Vater. Doch im Gegensatz zu Jens hat er die Möglich-keit, Kontakt zu seinem Vater aufzubauen, nachdem er die anfänglichen Schwierigkeiten und Überforderungen, sich auf die veränderte Art des Vater einzustellen und einzulassen, überwunden hat. Es entsteht eine Innigkeit, die vor der Krankheit nicht bestanden hat: "Es gibt etwas zwischen uns, das mich dazu gebracht hat, mich der Welt weiter zu öffnen. Das ist sozusagen das Gegenteil von dem, was der Alzheimerkrank-heit normalerweise nachgesagt wird - dass sie Verbindungen kappt. Manchmal werden Verbindungen geknüpft." Er erfährt ein Glück, "das mit der Nähe zum Tod eine besondere Dichte erhält. Dort ...weiterlesen...


Mittwoch, 2. November 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (12)

Einer indianischen Legende nach droht einem Nomaden-stamm eine Hungersnot. Um seinen Stamm zu retten, beschließt der Häuptling, zwei alte Frauen zurückzulassen, die nur "unnütze Esser" sind. "Ständig beklagten sie sich über Wehwehchen hier und Zipperlein da. Und zum Beweis ihrer Kümmerlichkeit gingen sie an Stöcken ... obwohl sie alle von Kindheit an gelernt hatten, daß Schwäche bei den Bewohnern dieses rauhen Mutterlandes nicht geduldet war." Der Stamm zieht weiter, die Frauen ihrem sicheren Tod überlassend. Nachdem beide sich ihrem Schock, ihren wirren Gedanken, Gefühlen, ihrem Entsetzten überlassen haben, macht die entsetzliche Kälte ihnen schnell klar, dass sie handeln, sich versorgen müssen, ...weiterlesen...


Montag, 31. Oktober 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (1)

Elisabeth Kübler-Ross und David Kessler haben in diesem Buch "Geborgen im Leben" ihre Erfahrungen, die sie im Umgang mit Sterbenden gemacht haben, in 14 Lektionen aufgeschrieben, um sie an die noch Lebenden weiterzugeben. Sie wollen "Wege zu einem erfüllten Dasein" -  so der Untertitel - aufzeigen. Diese Lektionen sind im Sinne eines Erfahrungsaustausches gedacht, ähnlich wie in Urzeiten auf Versammlungsplätzen Menschen einander in Form von "Geschichten über das Leben und seine Herausforderungen erzählten und welche Lehren man daraus ziehen kann ... Die Menschen wussten, dass unsere größten Lektionen uns manchmal auch den größten Schmerz bereiten." Sich über die Kostbarkeit des Lebens klar zu werden, sein ...weiterlesen...


Sonntag, 16. Oktober 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (1)

Dieses Buch bekam ich von einer Bekannten: Vielleicht ist das was für dich. Das Buch sah hässlich aus, vergilbt, zer-knittert - einfach unansehnlich. Es lag schon auf dem Stapel der Bücher, die ich weggeben wollte. Dann habe ich es auf den Lesestapel gelegt. Dort lag es dann wochen-lang unbeachtet. Jetzt habe ich es gelesen und finde es interessant. Shirley MacLaine, eher als Schauspielerin bekannt, beschreibt in diesem Buch den Beginn ihrer "Reise nach innen", wie sie sich ausdrückt. Sie geht Fragen nach Reinkarnation, der Unsterblichkeit der Seele auf den Grund und macht für sich neue, un-glaubliche Entdeckungen, die sie zunächst für sich ...weiterlesen...


Donnerstag, 13. Oktober 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (3)

Der Roman "Jeder stirbt für sich allein" ist seit kurzem in einer ungekürzten Neuauflage auf dem Buchmarkt, gebunden mit Lesebändchen! Zusätzlich mit einem historischen Stadtplan Berlins auf den Innenseiten ausge-stattet, so dass der interessierte Leser die Handlungsorte (auf-) suchen kann. Ich hatte dazu keine Lust, weil ich die Handlung einfach zu spannend finde - zudem sind meine Kartenlesefähigkeiten wenig ausgeprägt. Anna und Otto Qangel beginnen nach dem Tod ihres einzigen Sohnes Karten mit einfachen Botschaften gegen das Hitlerregime zu schreiben und in der Stadt an frequentierten Stellen zu verteilen, in der Hoffnung damit etwas für das Ende der Diktatur zu tun. Doch die ...weiterlesen...


Dienstag, 4. Oktober 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (1)

Einem meiner Söhne habe ich versprochen, ihm alle Bücher von Murakami zu schenken. Da ich selbst eine Murakami-Leserin bin, lese ich vorab die Bücher, die ich nachher verschenke. So haben wir beide etwas von den Ge-schenken. ( Nein, ich lese nicht alle Bücher vorher. Die Hegel-Gesamtausgabe wird - von  mir ungelesen - sein Bücherregal füllen können.) Das dünne, fein in silbergraublau illustrierte Bändchen ist schon äußerlich auffallend: Unter dem Titel "Schlaf" schaut einen ein Frauengesicht mit weit aufgerissenen Augen und leicht geöffnetem Mund an. Sieht nicht gerade nach Schlaf aus. "Es ist der siebzehnte Tag ohne Schlaf." So beginnt die Erzählung. ...weiterlesen...


Samstag, 24. September 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Chenia, russisch-jüdische Emigrantin in New York, bemerkt mir 45 Jahren, dass sie noch einmal schwanger ist. Sie will das Kind nicht, zumal sie schon zwei Kinder im Teenageralter hat. Sie unternimmt alles Mögliche, um eine Fehlgeburt herbeizuführen. Ohne Erfolg. Devorah kommt gesund zur Welt und entwickelt sich zu einem aufgeweckten Mädchen, das eine sehr enge Bezie-hung zur Mutter hat. Aus Devorahs Perspektive  wird das scheinbar normale und dennoch ungewöhnliche Leben Chenias und ihrer Familie erzählt. Obwohl Chenia kaum über schulische Bildung verfügt, ist sie aufgeweckt, wiss- und lernbegierig und geht mit Spitzfindigkeit und praktischer Intelligenz durchs Leben und sorgt dafür, dass Devorah bereits die Vorschule besuchen kann. Die gewählte Erzählperspektive, von einem Ich-Erzähler(in) ...weiterlesen...


Donnerstag, 22. September 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (3)

"Abschied nehmen - das heißt reinen Tisch zu machen, bevor man für immer auseinander geht. Abschied ist die unwiderruflich letzte Chance zur Offenheit - im Angesicht des absehbaren Endes." Diese Offenheit ist Tilman Jens nicht mehr vergönnt angesichts der fortschreitenden Demenz seines Vaters, der über seinen tatsächlichen Zustand in Unkenntnis gelassen wird, weil seine Frau einen erneuten Rückfall Walter Jens in eine heftige Depression vermeiden will. Dennoch nimmt der Sohn Abschied auch von einem Bild des Vaters, das heftige Sprünge bekommt, als der Sohn bemerkt, wie sein Vater mit der eigenen NS-Vergangenheit umgeht, er der anderen gegenüber stets so gnadenlos aufklärerisch gehandelt und geurteilt hat. Das Buch ist auch eine Auseinandersetzung mit ...weiterlesen...


Dienstag, 13. September 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

"Einunddreißig Jahre lang hatte sie sich an eine Zufluchtsstätte geklammert, in der ihr Liebesverhältnis sich ausbreiten konnte, ein sicheres Haus, das ihr Schutz bot. Einunddreißig Jahre lang galt sie als verrückt und lebte in Frieden." "Turgenjews Schatten" ist die Geschichte einer Liebesbeziehung, die nicht wirklich gelebt worden ist. Die eher kindlich wirkende Mary Louise Dallon und der übergewichtige und doppelt so alte Elmar Quarry heiraten, nachdem er ihr sehr kurze Zeit den Hof gemacht hat: ein, zwei Kinobesuche, einige Spaziergänge, kaum Zeit sich kennen- und lieben zu lernen. Warum sie geheiratet haben, fragt man sich immer wieder, das fragen sich vor allem Elmars Schwestern ...weiterlesen...


Dienstag, 6. September 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (6)

Jeder wird sich irgendwann fragen, warum, wozu er hier ist, welchen Sinn sein Leben hat. Findet man ihn, gibt man ihn sich, wo kommt er her, woran orientiert man sich?  "Als ich so dasaß, dachte ich darüber nach, wie lange es dauert, bis man zu dem zurückkehrt, was man als erstes erfahren hat, eine elementare Wahrheit, die auch dann gültig bleibt, wenn man sich von ihr entfernt, und ich dachte, daß man bei seiner Rückkehr endlich weiß, warum man weggehen mußte. Denn was ist wichtiger zu begreifen, daß der Schmerz dazu da ist, um einen stärker zu machen." Und Schmerzen, körperlichen wie seelischen, ist Eva ...weiterlesen...