Mittwoch, 15. Juni 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (1)

In einem mehrere Wochen dauernden Gespräch erzählt Tiziano seinem Sohn Folco von seinem Leben, das in einem Arbeiterviertel in Florenz begann. Er erzählt von den Werten, der Würde, dem Stolz seiner Eltern, deren Welt aber nie die seine gewesen ist. "Ja. Und von Anfang an begriffen alle, das ich von einer anderen Art war. Ich war einfach vollkommen anders." Auf der Mittelschule und später auf dem Gymnasium begann er, seine Welt zu entdecken: die Welt der Literatur, der Gedanken, der Freiheit. Der Leser kann anhand des Berichtes und der Fragen Folcos Tizianos Lebensweg nachvollziehen, von dem er sagt: "Es gibt ...weiterlesen...


Dienstag, 14. Juni 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (1)

Der Untertitel macht deutlich, worum es in dieser Studie geht: Um "Das internationale Kinderzentrum Kloster Indersdorf 1945-46", in dem Kinder und Jugendliche aufgenommen wurden, die die KZ-Lager überlebt hatten. Sie befanden sich in jeder Hinsicht in einer dramatischen, existenziell bedrohlichen Situation, da sie nichts mehr hatten, als die schrecklichen Erfahrungen vor und während ihres Lageraufenthaltes und die damit verbundene Konsequenzen: Hunger, Krankheiten, Verlust familiärer Bindungen und Vertrauen in die Welt der Erwachsenen. "Sie standen entwicklungspsychologisch an der Schwelle zur Pubertät und waren höchst orientierungs- und betreuungsbedürftig; angesichts ihrer Erfahrungen waren sie jedoch keine Kinder- und Jugendlichen mehr." Greta Fischer, einer Jüdin aus Mähren, die "schon früh ...weiterlesen...


Donnerstag, 9. Juni 2011 | Kategorie: Allgemein, Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Dieser Roman beginnt mit einem harmlosen Familienfoto, das der Arzt Delbast am Strand von seiner Familie machen möchte. Durch den Sucher bemerkt er, dass Fanny, die Jüngste, auch Nummer sechs genannt, nicht mit dabei ist. Das nächste Kapitel (sie sind oft nur 1-2 Seiten lang/ kurz) beginnt mit dem Satz: "ICH BIN LANGSAM INS MEER HINEINGEGANGEN". Es endet mit: "Ich lebe." Ihr Vater hat sie gerettet. Im Verlauf des Romans wird deutlich, was die Tochter alles unternimmt, um die Aufmerksamkeit des Vaters zu erreichten, den sie so sehr liebt und bewundert, vor dem sie gleichzeitig aber auch Angst hat, den sie ...weiterlesen...


Donnerstag, 26. Mai 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (3)

Tina Solimann hat "Funkstille" geschrieben, nachdem sie mit ihrer Dokumentation "Für mich bist du gestorben" eine ungeahnte Resonanz ausgelöst hat. Wie Angela Kindt mit ihrem Buch "Wenn Kinder den Kontakt abbrechen" spricht sie ein Thema an, das offensichtlich viele betrifft, über das aber erst in jüngster Vergangenheit öffentlich ge-sprochen und nachgedacht wird: den Kontaktabbruch zwischen Menschen, die sich sehr nahe stehen. Sie beginnt mit einer Erklärung des Titels, einem Begriff aus der Schifffahrt, der die Einstellung des Funkverkehrs bedeutet, "um den Empfang von Notsignalen sicherzustellen." Der Buchtitel "Funkstille" ist Be-zeichnung für einen Vorgang, der "den plötzlichen und wortlosen Abbruch einer Beziehung"  bezeichnet, gleich-zeitig ein "wissenschaftlich noch unerforschtes Phänomen, von dem noch keinerlei Zahlenmaterial vorliegt". In diesem Buch geht Solimann - ...weiterlesen...


Donnerstag, 26. Mai 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

Was erlebt ein Journalist des SPIEGELS, der sich - angeregt durch die Prophezeiung eine Wahrsagers, er laufe 1993 Gefahr zu sterben, wenn er fliege - entschließt, aufs Flugzeug zu verzichten und ein Jahr lang mit allem zu reisen, was keine Flügel hat? Hört sich vergleichsweise leicht an, doch wenn er als Reporter in Asien arbeitet mit zum Teil geschlossenen Grenzen, die offiziell nur per Flugzeug zu passieren sind? Was dann? Dann lernt er ein Asien kennen, das sich auf der einen Seite stark westlich, nahezu ausschließlich materialistisch orientiert und auf der anderen Seite noch sehr traditionell ausgerichtet ist, mit allen dazu gehörenden Widersprüchlichkeiten. Dazu gehört, ...weiterlesen...


Sonntag, 22. Mai 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (15)

"Es gibt immer zwei Wahrheiten, die der Eltern und die der Kinder." (S. 81) Die WDR 3 Sendung "Lebenszeichen" vom 13.12. 2009 mit dem Titel "Gekappte Wurzeln" lässt (erwachsene) Kinder zu Wort kommen, die den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen haben - für diese meist nicht verständlich, begreifbar, nachvollziehbar. Doch: "Für die Kinder ist es grundsätzlich der letzte Ausweg, der am Ende einer langen Entwicklung steht. Sie haben vieles versucht und sehen am Ende keine andere Lösung als den völligen Kontaktabbruch: um sich vor schmerzhaften Erinnerungen zu schützen und weil sich die verletzenden Muster in der Familie über die Jahre nie geändert haben. Sie ...weiterlesen...


Dienstag, 10. Mai 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

"Kriegsbraut" ist ein Roman über Esther, eine junge Frau, die Soldatin wird und nach Afghanistan geht. Persönlicher Frust über die Unzulänglichkeiten und Ziellosigkeit ihres eigenen Lebens sind Motive, die sie diesen Schritt tun lassen. In Afghanistan erlebt sie dann die Routine ihres täglichen Arbeitstages innerhalb des Bundeswehrcamps schnell als langweilig und leer und nutzt die Chance, auf Patrouillenfahrten die Landschaften Afghanistans und Mehsud, einen Schulleiter, kennenzulernen, in dessen Schule sie und ihre Kameraden dafür sorgen sollen, dass die Schüler, vor allem die Mädchen zur Schule gehen dürfen. Nach anfäng-lich offener Ignoranz der Soldatin durch Mehsud, gelingt es den beiden über die Kenntnis der russischen Sprache, miteinander in Kontakt zu kommen und von ihren Leben zu ...weiterlesen...


Montag, 9. Mai 2011 | Kategorie: Allgemein, Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Deutschland - ein Land mit ausgeprägtem "Wiederver-wertungsgedanken", zahlreichen Wertstoffhöfen und diversen Tonnen für die privaten Haushalte. Aber eine Tonne für (wiederverwertbare) Sprachabfälle? Axel Hacke hat in seinem Büro "ein Eckchen für Sprachabfälle" eingerichtet, die er nicht mehr benötigt: "leere Floskeln, hohle Sprüche, zu oft verwendete Wörter, verbrauchte Sätze". Und Axel Hacke wäre nicht Axel Hacke, wenn er beim (Aus-) Sortieren nicht auch Wörter fände, mit denen er mehr oder weniger kleine, ironisch, bissige, anrührende Geschichten erzählt. Natürlich kommen dann auch Wörter zum Vorschein, die ihm besonders ans Herz gewachsen sind: "Alpen-hauptkamm" ist eins dieser Wörter: "Manchmal bilde ich mir ein, ich wohne nur deswegen in München, weil ich in Norddeutschland dieses Wort viel zu ...weiterlesen...


Dienstag, 12. April 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

" 'Signor Terzani, Sie haben Krebs!' " "Obwohl man weiß, wie vielen Menschen es passiert, denkt man nie, dass es einen auch selbst treffen könnte. So sah auch meine Einstellung immer aus. Daher war ich, als es mich dann traf, so wenig darauf vorbereitet, wie es jeder andere auch gewesen wäre." So beginnt Terzanis Buch "Vom Leben und Sterben". Er lässt sich zunächst konventionell von Ärzten in New York behandeln, zieht sich währenddessen ganz zurück und hält nur noch zu wenigen Menschen Kontakt. Nach dem vorläufigen Ende seiner Behandlung in New York, macht er sich auf zu einer langen Reise - unterbrochen durch Aufenthalte in der New Yorker Klinik - ...weiterlesen...


Montag, 11. April 2011 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (3)

"Ich lese. Das ist wie eine Krankheit. Ich lese alles, was mir in die Hände, vor die Augen kommt: Zeitungen, Schulbücher, Plakate, auf der Straße gefundene Zettel, Kochrezepte, Kinderbücher, alles, was gedruckt ist. Ich bin vier Jahre alt." Diese unheilbare Krankheit wird Agota Kristof ihr Leben lang begleiten, später ist die Lust zum Schreiben ihr zusätzlicher Begleiter, dann nämlich "wenn die schlechten Tage kommen." Und die kommen mit dem Krieg, ihrem Aufenthalt im Internat, der sowjetischen Besatzung und den damit verbundenen "Feindes-sprachen" Deutsch und Russisch, andere Fremdsprachen sind verboten. Später flieht sie mit Mann und Kind und lebt in der französisch sprechenden Schweiz, wo ...weiterlesen...