Dienstag, 14. Dezember 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (5)

Schreiben ist eine Form von Therapie, an der man eine breite Öffentlichkeit teilnehmen lassen kann - sinnvoll sicher dann, wenn das Thema von allgemeinem Interesse ist und der sich Therapierende über ein gewisses Maß an literarischen Fertigkeiten verfügt. Beides trifft auf den Verfasser dieses Romans zu. Immerhin hat Wawerzinek für "Rabenliebe" den diesjährigen Klagenfurter Bachmannpreis bekommen. Es ist ein autobiographischer Roman, dessen Ich-Erzähler sein ganzes Leben mit der Frage zubringt: Warum hat meine Mutter mich weggegeben und ist ohne mich aus der DDR in den Westen gegangen? Konfrontiert wird der Leser mit den ständigen Traumatisierungen dieses Kindes bis in die Adoleszenz, das in Folge der Handlungen seiner ...weiterlesen...


Montag, 22. November 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

Ob Fische Durst haben, wollten Sie doch immer schon gern wissen! oder fasziniert eher die Frage, ob Adam und Eva einen Bauchnabel hatten? oder geht es Ihnen vielleicht um den Ursprung des Wortes "Tolpatsch" - schulamtlich inzwischen "Tollpatsch"? oder um die Redewendung 08/15? Dieses Buch ist eine Sammlung von Fragen, die hr1 Hörer der Wissenschaftsredaktion gestellt haben und die Karl-Heinz Wellmann mit seinem Autorenteam beantworten konnte. Witzig, interessant spannend, ein Buch für jeden, der nicht glaubt, alles schon zu wissen. Das Wort "Tolpatsch" kommt übrigens aus dem Ungarischen und bedeutet: breiter Fuß. Karl-Heinz Wellmann (Hrsg.), Haben Fische Durst? München 2007, 184 S. , ISBN 978-3-492-24988-1 weiterlesen...


Montag, 8. November 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (1)

Der Schutzumschlag ist ein echter Hingucker: Grau, mit weißer Schrift (in rotem Rahmen) und drei knallroten Hühnern, zwei links-, eins rechtsguckend. Das I-Tüpfelchen wäre ein knallrotes Lesebändchen ge-wesen! Gibt’s aber nicht!! Der Roman ist aus der Perspektive der aufgeweckten 11-jährigen Jana geschrieben, die in der sozialisti-schen Tschechoslowakei aufwächst, mit einem "bürger-lichen Element" als Vater, der nicht mehr als Anwalt arbei-ten, sondern Brücken bauen darf, einer proletarischen Mutter, die sehr auf ihren Vorteil bedacht ist, sich gekonnt in Szene setzt, um zu erreichen, was sie will und dennoch inhaftiert wird, einem Bruder, der sie ständig piesackt und schlägt: "Mich brauchen die Erwachsenen nicht zu prügeln. Das erledigt der Bruder." und einer sehr an ...weiterlesen...


Dienstag, 2. November 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (1)

Aufgrund eines fürchterlichen Schneesturms entgleist im norwegischen Bergdorf Finse ein Zug. Bis auf den Lokführer überleben alle das Zugunglück und werden in einem nahe gelegenen Hotel einquartiert. Dort müssen sie ausharren, da an Rettung aufgrund des Sturms nicht zu denken ist. In zwei aufeinander folgenden Nächten passiert jeweils ein Mord, so unterschiedlich ausgeführt, dass Hanne Wilhelmsen, ehemalige Kommissarin und seit einem Berufsunfall im Rollstuhl sitzend, zunächst von verschiedenen Tätern ausgeht. Neben ihren Ermittlungs-tätigkeiten gilt ihre Sorge der Frage, wie eine Panik unter den Eingeschlossenen verhindert werden kann, die sich in verschiedene Fraktionen aufgespalten haben und sich gegenseitig beäugen. Die Darstellung der Er-mittlungen ist wenig interessant, die Gruppenprozesse und die Frage nach möglichen ...weiterlesen...


Dienstag, 26. Oktober 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Nach einem Anruf der Notärztin, Karin möge bitte ins Krankenhaus kommen, man habe dort eine gute Neurologie, ist nichts mehr wie es vorher war. Steffen, Karins Mann, hat mit Mitte vierzig einen Schlaganfall erlitten. " Ihr Mann ist jetzt Aphasiker." Was das bedeutet, für ihn, für sie, für ihre Ehe, ihren Freundes- und Bekanntenkreis, ihren gemeinsamen Alltag, das ist Karin in dem Moment nicht bewusst. Das ganze Ausmaß der Veränderungen erfährt der Leser im Rückblick, als sich Karin 20 Jahre nach dem Schlaganfall eine Auszeit gönnt und für drei Wochen ans Meer fährt, um zur Ruhe zu kommen. Hier im Kontakt mit anderen wird ihr ...weiterlesen...


Donnerstag, 14. Oktober 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (1)

Eguchi, ein Mann auf der Schwelle der Senilität, bekommt von seinem Freund den Hinweis auf ein kleines Hotel, das Männern besondere Dienste anbietet: Sie können die Nacht neben einer tief schlafenden, nicht aufzuweckenden sehr jungen Frau verbringen. Eguchi, der immer wieder betont, dass er noch nicht zu den Greisen gehört, die schon keine Männer mehr sind, nimmt diesen Ser-vice insgesamt vier Mal Anspruch. Die schlafende Schöne ist jedes Mal ein anderes Mädchen mit einem anderen Duft, anderem Aussehen, anderer Ausstrahlung, das jedes Mal ausführlich und sehr detailliert beschrieben wird. Jede ruft auch andere Begierden und Erinnerungen an Frauen wach, die für Eguchi von Bedeutung waren: an seine Mutter, seine Braut, ...weiterlesen...


Mittwoch, 13. Oktober 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (4)

Nichts bedeutet irgendetwas, das weiß ich seit Langem. deshalb lohnt es sich nicht irgendetwas zu tun. das habe ich gerade herausgefunden. Mit diesen Worten verlässt Pierre Anthon die Schule - für immer. Reaktion der Lehrer: Sie räumen rasch hinter ihm her, "sowohl im Klassenzimmer als auch in unseren Köpfen". Doch diese Provokation, verbunden mit der Wahl eines Pflaumenbaumes, auf dem Pierre nun sitzt und täglich seine Mitschüler mit Pflaumen und weiteren nihilistischen Bemerkungen bis ins Markt trifft, hat weitreichende Konsequenzen. Die Klasse will Pierre beweisen, dass er Unrecht hat. Sie sammelt zunächst Gegenstände wie Fotos, Angeln, Boxhandschuhe, Sandalen, an denen die MitschülerInnen besonders hängen, und stapeln sie zu ...weiterlesen...


Sonntag, 10. Oktober 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (1)

Schlägt die Nachtigall am Tag, singt ihr Lied von Leid und Klag. ist einer der "Wahrsprüche" ihrer Großmutter, die der Ich-Erzählerin immer wieder durch den Kopf gehen, wenn sie in scheinbar unbewältigbaren Situationen steckt.  Und davon gibt es viele nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes, der vom Sport nicht mehr nach Hause kommt: Herzriss. "Sie weinte nicht, sie brach nicht zusammen - sie stand sich, plötzlich der Welt fremd geworden, als Wit-we gegenüber. Die Szene bot keine Theatralik, kein rettender Kollaps schonte, keine Verzweiflung befreite, nichts warf sich dem Schock entgegen. Stille." Sie steht von jetzt auf gleich mit zwei kleine Kindern allein da, findet langsam in ...weiterlesen...


Dienstag, 28. September 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

Der Untertitel macht klar, um was es geht: Tagebuch einer Krebserkrankung. Christoph Schlingensief bezeichnet es als "Dokument einer Erkrankung". Unmittelbar nach der Krebsdiagnose hat er begonnen, seine Gedanken, Gefühle, inneren Monologe mit seinem verstorbenen Vater, himmlischen Wesen, und Gespräche mit Freunden und seiner Freundin Aino, aufzuzeichnen. Herausgekommen ist ein spannendes Portrait Schlingensiefs, den man mit seinen (Sinn-)Fragen erleben kann, die ihm die Krankheit aufzwingt: Wird es weitergehen und wenn ja wie? Was habe ich bisher geleistet? Der seine Wut, seine Verzweiflung, seine Hoffnungen, Momente der Achtsamkeit und Liebe für sein Leben, für das Leben überhaupt erkennbar macht, der die "Umbaumaßnahmen" seines Körpers plastisch darstellt ...weiterlesen...


Sonntag, 12. September 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (5)

Diese Erzählung ist alles andere als eine Idylle. Alles, was passiert ist anders, außer-gewöhnlich für die Beteiligten, weil sie das, was sie tun, sonst nie tun. Aber was sie tun, ist eigentlich nicht außer-gewöhnlich. Ein Lektor besucht seinen Autor, um mit ihm ein neues Buch durchzusprechen. Wegen der Witterungsverhältnisse und weil er Monika, die Frau des Autors so sympathisch findet, übernachtet er im Hause des Autors, macht allein lange Spaziergänge, auf dem er einen Hund trifft, der ihm sogleich folgt. Diese Begegnung erzählt er gleich dreimal! Ich habe mich gefragt: erlebt er sonst nichts? Auf einem gemeinsamen Spaziergang, entgegen allen Gewohnheiten des Lektors, begegnen sie dem Hund, er ...weiterlesen...