Samstag, 17. Juli 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen | Kommentare (0)

Inzwischen gibt es eine Fülle verschiedener Lebensgeschichten über Naziverfolgte und KZ-Insassen. Die von Otto Rosenberg erzählte und von Ulrich Enzensberger aufgeschriebene ist die eines deutschen Sinto, der vor der Machtergreifung Hitlers in Berlin ansässig war, dort zur Schule gegangen ist und Lesen und Schreiben gelernt hat. Es ist seine mit sehr schlichten Worten erzählte Lebensgeschichte, die dem Leser Einblicke in die Werte, Moral und Lebensgewohnheiten der damaligen Sinti geben, ergänzt durch Fotos. Das Grauen in Auschwitz  beschreibt Rosenberg als etwas Alltägliches, dem die Insassen meist keine Beachtung mehr schenken: "Die Leichen gehörten zu unserem Tagesablauf. Sie waren einfach da, und wir mußten sie ...weiterlesen...


Donnerstag, 15. Juli 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen | Kommentare (3)

Der Mann ist mit seinem Buch in aller Munde, z.B. letzte Woche bei "Hallo Ü-Wagen". Der lange Titel ist bereits Programm: "Irre! Wir behandeln die Falschen Unser Problem sind die Normalen Eine heitere Seelenkunde" Es wendet sich an interessierte Laien und ist ein gut lesbarer Überblick über die Spezifika der häufigsten psychischen Krankheiten, wobei Lütz Perspektive auf der jeweiligen Außergewöhnlichkeit der Patienten in ihrer Krankheit liegt.  Immer wieder geht der Autor auf die Frage ein, was noch "normal", was außergewöhnlich, bzw. schon als krank zu bezeichnen ist, und auf die Frage: Wer zieht die Grenze? Die Grenze zwischen außergewöhnlich und krank ist für ihn dann erreicht, wenn der ...weiterlesen...


Samstag, 10. Juli 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen | Kommentare (1)

"Eine Frau am Nullpunkt" ist die Lebensgeschichte Firdaus, einer zum Tode verurteilten Frau, erzählt von der Autorin, einer Ärztin, die sich im Rahmen einer Untersuchung mit der seelischen Situation von weiblichen Gefangenen in ägyptischen Gefängnissen beschäftigt. "Lassen Sie mich sprechen. Unterbrechen Sie mich nicht. Ich habe keine Zeit, Ihnen zuzuhören. Heute abend um sechs Uhr holen sie mich." So beginnt die Geschichte Firdaus, die einen Mann erstochen und jegliches Gnadengesuch ablehnt hat . Sie fürchtet den Tod nicht mehr, denn das Leben, das sie als Frau geführt hat, war geprägt von Ausbeutung, Unterwerfung, Gewalt durch Männer. Selbst als sie liebt, wird sie von demjenigen ausgenutzt, weil er "es" von ihr bekommt, ohne ...weiterlesen...


Dienstag, 29. Juni 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Denk-Würdiges | Kommentare (2)

Dieses Buch erzählt auf der einen Seite die tragisch endende Liebesgeschichte zwischen Ken Wilber und seiner Frau Treya, bei der kurz nach der Hochzeit ein bösartiges Karzinom entdeckt wird. Gleichzeitig ist es eine Einführung in die immerwährende Philosophie der großen Weisheitstraditionen, wobei schon diese Trennung falsch ist, denn Treyas Leben mit dem Krebs ist verbunden mit den Herausforderungen der beiden hinsichtlich ihrer spirituellen Entwicklung. Das Buch enthält verständlich formuliere "Gedanken über die großen Weisheitstraditionen, über Meditation, über die Beziehung zwischen Psychotherapie und Spiritualität, über Gesundheit und Heilung", so Ken Wilber in seinem Vorwort. Die Geschichte wird aus der Perspektive der beiden geschildert teilweise ...weiterlesen...


Montag, 28. Juni 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Gedichte | Kommentare (2)

Mehrere Gedichtbände von Rose Ausländer habe ich bereits im Regal stehen. Nun habe ich noch die kleine, gebundene Ausgabe des Fischer-Verlages gekauft, einfach weil das Büchlein so klein und daher gut mitzunehmen ist. Denn die Gedichte von Rose Ausländer in ihrer Kürze, Tiefe, Wortgewaltigkeit, Tiefgründigkeit, Klarheit und Geheimnishaftigkeit (-kennt einer ein besseres Wort? Der Duden hilft mir hier auch nicht weiter-) mag ich in fast allen Lebenslagen. Und immer wieder schrieb sie über Worte, Sprache  und ihre Wirkungen: Sprich Sprich lieber Freund ich weiß du kannst zaubern Mach aus der Welt ein Wort Dein Wort ist eine Welt Rose Ausländer, Gedichte, hrsg. v. Helmut Braun, Frankfurt/M 6. Aufl. 2010, 381 S. , ISBN ...weiterlesen...


Donnerstag, 24. Juni 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen | Kommentare (2)

Hier, diesen Krimi musst du lesen! sagte mein Sohn mir bei meinem Besuch in Berlin. Ich nahm "Grabesgrün" mit und glaubte, ihn am Wochenende danach zurückgeben zu können, da gute Krimis von mir innerhalb kürzester Zeit verschlungen werden. Mit diesem Krimi hatte ich von Anfang an Schwierigkeiten. Ihn "häppchenweise" zu lesen, war bei der Länge der Kapitel schwierig. Besonders spannend war der Beginn des Romans auch nicht. Dann habe ich mich entschlossen, mir Zeit zu nehmen und mich einzulesen. Ist mir auch gelungen. Ich hab' ihn zu Ende gelesen und er hat mir gefallen. Adam Robert Ryan und Cassie Maddox sind ein eingespieltes Ermittlerduo, ...weiterlesen...


Mittwoch, 16. Juni 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen | Kommentare (2)

Zeynep, die Ich-Erzählerin ist Journalistin, arbeitslos und frisch von ihrem Freund getrennt, als ihre Eltern einen Anruf aus der Türkei bekommen, die Großmutter liege im Sterben. Sie fliegen unverzüglich in die Türkei. Vier Wochen haben sie sich frei genommen, dann steht der Rückflug an, doch die Großmutter lebt noch. Zeynep pflegt, begleitet und redet mir ihrer Großmutter, mal haben sie innigen Kontakt, dann wieder ist ihr die Großmutter einfach nur fremd, wie die gesamte Familie mit ihrem Geheimnis, hinter das sie nur so langsam kommt, da jeder nur bruchstückhafte Andeutungen macht. Als sie die ganze Wahrheit erfährt, kann sie die mit ihren Erfahrungen mit dem Großvater nicht vereinbaren: ...weiterlesen...


Dienstag, 1. Juni 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen | Kommentare (1)

In Ceaucescus Rumänien der 80iger Jahre des letzten Jahrhunderts wartet die Familie Windisch auf ihre Ausreise in den Westen. Sie zahlt immer mehr Naturalien, in der Hoffnung, damit die Ausstellung der Papiere beschleunigen zu können, wohlwissend, dass sie der Willkür der korrupten Beamten und des involvierten Pfarrers ausgeliefert ist, der mit weiblichen Ausreisewilligen regelmäßig die "Taufscheine im Register sucht". Jeder im Dorf weiß, was das heißt. Windisch glaubt immer noch, seine Tochter davor bewahren zu können. Die Erzählung schildert das Leben im Dorf während der Wartezeit - immer mehr Menschen verlassen das Dorf - die Geschichte der Eheleute Windisch, die beide jemand ...weiterlesen...


Mittwoch, 26. Mai 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen | Kommentare (2)

Wer wollte nicht ehrlich zu sich selbst sein? Authentisch sich selbst gegenüber und im Kontakt mit anderen? Der Autor zeigt gut lesbar und nachvollziehbar auf, was einen daran hindert, es tatsächlich auch umzusetzen. Es sind die eigenen, oft unbewussten Glaubenssätze, die man früh gelernt und ungefragt übernommen hat. Er erklärt ihre Entstehung  und die Auswirkungen aufs tägliche Leben. Bin ich der Typ "Kamel", "Hase", "Ameise" oder "Löwe" und reagierte oft automatisch, sozusagen auf "Knopfdruck" als dieser Typ, wenn ich durchs Leben gehe? Woran merke ich, ob ich authentisch handele oder ob ich nur re-agiere? Was verraten mir die kleinen Wörtchen "eigentlich", "aber" oder "man"? Und: Wie schaffe ich es, ...weiterlesen...


Sonntag, 2. Mai 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen | Kommentare (1)

Was macht man/frau, wenn in einer Beziehung die Liebe abhanden gekommen zu sein scheint? Wenn man glaubt: " Sie würde sich von mir ebenso schwer trennen, wie von ihrem Puder oder ihren Lockenwicklern. Ich bin für sie eine unumgänglicher Bestandteil ihres Boudoirs." Sie unter fadenscheinigen Umständen verlassen oder bis zum Tode zusammenbleiben? Pikanterweise lebt Wanja Lajewski mit der verheirateten Nadeschda Fjodorowna in wilder Ehe zusammen, was ihr die Türen zu den meisten "anständigen" Häusern verschließt. Während er wild über eine Zukunft ohne sie spekuliert und sich Geld zu leihen versucht, beginnt sie eine Affäre mit einem angesehenen Bürger, ist aber schon nach dem ersten Treffen entsetzt über ihr Verhalten, was ihr nicht viel ...weiterlesen...