Mittwoch, 26. Juni 2019 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen | Kommentare (0)

Die gut zu lesende Sommergeschichte "Schloß Gripsholm" von Kurt Tucholsky habe ich schon vor längerer Zeit besprochen. Nun hat die Büchergilde Gutenberg zum 90. Geburtstag von Hans Traxler eine von diesem illustrierte Neuauflage herausgebracht, großformatig mit Lesebändchen. Ein Jahr lang hat Traxler an den Illustrationen gearbeitet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das Dreiecksverhälnis - zeitlich in den Dreißigern des letzten Jahrhunderts angesiedelt - spielt in der Sommerfrische auf Schloß Gripsholm, wie bereits das Cover sichtbar macht. Traxler "fängt" bereits hier, sieht man genauer hin, die gesamte Atmosphäre dieses Romans hinsichtlich der Dreiecksgeschichte ein. Doch der Roman wäre sicher nicht von ...weiterlesen...


Dienstag, 25. Juni 2019 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen | Kommentare (0)

Mordechai Wolkenbruch, genannt Motti, ist ein 25 Jahre alter schweizer Jude, der noch bei seinen Eltern lebt. Zum einen arbeitet er in der Versicherungsagentur seines Vaters, zum anderen studiert er an der Züricher Universität Wirtschaftswissenschaften. Dort sieht er Laura, eine Kommilitonin, die ihn außerordentlich fasziniert. Das ist ihm aber nicht erlaubt, da er als Jude mit keiner "Schickse" anbandeln darf. Selbst das Hinsehen auf ihren attraktiven Hintern ist bereits ein Tabubruch. Motti gerät zunehmend in die Bedrouille, zumal seine Mutter aktiv daran arbeitet, dass er - möglichst bald - eine Jüdin heiratet. Auf der Heimfahrt von einer dieser Heiratsvermittlungsterminen hat ...weiterlesen...


Sonntag, 23. Juni 2019 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (5)

Nach zehn Jahren ist eine Neuauflage von "Geborgen und frei" erschienen, ein Buch, das Mystik als einen auch in heutiger Zeit möglichen sinnstiftenden Lebensstil aufzeigen will. Denn Mystik ist für Pierre Stutz keine vom "normalen" Lebensalltag getrennte Lebensform. Er ist davon überzeugt, dass "eine mystische Lebensgestaltung eine bereichernde Lebenshilfe sein kann, um den Weg der Selbstwerdung zu gehen, um Liebeskraft entfalten zu können und um sich sinnstiftend mit anderen für eine zärtlich-gerechtere Welt einzusetzen. Wir alle können mystische Menschen werden, Menschen, die mit den Augen der Ewigkeit im Hier und Jetzt verweilen." Er selbst hat in Lebenskrisen die Erfahrung gemacht, ...weiterlesen...


Freitag, 21. Juni 2019 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

"Warum gehst du nicht? Warum lässt du mich nicht allein mit meinem Leben? Ich halte dich nicht zurück." Ich sehe das Licht, ich höre die Straße. Ich bin halb drinnen und halb draußen. "Das weiß ich, Ma." Mit diesen Sätzen endet der Roman, der im Original den Titel "FIERCE ATTACHMENT" trägt und bereits 1987 in New York erschienen ist. Diese Sätzen sind bezeichnend für das Verhältnis von Mutter und Tochter, die nicht ohne, aber auch nicht wirklich miteinander können, da die Vorstellungen vom Leben, vor allem von Liebe und Ehe, von dem, was eine Frau aus sich machen muss, unterschiedlicher nicht sein können. ...weiterlesen...


Mittwoch, 5. Juni 2019 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen | Kommentare (2)

Zum Gedenken an den 500. Jahrestag des Todes von Leonardo da Vinci hat die Büchergilde Gutenberg eine gekürzte Ausgabe von "Jede Erkenntnis beginnt mit den Sinnen. Die Aphorismen, Rätsel und Prophezeiungen" herausgebracht. Eine kleine feine Ausgabe mit Lesebändchen im Taschenformat. Man kann es also immer dabei haben, wenn man weiß, dass man im Laufe des Tages warten muss. Aber auch auf dem Nachttisch macht es sich gut, denn in "den labyrinthischen Gängen kann sich der Leser fei bewegen und sich nach seinem Geschmack auch neue Verwandtschaften oder Widersprüche unter den einzelnen Aussagen des Meisters ausfindig machen" liest man im Vorwort. "Vom ...weiterlesen...


Montag, 3. Juni 2019 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (1)

Die Frage "Warum die Wahrheit sagen?" setzt voraus, dass es so etwas wie Wahrheit gibt. Aber gibt es die überhaupt? Und wenn ja, was ist darunter zu verstehen? Diesen nicht einfach zu beantwortenden Fragen geht Rainer Erlinger, Mediziner, Jurist und Publizist, in seinem Buch anhand literarischer, philosophischer Texte nach und begegnet weiteren Begriffen wie "Wahrhaftigkeit", "Ehrlichkeit" und "Aufrichtigkeit". Bei dem Versuch, diese Begriffe voneinander abzugrenzen, "kommt man ins Schleudern. Es gibt keine allgemeingültigen Definitionen, schon gar nicht in unterschiedlichen Fachgebieten und über die Zeit hinweg." Weshalb vermittelt man dann Kindern dennoch immer noch: "Du sollst nicht lügen." "Lügen haben kurze Beine." "Wer einmal ...weiterlesen...


Donnerstag, 30. Mai 2019 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

Die gesammelten Werke dieser nahezu unbekannten norwegischen Schriftstellerin, die als "Femme fatale" galt und engen Kontakte zu Strindberg und Munch hatte, sind nun in deutscher Sprache erschienen, übersetzt von Lars Brandt, der die Ausgabe mit einem Essay über das kurze, schillernde Leben Dagny Juels ergänzt, die 1867 in Kongsvinger geboren und mit nur 34 Jahren in Tiflis ermordet worden ist. Gesammelte Werke hört sich nach Umfang an. Dagny Juels Werke - Prosatexte, Gedichte und kurze Dramen wie Kammerspiele - machen in dieser Ausgabe gerade mal 95 Seiten aus, aber 95 Seiten, die es in sich haben: Die Erzählung "Rediviva" beginnt so: "Ich ...weiterlesen...


Sonntag, 26. Mai 2019 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Wenn Conradi Vögel beobachtet, und das macht er seit er als Kind ein Fernglas geschenkt bekommen hat, erlebt er immer wieder eine "Identität zwischen dem Sehenden und dem, was er sieht." Es sind für ihn "Momente der Leichtigkeit und Schönheit." "Und von diesem Augenblick, diesem kostbaren Jetzt, geht eine große Ruhe aus." Dieses Eintauchen ins Hier und Jetzt, das Im-Moment-ganz-Dasein, das Genießen des Augenblicks - ohne Gedankenschwere - genau das macht für den Autor die Praxis des Zen aus: Es ist eine Form der Meditation, "zu der man auch die vermeintlich banalen Tätigkeiten erheben" kann. Für Dōgen, den Conradi zitiert, gab es "keinen ...weiterlesen...


Montag, 20. Mai 2019 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen | Kommentare (4)

Kochen als Trost, Therapie, Möglichkeit, Trauer zu bewältigen und ins eigene, veränderte Leben zurückzufinden? Warum nicht? Nachdem Ingrid Niemeiers Mann nach 34 Jahren Ehe gestorben ist, hat sie sich zunehmend in ihre Küche zurückgezogen und gegen ihre Trauer angekocht, vor allem mit Zimt, denn "Zimt ist die Ermunterung etwas zu wagen. Zuerst in der Küche, dann sehen wir weiter." Kreativ hat sie Rezepte ausprobiert, sich mit sinnlichen Düften umgeben, die sie umarmen, weil sie frohe Erinnerungen wachrufen. Sie merkt für sich, dass das Kochen "die einzige Zeit des Tages ist, in der ich bin. ... Die pure Version aus Mandarinen, Zucker ...weiterlesen...


Donnerstag, 16. Mai 2019 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen | Kommentare (0)

Die von Christine Nippoldt am Linol- und Holzdruck orientierten Illustrationen dieser Ausgabe fokussieren in hervorragender Weise die von Christopher Isherwood gesammelten Eindrücke von Berlin und seinen Bewohnern in den frühen dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts: "Scheinbar zufällig zusammengesammelt hat er sie, die Leute, die Dialoge, die Ereignisse und dann im Nachhinein geordnet und unter Kapitelüberschriften katalogisiert. Er scheint mir manchmal wie ein Ethnologe, der sich voller Lust am Beobachten in die Begegnung stürzt und jede bezaubernde wie skurrile Eigenart seines Forschungsobjektes minutiös festhält." So beschreibt Christine Nippold in ihrem Nachwort von "Leb wohl Berlin", die sich mit diesem Buch intensivst auseinandergesetzt ...weiterlesen...