Dienstag, 19. Juni 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

"'Wer hat mich gefunden? Wie sah ich aus?" Meine Mutter sitzt vor mir auf der Küchenbank, sie bestreicht sich ein Stück Baguette mit zerschmolzenem Camembert, sie sitzt, wie immer, wenn sie uns besuchte, auf dieser alten Holzbank, die Florian und ich als Studenten, vor über zwanzig Jahren auf einer Reise durch Polen gekauft hatten, sie nippt an ihrem Darjeeling und will alles über ihren Tod wissen." "War mein Anblick eine Zumutung für dich?'" Dieser lesenswerte, spannende Roman wird erzählt von der Tochter Antonias. Antonia ist gerade gestorben und ihre Tochter ist dabei, die Wohnung ihrer Mutter aufzulösen. Sie lässt sich viel Zeit damit. Gegenstände ...weiterlesen...


Montag, 11. Juni 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

Dr. Harald Hiesl ist ein Wiener Architekt und auf dem Weg nach Afrika zu einem "Zukunftskongress" an dem er teilnehmen und ein Projekt vorstellen soll. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und ab und zu ein Verhältnis mit einer Belgierin, die er manchmal auf Konferenzen trifft. Als Leser begleitet man ihn auf seiner Reise. Doch es ist kein Reisebericht über Afrika, vielmehr eine Reise mit dem Protagonisten durch seine innere Gedankenwelt, über die er mal selbst in der Ich-Form erzählt und dann aus der distanzierteren Er-Perspektive. Stangls Roman weist keine kontinuierliche, linear erzählte Handlung auf. Die Erzählweise ist recht assoziativ ...weiterlesen...


Freitag, 8. Juni 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen | Kommentare (0)

Nach "Drüberleben" und "Morgen ist es vorbei" ist nun ihr dritter Roman erschienen, der von Marlene Beckmann erzählt, einer Social Media Managerin, die an diesem Tag 31 Jahre alt wird. "Heute ist mein Geburtstag. Ich bin einunddreißig Jahre alt, mein Körper wohl eher einhundertfünf - zumindest fühlt er sich so an. Emotional bin ich so unreif, dass auch ich den vierten Anruf meiner Mutter an diesem Tag ignoriere." Statt Geburtstagsfeier mit Freunden ist dieser Geburtstag für Marlene eher ein (Horror-) Tag, wie sie viele in den Tagen, Wochen und Monaten davor bereits erlebt hat. Da gibt es viele "Vielleichts" in ihrem Denken, ...weiterlesen...


Montag, 4. Juni 2018 | Kategorie: Rezensionen, Rezensionen (diverse) | Kommentare (0)

Vorläufig das letzte Mal hat Ulrich Matthes gestern bei den Ruhrfestspielen gelesen. Die Ära Frank Hoffmann geht zu Ende und damit finden offensichtlich auch einige liebgewonnene Veranstaltungen keine Fortsetzung. Mit "Atemschaukel" von Herta Müller hat Ulrich Matthes einen Roman von unglaublicher Intensität gewählt, der mich damals schon sehr fasziniert hat. Matthes schafft es jedes Mal, den Texten, die er vorliest, eine solche Präsens zu verleihen, dass ich den Eindruck habe, den jeweiligen Roman noch nicht gelesen zu haben. Beim Hören entdecke ich dann Tiefen, die mir beim (einsamen) Lesen verborgen geblieben sind und mich veranlassen, den jeweiligen Roman noch einmal hervorzuholen. ...weiterlesen...


Mittwoch, 30. Mai 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Fotos, Rezensionen | Kommentare (0)

Dieses bereits 2004 erschienene Buch ist nun in ergänzter und überarbeiteter Auflage neu herausgegeben worden. Ein Buch, das sich sicher an Menschen richtet, die als ehrenamtliche und als hauptamtliche Hospizmitarbeiter tätig sind. Meines Erachtens ist es darüber hinaus ein gut geschriebenes, sehr verständliches Buch, das allgemein Menschen dazu einlädt, sich über ihre (Geistes-) Haltung Gedanken zu machen, mit der sie in ihrem Leben unterwegs sind: "Ein Buch kann nicht den inneren Weg und die eigenen Erfahrungen ersetzten. Aber es möchte einladen, den eigenen Weg zu suchen, zu gehen und die dort gemachten Erfahrungen unter dem Gesichtspunkt von Spiritualität anzusehen und zu ...weiterlesen...


Donnerstag, 3. Mai 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

"Ängste gehören zur emotionalen Grundausstattung des Menschen, und eigentlich handelt es sich dabei um einen großartigen Mechanismus, der uns vor akuten Gefahren retten und in Sicherheit bringen soll." Soweit so gut, doch: "Wann wird Angst zum hilfreichen Impuls, um Herausforderungen zu meistern, und wann blockiert sie einen?" In einer Art Dialog gehen die beiden miteinander verheirateten Autoren dieser Frage nach, indem jeder - aus seiner Perspektive - verschiedene Aspekte der Angst und die damit im Alltag einhergehenden Einschränkungen beschreibt. Mit der Wahrnehmung und Bewusstmachung beginnt die Möglichkeit, nach neuen kreativen Lösungen im Umgang mit der Angst zu suchen. Denn Ängste sind sowohl ...weiterlesen...


Montag, 30. April 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Der 2. Band der "Ermordung des Commendatore I" mit dem Untertitel "Eine Metapher wandelt sich" liegt nun vor: Murakamis Held ist auch im zweiten Band der eher farblose Maler, der von seiner Ehefrau getrennt im Haus des berühmten Malers Tomohiko Amadas lebt, der mittlerweile sehr alt in einer Residenz auf seinen Tod wartet. Obwohl er sich lange geweigert hat, Portraits zu malen, hat er diesen Vorsatz im ersten Band nicht aufrechterhalten. Denn er hat Wataru Menshiki gemalt, der ihn auch gebeten hat, Marie Akikawa zu malen, deren Vater er zu sein glaubt. Regelmäßig kommt die verschlossene ziemlich schweigsame Marie mit ihrer ...weiterlesen...


Montag, 23. April 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Der neue von Kat Menschik illustrierte Band liegt vor: Wie immer eine wunderschöne Ausgabe, mit eindeutiger "Handschrift" in der Art der Gestaltung und der Auswahl der Farben. Nicht zu übersehen, laut und dennoch ästhetisch! Zudem feinsinnig die jeweiligen Geschichten interpretierend. Die "Unheimlichen Geschichten" von Edgar Ellen Poe, ausgewählt von Fjodor Dostojewski, einem Verehrer Poes, erhalten durch Menschiks Illustrationen eine greifbar optische, sinnliche, tiefere Dimension. Sie hat sich mit Sicherheit intensiv mit den Texten auseinandergesetzt und erleichtert dem Leser das Begreifen der tiefsten Schichten dieser Erzählungen, in denen die jeweiligen Erzähler sehr darauf bedacht sind, nicht für verrückt gehalten zu werden: ...weiterlesen...


Donnerstag, 19. April 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (1)

Der 30. März 1924 ist ein Sonntag. Ein in jeder Hinsicht besonderer Tag. Es ist Muttertag, damals Mothering Sunday genannt. Jane ist Dienstbotin bei Mr. und Mrs. Niven und hat an dem Tag wie alle Dienstboten frei. Die Herrschaften nutzen den Tag in der Regel für Picknicks mit anderen Familien, da ihnen das Personal nicht zur Verfügung steht. Doch Jane ist Waise und ihr bleibt das Problem, wie sie "ihn verbringen sollte. Ein schmerzlich persönliches Problem. Das herrliche Wetter war da nicht unbedingt hilfreich. Im Gegenteil, es schien - zwei Wochen vor dem Ereignis - nur umso tiefere Schatten zu werfen." ...weiterlesen...


Dienstag, 17. April 2018 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (4)

"Wege, die sich kreuzen" ist Tommi Kinnunens erster Roman, ein ungewöhnlich erzählter, sehr spannender Familienroman, in dem - im Gegensatz zu den sonst üblichen Romanen - die Frauen die dominante Rolle spielen. Der Roman beginnt im Jahre 1996 im Gesundheitszentrum einer Kleinstadt im Norden Finnlands. Lahja, die Tochter Marias, einer unkonventionellen, emanzipierten, alleinerziehenden Hebamme, liegt im Sterben. Bei ihr sind ihr Sohn Johannes und seine Frau Kaarina, die Lahja immer noch siezt, obwohl sie mehr als vierzig Jahren in einem Haus gewohnt haben. Vor Lahjas Augen steigen augenscheinlich Erinnerungsfetzen an ihren bereits verstorbenen Ehemann Onni und an ihre Mutter Maria ...weiterlesen...