Montag, 12. Juni 2017 | Kategorie: Aufgelesen, Rezensionen, Rezensionen (diverse) | Kommentare (3)

Abends gab's dann noch einmal im Dortmunder Konzerthaus in der Reihe Musik für Freaks Kafka zu hören. Der ungarische Komponist György Kurtág hat vierzig Kafka Aphorismen und Miniaturen für Sopran und Violine "mit wenigsten Tönen, so viel und so dicht wie möglich" (Programmheft d. Konzerthauses Dortmund) vertont. Das Ergebnis ist keine leichte, erbauliche Kost, aber mit Anna Maria Pammer und Patricia Kopatchinskaja, zwei Musikerinnen mit Leidenschaft und Begeisterung, ein eindringliches, nachklingendes Erlebnis. Hier einige der Kafka-Texte: DER WAHRE WEG "Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt, stolpern ...weiterlesen...


Sonntag, 11. Juni 2017 | Kategorie: Rezensionen, Rezensionen (diverse), Zitate | Kommentare (2)

Ulrich Matthes liest regelmäßig bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen. Nicht immer habe ich die Möglichkeit, ihn zu hören, aber wenn, dann bin ich auf dem Hügel. Heute las er zunächst Kafkas Erzählung "Kinder auf der Landstraße" und anschließend dessen Brief an seinen Vater, der so beginnt: Liebster Vater, Du hast mich letzthin einmal gefragt, warum ich behaupte, ich hätte Furcht vor Dir. Ich wußte Dir, wie gewöhnlich, nichts zu antworten, zum Teil eben aus der Furcht, die ich vor Dir habe, zum Teil deshalb, weil zur Begründung dieser Furcht zu viele Einzelheiten gehören, als daß ich sie im Reden halbwegs zusammenhalten könnte. ...weiterlesen...


Montag, 24. April 2017 | Kategorie: Rezensionen, Rezensionen (diverse) | Kommentare (2)

Dieser schmale Gedichtband "Weichheit des Herzens" lädt - wie in den einführenden Zeilen deutlich wird - zum "nachdenklichen Innehalten" ein. Die durchgängig gereimten, rechtsbündig geschriebenen und mit schlichten Fotografien versehenen Gedichte sind aus der Sehnsucht nach "Klarheit, Sinn, Authentizität und tiefem Frieden" geschrieben, Ausdruck des geöffneten Herzens. Die angesprochenen Themen sind Themen des Alltags wie "Urlaub", "Dankbarkeit", "Traum". Urlaub Gedanken versunken Seele baumelnd fast trunken vom freien Geist taumelnd Sonnenstrahlen, leichter Wind ruhiger Atem, angekommen Herzlich lachen wie ein Kind fühle mich hier angenommen Olivenhaine gräulich schimmernd grüner Rasen, Felder, Wiesen Weite Horizonte flimmernd entspannt die Augen schließen Der Zeit entrückt, wie angehalten Weisse Federwolken, Himmel Blau Mein Leben leben, frei entfalten leidenschaftliche Innenschau Aber auch - für ...weiterlesen...


Donnerstag, 1. Dezember 2016 | Kategorie: Allgemein, Rezensionen, Rezensionen (diverse) | Kommentare (2)

Vor diesem Konzert 'Triadic Memories'von Morton Feldmann letzten Mittwoch bin ich gewarnt worden: 90 Minuten Klaviermusik ohne Pause. Na, dann. Doch ich liebe die Konzertreihe "Musik für Freaks", weil die "normalen" Gehörgewohnheiten gegen den Strich gebürstet, auf den Kopf gestellt werden. Ich erkundige mich vorher bewusst nicht, was mich erwartet, lasse mich einfach überraschen. Und das tut mir gut. Erwartungen können nicht enttäuscht werden und das ist auch gut so. Im Programmheft konnte ich lesen: "EIN STÜCK EWIGKEIT, Morton Feldman Ich bin kein Uhrmacher. Ich bin an der Zeit in ihrem unstrukturierten Zustand interessiert. Das heißt, mich interessiert, wie dieses ...weiterlesen...


Sonntag, 19. Juni 2016 | Kategorie: Allgemein, Rezensionen, Rezensionen (diverse) | Kommentare (0)

In der heutigen Sendung "Lebenszeichen" im WDR 3 geht es um sogenannte Ersatzkinder, Kinder, die nach dem Tod eines Geschwisterkindes zur Welt gekommen sind und im Extremfall auch denselben Namen erhalten haben. Eine - wie immer - hörenswerte Sendung, die nicht nur für Betroffene wichtig sein kann, sondern für viele. Denn: Jeder ist ja auf jeden Fall Kind gewesen, viele sicher auch Mutter/ Vater oder später dann auch Oma oder Opa. Es geht in der Sendung auch um Voraussetzungen guter Bindungen, die, sollten sie nicht vorhanden sein, warum auch immer, zu Schwierigkeiten in der eigenen Identitätsfindung führen können. Darüber mehr ...weiterlesen...


Freitag, 29. Januar 2016 | Kategorie: Fotos, Rezensionen, Rezensionen (diverse) | Kommentare (2)

Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, Dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Dass sie dich auf Händen tragen Und du deinen Fuß nicht An einen Stein stoßest. Es war gestern im Konzerthaus Dortmund eine großartige Aufführung, die mit frenetischem Beifall honoriert wurde, nachdem es Thomas Hengelbrock geschafft hat, dem Werk genügend Zeit und Raum zu geben, ausklingen zu dürfen - auch das eine Meisterleistung, gerade in Dortmund. weiterlesen...


Samstag, 14. November 2015 | Kategorie: Rezensionen, Rezensionen (diverse) | Kommentare (0)

Eine quicklebendige Aufführung, mit vielen Überraschungseffekten für Alice im Wonderland und die Zuschauer auf den Tribünen. Türen, Schubfächer, wohin das Auge sehen konnte als Kulissenwand, mal zu öffnen, dann wieder nicht, Eingänge, Ausgänge, Gummiwand und Spiegel, mit denen sich Alice konfrontiert sieht, mal attackiert, mal integiert von diversen Phatasiefiguren wie Grinsekatze, Böse Blumen, Herzkönigin, Figuren kindlicher Phantasie, kindlicher Realitätswahrnehmung. Und ab und zu "Lebensweisheiten" in Lichtschrift auf die Türenwand geschrieben: "If life is sweet say thank you and celebrate. If life is bitter say thank you and grow." Mit hat die Aufführung gefallen! weiterlesen...


Samstag, 16. Mai 2015 | Kategorie: Rezensionen, Rezensionen (diverse) | Kommentare (2)

Das Handke-Stück "Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten", Regie Tiit Ojasoo & Ene-Liis Semper, eine Koproduktion mit dem Thalia Theater Hamburg und den Ruhrfestspielen Recklinghausen, dauerte - ohne Pause - zweieinviertel Stunden, in denen pausenlos Menschen unterschiedlichster Art über die Bühne gingen, schritten, liefen, tanzten, schlichen, mit und ohne Kleidung, verschiedensten Reqisiten und Fortbewegungsmitteln. Eigentlich war die gesamte Menschheit - angefangen bei Adam und Eva - mit ihrer Geschichte vorhanden, mit allen kulturellen, sozialen, religiösen Weltanschauungen, ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Eine Menschheit ohne Worte, denn keiner sprach, obwohl es nicht leise war. Die Darsteller gaben Laute von sich, brabbelten ...weiterlesen...


Sonntag, 26. April 2015 | Kategorie: Allgemein, Rezensionen, Rezensionen (diverse) | Kommentare (0)

"Mitten in mir geht es gut." Diesen Satz habe ich aus der - wie immer hörenswerten - Sendung Lebenszeichen "Miteinandersein. Vom Wirtschaften mit 'Sozialkapital' "mitgenommen, in der es um Humankapital als Grundlage von gesellschaftlichen Veränderungen geht, hin zu einem freudvolleren Leben im empathischen Miteinander. Empathie wird dort in Anlehnung an den Familientherapeuten Jesper Juul und den Schriftsteller Peter Høeg als die härteste und wichtigste Währung von allen bezeichnet, als eine Kostbarkeit, die sich ohne Schwierigkeiten vermehren lässt. Wiederholung: heute Abend um 22:05 im WDR 5 und - hoffentlich wie immer - nachzulesen im Manuskript der Sendung. weiterlesen...


Freitag, 24. April 2015 | Kategorie: Rezensionen, Rezensionen (diverse) | Kommentare (3)

"Dass ich das Leben liebe und dreifach bejahe. Um das Leben ganz zu lieben, dazu muss man auch seine andere Seite, den Tod, umfassen und begreifen. Mögest du nie vergessen, dass ich an dich glaube." "Ich halte Sie für berufen, über den Durchschnitt etwas schaffen zu können." Das sind Zitate aus dem Programmheft der Ballettaufführung "Charlotte Salomon: Der Tod und die Malerin (UA)" im MIR. Eine sehr beeindruckende Aufführung, die die Lebensgeschichte von Charlotte Salomon anhand ihrer Bilder, untermalt mit Musik verschiedener Komponisten, die ihr Lebensgefühl in ihrer Zeit als Jüdin in Deutschland nach 1933 und später in der Emigration in Frankreich, ...weiterlesen...