Samstag, 28. Juli 2007 | Kategorie: Zitate | Kommentare (2)

"Wir haben viel geschwiegen. In der Erinnerung ist es, als hätten wir uns tagelang ohne Unterbrechung schweigend gegenüber gesessen. Zu Beginn war es nicht mehr als ein Schweigen, in dem jeder seinen Gedanken nachhing. Doch während eines gemeinsamen Schweigens kann viel geschehen, das weiß ich jetzt. Ein Schweigen, das ist etwas, was sich entwickelt. Die Schweigenden können darin riesige Strecken zurücklegen, man würde es nicht glauben. Man kann sich dabei so sehr aufeinander zubewegen, daß sich die Gedanken und Gefühle am Ende berühren. Keine Lücke mehr, verstehst du, übehaupt keine." (Pascal Mercier, Der Klavierstimmer S. 392) weiterlesen...


Samstag, 28. Juli 2007 | Kategorie: Zitate | Kommentare (2)

"Von seinem Stuhl im Caffe della Stazione aus sah er sich das sonntägliche Treiben an, betrachtete die Frauen, begutachtete ihre körperlichen Qualitäten und musterte ihren Gang. Sein prüfender Blick war auch von seiner Erfahrung als Schweinehändler geprägt, mithin von der Tatsache, daß es nach seinem Dafürhalten nicht unbedingt ein Unterschied war, ob man eine Frau heiratete oder ein gutes Stück Vieh erwarb. Die wichtigsten Eigenschaften, die seine Braut mitzubringen hatte, waren demzufolge eine kräftige Statur und die robuste Konstitution eines guten Zuchttiers, damit sie ihm eine gesunde Nachkommenschaft sicherte. ... Er sah nur das Stück Vieh vor sich, das er ...weiterlesen...


Freitag, 27. Juli 2007 | Kategorie: Aufgelesen | Kommentare (0)

Schade, dass die Betroffenen ihre Nachrufe nicht mehr lesen können. Es wäre doch zu Lebzeiten für alle Beteiligten sinnvoller, vor allem, wenn es um so liebevoll geschriebene Nachrufe geht wie den von Thomas Loy über Emmi Güttgemanns, zu lesen: hier. weiterlesen...


Freitag, 27. Juli 2007 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (1)

Zu beobachten, wie Leute reagieren, deren gemietete Strandkörbe von anderen genutzt werden, die davon ausgehen, dass er herrenlos ist, ist schon spannend. Da gibt es die Netten, die Kiebigen, die Ironischen und die Unverschämten. Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal beobachtet, dass jemand die Sachen, die in seinem Strandkorb lagen, nicht einfach nur zur Seite gelegt hat - sein gutes Recht - sondern sämliche Gegenstände mit wutverzerrtem Blick in den Sand geschmissen hat, begleitet von heftigen Flüchen. "Mal sehen, was passiert, wenn die unrechtmäßige Strandkorbnutzerin (eine Bekannte) zurückkommt." Diese verhielt sich ausgesprochen freundlich, hat sich für die "Belästigung" entschuldigt und für die ...weiterlesen...


Freitag, 27. Juli 2007 | Kategorie: Zitate | Kommentare (0)

"Ich weiß, dass ich nichts weiß." Dies ist wohl der berühmteste und bekannteste Satz des Philosophen Sokrates, der am 27. Juli 398 v.Chr. den Giftbecher leerte, weil er ein Leben, in dem er nicht frei philosophieren durfte, nicht leben wollte. Diesem "Unwissenden" ist die heutige Sendung "Zeitzeichen" gewidmet. Noch besser aber gefällt mir folgender Satz:"Es ist keine Schande nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen." - geeignet als Inschrift im Eingangsportal von (öffentlichen) Schulen. weiterlesen...


Freitag, 27. Juli 2007 | Kategorie: Aufgelesen | Kommentare (0)

"Die Worte, die wir uns sparen, kommen unseren Gesprächen zugute." (Werner Sprenger, Morgen? Besser: gleich heute leben, Konstanz 1993. S. 33) Wenn das mal Politiker oder sonstige Vielredner beherzigen würden! weiterlesen...


Donnerstag, 26. Juli 2007 | Kategorie: Zitate | Kommentare (0)

"Ein paar Schritte durch diese Stadt hatten genügt, und ich wußte wieder, daß ich nur geborgen in Rudolfs Liebe dem Laster der Einsamkeit hatte frönen können. Er war dagewesen, auch wenn er nicht bei mir war." Ulla Hahn, Liebesarten, S. 216 weiterlesen...


Donnerstag, 26. Juli 2007 | Kategorie: Rezensionen | Kommentare (1)

Merciers "Nachtzug nach Lissabon" habe ich mit Begeisterung gelesen und war neugierig auf seinen "Klavierstimmer". Dieser Roman ist die als Rückblick geschriebene Geschichte einer Familie aus der Perspektive der Zwillinge Patrice und Patricia, die ihre jeweils eigene Sicht auf ihre Eltern, die Familie, ihre Beziehung zueinander haben und diese in Heften dem anderen mitteilen wollen: "Jetzt, da alles vorbei ist, wollen wir aufschreiben, wie wir es erlebt haben. Wir werden den Erinnerungen allein gegenübertreten, ohne die Verführung durch die Gegenwart des anderen. Die Berichte sollen wahrhaftig sein, ganz gleich, wie groß der Schmerz sein mag beim Lesen. Das haben wir uns ...weiterlesen...


Donnerstag, 26. Juli 2007 | Kategorie: Allgemein | Kommentare (1)

George Tabori und Ulrich Mühe, zwei großartige, dem Theater bzw. dem Film verbundene Menschen, sind in den letzten Tagen verstorben. Es war zu erwarten - zwar aus unterschiedlichen Gründen (Alter, Krankheit) und dennoch: schade, ich werde sie vermissen. George Taboris "Warten auf Godot" habe ich noch bei den letzten Ruhrfestspielen sehen könne. Der Regisseur starb im biblischen Alter. Einen gut zu lesenden Nachruf "Das Leben , ein Tag" enthält die heutige Ausgabe der "ZEIT", S. 45. Ulrich Mühe, der "Lebensempfindliche" wie ihn der Tagesspiegel nennt, wurde nur 54 Jahre, vielleicht ein Anlass, die eigene Endlichkeit stärker ins Bewusstsein zu ...weiterlesen...


Mittwoch, 25. Juli 2007 | Kategorie: Rezensionen | Kommentare (4)

"Liebesarten" ist ein Erzählband mit ungewöhnlichen Liebesgeschichten, die mancher gar nicht als solche bezeichnen würde, ähnlich wie die "Liebesgedichte" von Ulla Hahn, die liebevoll, zuweilen bissig, ironisch, genau hinschauen und zwar nicht immer nur auf die positiven Seiten. "Rote Schuhe" - ein Paar rote Schuhe auf einem Bügelbrett springen dem Leser ins Gesicht, Schuhe die die Protagonistin dieser gleichnamigen Erzählung ausgerechnet auf einer Beerdigung trägt - ist die Geschichte einer Beziehung, die gerade mal eine Nacht gedauert hat, aber lebenslang nachwirkt. "Manchmal, in den vielen Jahren, die den beiden Nächten folgten, der Nacht mit Konrad und der Nacht ohne ...weiterlesen...