Takis Würger, Unschuld
„Casper Rosendales Mörder mochte die Musik von Elvis, Lemon Pie mit Sahne, die Cheerleader der New York Jets und den Birnbaum hinter seinem Wohnwagen.“ Es gibt noch zahlreiche weitere Gerüchte, doch eins war auf jeden Fall wahr: Casper Rosendales Mörder hat eine Tochter. Sie heißt Molly, ist dreiundzwanzig Jahre alt, wohnt seit der Inhaftierung ihres Vaters bei dessen Bruder Mick, und will unbedingt die Unschuld ihres Vaters beweisen, dessen Tag der Hinrichtung durch eine Giftspritze – nach etwa zehn Jahren…
Weiter Horizont
Das ist’s, was mich hier so entzückt:Diese unbedingte Weite,dieser Horizont in Tief‘ und Breiteverschwenderisch hinausgerückt. (Christian Morgenstern)
Regen
Da draußen regnet es weit und breit.Es regnet graugraue Verlassenheit.Es plaudern tausend flüsternde Zungen.Es regnet tausend Erinnerungen.Der Regen Geschichten ums Fenster rauscht.Die Seele gern dem Regen lauscht. Der Regen hält dich im Haus gefangen.Die Seele ist hinter ihm hergegangen.Die Insichgekehrte ist still erwacht,Im Regen sie weiteste Wege macht.Du sitzt mit stummem Gesicht am Fenster,Empfängst den Besuch der Regengespenster. (Max Dauthendey)
Ulla Hahn, Tage in Vitopia
Wendelin Kretschnuss, ein Schattenschwanzeichhörnchen, Sciurus vulgaris, ist der Ich-Erzähler in Ulla Hahns neuem Roman „Tage in Vitopia“, der wortreich, wortwitzig von dem erzählt, was er in der Welt erlebt. Seine Welt sind zunächst die Bäume vor einer Hamburger Villa in Alsternähe. Er lebt dort mit seiner geliebten Muzzli – die Kinder sind schon aus dem Nest – und beobachtet Maria Schön und Josef Regen, die in der Villa wohnen. Ihre Art zu leben ist ihm zunächst ziemlich unverständlich. Wände voller…
Licht im November
Lichte Momente frühmorgens im Novembertragen durch den Tag. (© mona lisa)
Wege
Wohin gehen wir? Immer nach Hause. (Novalis)
Streiflichter
Streiflichter und SchlagschattenSchlaffheit, Stumpfsinn überall,Langeweile, Unbehagen,Unter hohler Floskeln SchwallSchlechtverhehltes Selbstverzagen,Toller Luxus, Schwindelei,Statt Genuß – Betäubung, Leere,Der Verarmung RiesenschreiBei des geist’gen Druckes Schwere;Knechtsinn und Prostitution,Schmutz und übertünchter Firnis,Dogmenstreit für ReligionUnd für Recht – Ukasen-Wirrnis,Mechanismus statt Genie,Und kein Fünkchen Poesie. (Friedrich Wilhelm Wanderer)
Aufgeschnappt
„Ich arbeite gerne zusammen mit den Toten.“ Eine Bestatterin in einem Radiointerview. Wie wohl eine solche „Zusammenarbeit“ aussieht?!
Lesen – eine Form der Auferstehung
In ihrem neuen Buch „Tage in Vitopia“ von Ulla Hahn habe ich eine interessante Verbindung von Lesen und Auferstehung gefunden. Zunächst verwundert sich der Ich-Erzähler, ein Eichhörnchen, über die Formulierung, die er aufgeschnappt hat: „Nicht mehr unter uns.“ Er reagiert mit Erstaunen und Verwunderung: „Tot? Kommt doch nur auf uns an, die Toten ins Leben zu locken. Ihnen die Hand ins Leben zu reichen. Ihnen unsere Augen, Hirn und Herz, unsere Sinne zu leihen.“ Und stellt eine Verbindung zwischen Lesen…