Barbara Godwy, Hilflos

„Hilflos“ ist ein Roman über die von langer Hand geplante Entführung der neunjährigen Rachel, die ins Visier eines Mannes geraten ist, der glaubt, Rachel retten zu müssen – aus den Händen ihrer eigenen Mutter und ihres Vermieters, der sich in Abwesenheit der Mutter um das Mädchen kümmert.
Es ist in mehrfacher Hinsicht ein bedrückender Roman: Man weiß, dass sich Entführungen so und ähnlich in der Realität abgespielt haben. Man kennt die (kranken) Motive des Entführers, der es nur „gut“ mit dem Mädchen meint, lernt die Perspektive seiner Lebensgefährtin kennen, die sich instrumentalisieren lässt und aus falsch verstandener Liebe zu Mittäterin wird, erlebt das Geschehen aus der Sicht der Mutter und des Opfers. “ ‚Ihr seid Entführer‘ sagt Rachel und rutscht vom Sofa. ‚Du hälst dich für schrecklich nett, aber ihr seid nichts anderes als Entführer.‘ “ Der Leser ist gezwungen, ein eigenes Urteil zu fällen und merkt, Beteiligte zu verstehen, heißt noch lange nicht, ihr Verhalten zu akzeptieren oder gut zu heißen.
Für mich schwer zu verstehen ist, was manche Menschen unter Liebe verstehen und welche Handlungen sie glauben im Namen der Liebe rechtfertigen zu können, das ist auch Missbrauch, wie er tagtäglich vorkommt, immer und immer wieder.

Barbara Gowdy, Hilflos, München 2007, 334 S. ISBN 978-3-88897-462-5, 19.90 €

Datum: 2. April 2007
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