Katechismus in den 60 igern: Warst du unkeusch mit dir selbst oder mit anderen?

An diese Frage im Beichtspiegel musste ich denken, als ich Folgendes las:
„Zweierlei Angst
In den fünfziger Jahren und noch in die sechziger hinein … galt Sexualität als schmutzig. Ein Werkzeug des Teufels. Noch bevor wir uns als Kinder unter der Unkeuschheit etwas vorstellen konnten, wurden wir in Schule und Öffentlichkeit zu Keuschheit verpflichtet. Schuldwarnungen wurden tief in uns hineingesenkt.“ (Silvia Bovenschen, Älter werden, FFM 6. Aufl. 2006, S. 124)
Auch ich gehörte zu denen, die sich unter Unkeuschheit nichts, gar nichts vorstellen konnte. Doch, gehorsam, gewissenhaft, wie ich erzogen worden bin, ging ich regelmäßig zur Beichte. Der Beichtspiegel mit seinen Fragen sollte als „Hilfestellung“ dienen. In der Sorge, etwas auszulassen und wiederum eine Sünde zu begehen, habe ich dies mehr oder weniger gebeichtet, ohne wirklich zu wissen, was ich da erzählt habe.
Aufgeklärt hat mich da niemand – lange Zeit nicht. Ich habe auch nie wirklich begriffen, dass einem die Sünden erlassen, vergeben werden konnten. – Vielleicht haben die Erwachsenen – aus gutem Grunde – vergessen, mir dies mitzuteilen. Mit kleinen Sündern, die ständig ein schlechtes Gewissen haben, geht‘ s sich besser um.

Datum: 9. Juni 2007
Themengebiet: Allgemein Trackback: Trackback-URL
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