Peter Bichsel, Kindergeschichten

Der Titel dieses Bändchens ist in jeder Hinsicht irreführend, denn es sind eher keine Geschichten speziell für Kinder, sondern sieben Geschichten von mehr oder weniger alten Männern, die eines gemeinsam haben, so unterschiedlich sie auch sonst sind: Sie sind alle ein wenig einsam und ver-rückt, gemessen an den Maßstäben normaler Erwachsener. Insofern sind es vielleicht doch Geschichten für Kinder, die ja in ihrer Fantasie eigene Welten mit eigenen Gesetzten entstehen lassen, wie der Mann in der recht bekannten Erzählung „Ein Tisch ist ein Tisch“. Er erfindet seine eigene Sprache, weil ihm sein Leben zu eintönig und einsam ist. Das Erfinden, Konstruieren und Ausprobieren seiner Sprache macht ihn zunächst glücklich, denn er hat eine Aufgabe. Bis er dann zum Schluss merkt, dass ihn niemand versteht und seine Welt sich nicht wirklich verändert hat.
Auch „Der Mann mit dem Gedächtnis“ ist ein wenig merk-würdig. Statt zu reisen, lernt er die Abfahrts-, Ankunftszeiten und Stationen der Züge auswendig, bis zu dem Tag, da er entdecken muss, dass all sein Wissen bei einem Beamten im neu eröffneten Auskunftsbüro (ja so hieß der infomation point früher) abrufbar ist. Da macht er sich – im wahrsten Sinne des Wortes –  auf den Weg, etwas zu finden, was sonst keiner weiß – und fährt mit der Bahn. Die anderen Männer sind nicht weniger bemerkenswert. Aber mehr gibt’s hier von Peter Bichsel nicht zu lesen. Aber hier!
Peter Bichsel, Kindergeschichten, München 1995, 93 S., ISBN 3-630-86854-1

Datum: 6. Januar 2009
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3 Gedanken zu „Peter Bichsel, Kindergeschichten

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