Haruki Murakami, Nach dem Beben

Ein Erdbeben ist ein erschütterndes Ereignis für die davon betroffenen Menschen, die oftmals bis in ihre Träume hinein mit den Ereignissen zu kämpfen haben. In den Erzählungen Murakamis geht es um Menschen aller Altersstufen, die auf höchst unterschiedliche Art und Weise mit den Auswirkungen der Erdbeben in Kyoto und Kobe zu tun haben. Schlangen, ein riesiger Frosch, der gegen einen Erdbeben auslösenden unterirdischen Wurm kämpft und dabei auf die Hilfe eines Menschen angewiesen ist, bevölkern geheimnisvoll die Geschichten. Da zweifelt nicht nur die kleine Sara, ob die Geschichte, die ihr Junpei erzählt, so passiert sein kann.
Auch der (erwachsene) Leser bleibt oft im Unklaren darüber, ob die Erzählungen Murakamis erzählte Träume sind oder nicht, vor allem aber wie die Ereignisse weitergehen, denn viele Geschichten brechen unvermittelt ab. So erfahren wir nicht, ob die Hitzewellen geplagte, kinderlose Professorin Satsuki am Ende den weißen harten Stein in ihrem Inneren loswird. “Warten sie auf Ihren Traum, Frau Doktor. … Werfen Sie die Worte ab. Worte werden zu Steinen.” und ob sie den Rat ihres Chauffeurs beherzigt: “Sie sind schön, klug und stark. Aber es scheint als schleiften sie Ihr Herz hinter sich her. Sie sollten beginnen, sich in aller Ruhe auf den Tod vorzubereiten. Wenn Sie ihre ganze Kraft weiterhin ausschließlich auf das Leben richten, werden Sie nicht gut sterben können. Sie müsssen ihren Schwerpunkt allmählich verlagern. Leben uns Sterben haben in gewissen Sinne den gleichen Wert”.

Haruki Murakami, Nach dem Beben, Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe, München 2005, 156 S., ISBN 3-442-73276- WG 2111

Datum: 15. Februar 2009
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Ein Kommentar

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