China Keitetsi, Sie nahmen mir die Mutter und gaben mir ein Gewehr

China Keitetsis Autobiografie mit dem Untertitel “Mein Leben als Kindersoldatin” ist zum einen der Versuch, über das Schicksal von Kindersoldaten in vielen Ländern Afrikas aufzuklären, verbunden mit der Hoffnung, dass sie in Zukunft überflüssig werden. Zum anderen ist es der Versuch, die traumatischen Erlebnissen, die breits in der frühen Kindheit eingesetzt haben, zu verarbeiten und nicht innerlich daran zugrunde zu gehen. Keitetsi schreibt, wie sie als kleines Kind sowohl vom Vater als auch von der Großmutter und der neuen Frau des Vaters brutal schon für Nichtigkeiten verprügel wird, so dass sie mehrfach auch Knochenbrüche erleidet, mit dem Entzug von Essen bestraft, von einem Nachbar vergewaltigt wird und genau weiß, sie kann darf nichts sagen, denn zu Hause würde sie sowieso keine Hilfe erfahren.
Mit acht Jahren wird sie Kindersoldatin, die es als Mädchen und später als junge Frau unter Soldaten in jeder Hinsicht schwer hat und stets vor der Alternative steht, unterzugehen oder andere zu schikanieren und für deren Untergan zu sorgen, so weit es in ihrer Macht steht. Aber sie will leben. Der Drang zu leben ist der entscheidende Motor, in jeder Lebenslage dafür zu sorgen, dass sie das Leben führen kann, von dem sie träumt. Doch der Traum scheint unerreichbar. Und dennoch gibt sie nicht auf. Sie muss anderen vertrauen, obwohl sie gelernt hat, nicht mehr zu vertrauen. Aber ganz ohne Vertrauen, ohne andere Menschen  geht es aber nicht. Und sie schafft es, mit neunzehn Jahren nach einer Flucht durch mehrere Länder Afrikas, nach Dänemark auszureisen, wo sie eigentlich das erste Mal in ihrem Leben menschliche Wärme, Herzlichkeit und Zuneigung erfährt.
Ergänzt ist die autobiografische Darstellung mit einigen Bildern, die Keitetsi in verschiedenen Lebenssituationen zeigt, auch mit Prominenten wie Bill Clinton, Whoopi Goldberg, Harrison Ford und Nelson Mandela. Denn immer wieder wird sie eingeladen, um zum Thema Kindersoldaten  zu sprechen.
Es ist ein bewegendes Buch und dennoch erfährt der Leser mehr oder weniger “nur” die äußeren Erlebnisse der China Keitetsi, über die Gefühle ihrer Erniedrigung zu sprechen, würde sie offensichtlich (noch) nicht  verkraften. Das man nach einer solchen Kindheit und Jugend überhaupt noch lebensfähig ist, grenzt schon an ein Wunder. Vielleicht hat ja das Schreiben dieses Buches dazu beigetragen.
Näheres über ihre Arbeit gegen den Einsatz von Kindersoldaten findet der interessierte Leser auf der Website China Keitetsis.

China Keitetsi, Sie nahmen mir die Mutter und gaben mir ein Gewehr, Mein Leben als Kindersoldatin, Berlin 2005, 317 S., ISBN 978-3-548-36481-0

Datum: 7. April 2009
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