Karin Fossum, Schwarze Sekunden

Die kleine Ida fährt mit ihrem auffälligen gelben Fahrrad zum Kiosk. Und kommt nicht wieder. Später stellt sich heraus. Sie ist dort gar nicht angekommen. Das Mädchen bleibt lange Zeit unauffindbar. Irgendwann wird ihr gelbes Fahrrad gefunden, völlig unbeschädigt, später dann auch ihre Leiche, in eine Decke gehüllt, sorgfältig abgelegt, mit einem neuen weißen Nachthemd bekleidet. Die erste heiße Spur für Kommissar Sejer und seinen Kollegen Skarre. “Wir Menschen können soviel ertragen. Wenn wir nur eine Erklärung bekommen. Idas Mama kat keine Erklärung. Es ist schwer, weißt du, ein kleines Mädchen zu verlieren. Und sie später begraben zu müssen, ohne zu wissen warum.”
Und Sejer findet, ruhig  wie immer, in zäher Kleinarbeit, vielen Gesprächen und Verhören heraus, wie Ida gestorben ist und wer dafür die Verantwortung trägt. Einmal mehr bewahrheitet sich, dass der Kommissar sich zu Recht nicht mit dem Augenscheinlichen zufrieden gibt und den Fall abschließen kann.
Er ist ein ruhig erzählter Krimi mit stimmigen Charakteren, aber nicht allzuviel Spannung. Dennoch auf keinen Fall langweilig.

Karin Fossum, Schwarze Sekunden, aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs, München 2004, 300 S., ISBN 3-492-24288-X

Datum: 31. August 2009
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Ein Kommentar

  1. 1

    […] Reinhardt und Kristine “waren ein Paar, schon seit vielen Jahren, sie hielten einander nicht an den Händen. … Aber sie gingen zusammenspazieren, das war zur Gewohnheit geworden und Gewohnheiten hielten sie fest und machten die Welt vorhersagbar.” Bei einem ihrer regelmäßigen Sonntagsspaziergänge sehen sie einen älteren Mann, der sich schleunigst fortbewegt, hastig um sich blickend. Kurze Zeit später finden die  beiden eine zum Teil entblößte Kinderleiche. Die Suche nach dem Mörder des kleinen Jonas durch Kommissar Sejer und seinen Assistent Skarre beginnt. Edwin, ein weiteres Kind, verschwindet spurlos. War das auch der Hans Christian Anders ähnlich sehende Mann, der trotz genauer Beschreibung durch Reinhardt und Kristine lange nicht aufgespürt werden kann? Oder hat der homosexuelle Lehrer, der mit seinem Partner lebt und sich auch außerhalb der Schule mit Jungen beschäftigt, die ihn zudem Hause besuchen, mit dem Verschwinden Edwins etwas zu tun? Oder war es doch der vorbestrafte Lover der Mutter Edwins, die immer wie ausgewechselt ist, wenn er sich angemeldet hat, über den sie die Existenz ihres Kindes nahzu vergisst. Aber auch Reinhardt verhält sich außerordentlich seltsam, nicht nur dass er die Leiche des Jungen mehrfach fotografiert hat, er unternimmt Recherchen auf eigene Faust, geht auf die Beerdigung des Jungen. Kristine fängt er an, immer unheimlicher zu werden. Und dann findet sie auch noch Fotos von einem Mädchen in der Schublade seines Schreibtisches. Verdächtige gibt es in dem Krimi eine Menge, ebenso eine Reihe von Reflexionen über Verbecher im allgemeinen, die Frage des Umgangs mit einem Pädophilen, der “einfach” anders liebt, diese andere Liebe aber nicht leben kann, darf. Der Leser erfährt die Handlung  aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers, der ihn sowohl an der Perspektive des Täters als auch an der der Ermittler teilhaben lässt. Ein vielschichtiger, nicht übermäßig spannender, aber auf keinen Fall  langweiliger Krimi, ähnlich wie ihr Krimi “Schwarze Sekunden“. […]

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