Maria Àngels Anglada, Die Violine von Auschwitz

Der Titel, die Geschichte haben mich neugierig gemacht. Dass die katalanische Autorin als vom Holocaust nicht Betroffene sich an dieses Thema begeben hat, der Roman in 12 Ländern erscheint, hat mich dann dazu bewogen, ihn zu lesen.
Der Pariser Musiker Climent lernt in Krakau die polnische Geigerin Regina kennen und ist von ihrem Spiel und dem besonderen Klang der Geige fasziniert. Von ihr erfährt er auch die Geschichte dieser Violnie, die ihr Onkel Daniel auf der Grundlage einer Wette zwischen dem Kommandanten Sauckel und dem experimentierfreudigen Doktor Rascher anfertigen musste. Diese Arbeit ist für ihn lebenswichtig im wahrsten Sinne des Wortes, aber auch im übertragenen Sinne, gibt sie ihm doch eine gewisse Sicherheit, Ruhe, ein wenig Selbstwert in der Hölle des Lagers zurück. Diese Arbeit ist auch das Ergebnis von Solidarität unter den Gefangenen, da Daniel ohne die Unterstützung anderer wahrscheinlich an seiner Schwäche und Ohn-Macht gescheitert wäre. Dann hätte Dr. Rascher ihn für seine Kälteexperimente gewonnen.

Mir hat dieser Roman trotz der interessanten Geschichte nur bedingt gefallen. Die Geschichte wird aus einer relativ großen auktorialen Distanz erzählt, mir fehlt da eher die Innensicht Daniels, des Geigenbauers. Zudem finde ich die benutzten Metaphern meist wenig zutreffend. “Er roch am Holz, nahm das Modell …, und begann ganz selbstvergessen und mit der feinfühligen Kunstfertigkeit eines Dichters das Innere der Decke mit dem kleinen Hohleisen abzunehmen.” Wie einem Geigenbauer die Kunstferigkeit eines Dichters helfen kann, erschließt sich mir nicht. Auch die Beschreibung der Höllenängste Daniels, wenn der Kommandant unvermittelt in der Werkstatt erscheint und Daniel nicht weiß, wie er sich unter dessen absoluter Willkürherrschaft verhalten soll, ohne sein Leben zu riskieren: “Es schien ihm, als könnten alle sein Herz schlagen hören, doch er bewahrte einen kühlen Kopf.” kommt daher, als habe man sie schon xmal als Beschreibung wenig vergleichbarer Situationen gelesen.
Die kursiv gedruckten Bezeichnungen für die Aufseher, Kommandanten als “Schweine“, “Monster“, “gehasste Tyrannen” sind sicher korrekt, nur nehme ich als Leser eine solche Bewertung auf der Grundlage der Erzählung lieber selbst vor.

Maria Àngels Anglada, Die Violine von Auschwitz, übersetzt aus dem Katalanischen von Theres Moser, München 2009, 173 S., ISBN 978-3-630-87326-8

Datum: 29. November 2009
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2 Kommentare

  1. Quer | Sonntag, 29. November 2009 17:18
    1

    Deine Kritikpunkte finde ich sehr berechtigt; und sie fussen bestimmt nicht auf einer unsorgfältigen Übersetzung. Solche schiefen Bilder können einem ein Buch recht schnell “verleiden”…

    Danke für die Rezension.

    Liebe Grüsse,
    Brigitte

  2. Marcus Feldmann | Samstag, 2. Januar 2010 0:17
    2

    Die Rezension ist zutreffend. Leider kommt ein emotionaler Funke nicht so recht rüber. Es fehlt die Tiefe, Situationen ergreifend zu schildern. Das Thema des Buches macht neugierig, die Art der Romanerzählung ist mäßig.

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