Friedrich Ani, Wer lebt, stirbt

Der Prolog nimmt vorweg, was Kommissar Jonas Vogel später im Krankenhaus erleben wird:

„Schwarz.
Schwarz.
Schwarz.
Schwarz.
Schwarz.
Zehn Sekunden.
Schwarz.
Schwarz.
Schwarz.
Schwarz.
Schwarz.
Zwanzig Sekunden.
Wie lange schon?
Schwarz.
Soviel stand fest: es war schwarz, nicht grau, nicht schattenartig. Nicht irgendwie dunkel, irgendwie schraffiert von etwas hinter dem Dunkel.
Nur schwarz .
Und es blieb.“
Durch einen Unfall wird der Kommissar blind, unwiderbringlich, da sein Sehnerv durchtrennt  ist. Für seine labile Ehefrau , die sich zu sehr allein gelassen fühlt, eine noch größere Katastrophe als für Jonas Vogel. „Ich bin eine zerschmetterte Frau, dachte Esther Vogel, und du hast mich zerschmettert.“ Aber nicht sie, sondern ihr Mann ist blind geworden.
Doch bis es zu dem Unfall kommt, ermittelt Vogel – unkonventionell wie immer-, im Gefolge sein Sohn Max, der vergeblich versucht, auch offiziell in das Team seines Vaters aufgenommen zu werden, was aus formalen Gründen stets abgelehnt wird, aber ständig für Verärgerung bei seinem Vorgesetzten sorgt. Falk Sieger, Angestellter eines Münchener Wach- und Sicherheitsdienstes wird ermordet in seiner Wohnung aufgefunden. Sein Kollege Jens Schulte gerät unter Verdacht, wird aber von einem teuren Anwalt mit Ambitionen für das Amt des Oberbürgermeisters vertreten, dessen Sekretärin seit einigen Tagen nicht mehr zur Arbeit erschienen ist. Die Kandidatur zieht er zum Schluss zurück – warum, das lest ihr am besten selbst.
Ich mag die Krimis von Ani, in denen oft verschlungene Handlungsstränge erzählt werden, die Einsichten in menschliche Alltagsabgründe gewähren, Alltäglichkeiten in Frage stellen – sprachlich oft sehr differerenziert und unkonventionell.
Dass Vogel sich durch seine Blindheit nicht „geschlagen“ gibt, versteht sich fast von selbst – zum Entsetzen seiner Mitmenschen, gut für Ani-Fans, die den Folgeroman „Wer tötet, handelt“ lesen können.

Friedrich Ani, Wer lebt, stirbt. Kriminalroman, München 2007, 222 S., ISBN 978-3-423-20988-5

Datum: 1. Dezember 2009
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2 Gedanken zu „Friedrich Ani, Wer lebt, stirbt

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