Yasunari Kawabata, Die schlafenden Schönen

Eguchi, ein Mann auf der Schwelle der Senilität, bekommt von seinem Freund den Hinweis auf ein kleines Hotel, das Männern besondere Dienste anbietet: Sie können die Nacht neben einer tief schlafenden, nicht aufzuweckenden sehr jungen Frau verbringen. Eguchi, der immer wieder betont, dass er noch nicht zu den Greisen gehört, die schon keine Männer mehr sind, nimmt diesen Ser-vice insgesamt vier Mal Anspruch. Die schlafende Schöne ist jedes Mal ein anderes Mädchen mit einem anderen Duft, anderem Aussehen, anderer Ausstrahlung, das jedes Mal ausführlich und sehr detailliert beschrieben wird. Jede ruft auch andere Begierden und Erinnerungen an Frauen wach, die für Eguchi von Bedeutung waren: an seine Mutter, seine Braut, seine drei inzwischen verheirateten Töchter und andere, namenlose. Es ist in jeder Hinsicht ein „Kammerstück“, da es im jeweils gleichen Raum spielt, mit gleichem Ritual und minimalster Handlung. Und doch werden Urthemen des Menschen angesprochen: Jugend, Alter, Liebe, Tod, Mann, Frau.
Für mich ist es ein „männliches“ Buch, da ich davon aus-gehe, dass Frauen Alter anders empfinden. Aber das mag jede für sich selbst überprüfen. Richtig gestört hat mich allerdings die Bezeichnung „eingeschläferte Mädchen“, das hat mich immer an eingeschläferte und damit to-te Tiere erinnert.

Yasunari Kawabata, Die schlafenden Schönen, Roman, a.d. Japanischen von Siegfried Schaarschmidt, Frankfurt 2004, 126 S. ISBN 978-3-518-39685-8

Datum: 14. Oktober 2010
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Ein Kommentar

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