Mittwoch, 29. Dezember 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

Bei meinen Streifzügen an meinen Bücherregalen entlang fiel mir dies Büchlein ins Auge. Vielleicht finde ich noch etwas, was sich als Ergänzung zu meinem Parisaufenthalt in diesem Jahr eignet und auf dem Frankreichblog meines Sohnes Eingang finden kann. Aber nein: "In Langnau im Emmental gab es ein Warenhaus. Das hieß Zur Stadt Paris. Ob das eine Geschichte ist?" wird der Leser eingangs gefragt. Eine Antwort wir nicht geliefert. Auf jeden Fall ist es der Titel dieser bezaubernden Geschichtensammlung, in der es von ungewohnten Menschen nur so wimmelt, in ihren Besonderheiten und Eigenarten liebenswert beschrieben, wie meist in den (Kinder-)Geschichten Bichsels. Der Leser begegnet Eskimos, Zeitungsverkäufern, Witwen, jungen Frauen, alten Männern, Transvestiten, Selbstmördern ... . Meist sind ...weiterlesen...


Dienstag, 28. Dezember 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (2)

"Der Engels schwieg" ist der erste Roman Heinrich Bölls, entstanden in der Zeit von 1949-1951, aber erst 40 Jahre später veröffentlicht, vermutlich weil die erzählte Liebesgeschichte inmitten der Trümmerlandschaft einer deutschen Großstadt spielt, geprägt von Hunger, Trostlosigkeit, Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und der Suche nach der eigenen Identität, die nicht damit endet, endlich gültige Papiere in der Hand zu haben. Sie beginnt am 8. Mai 1945, dem Tag der Kapitulation, mit der Rückkehr des Ich-Erzählers, der direkt am Tag nach seiner Gesellenprüfung eingezogen worden ist und den Krieg nur überlebt hat, weil ein anderer für ihn erschossen worden ist: "Ich sollte leben, ich wollte sogar leben - - und er wollte mir ...weiterlesen...


Dienstag, 21. Dezember 2010 | Kategorie: Alltägliches | Kommentare (0)

Markt und Straßen stehn verlassen, still erleuchtet jedes Haus sinnend geh ich durch die Gassen, alles sieht so festlich aus. An den Fenstern haben Frauen buntes Spielzeug fromm geschmückt, Tausend Kindlein stehn und schauen, sind so wundervoll beglückt. Und ich wandre aus den Mauern bis hinaus ins weite Feld, hehres Glänzen, heil'ges Schauern! Wie so weit und still die Welt! Sterne hoch die Kreise schlingen, aus des Schnees Einsamkeit steigt's wie wunderbares Singen - O du gnadenreiche Zeit! (Joseph von Eichendorff) An dieses Gedicht aus Kindertagen und an Caspar David Friedrich musste ich gestern denken, als ich mit meinem Hund der untergehenden Sonne entgegenging, eingehüllt in den Weichzeichner der Natur: Bodennebel genannt. Zu Hause angekommen waberte der Nebel dann höher ...weiterlesen...


Montag, 20. Dezember 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (0)

Der Prolog - kursiv gedruckt - ist eigentlich der Epilog, doch das weiß man zu Beginn des Romans "Am Ende eines Sommers" natürlich nicht. Er enthält alle Elemente des Romans: die (Haupt-) Personen, der Wunsch nach Freiheit, nach Verständnis, die ohrenbetäubenden Erinnerungen und die Lösung des Konflikts, von dem man noch keine Ahnung hat. Erzählt werden zwei ineinander verwobene, zeitlich unterschiedliche, aber aufeinanderzulaufende Erzählstränge, jeweils aus der Ich-Perspektive von Mary und Jake, von Mutter und Sohn. In den sechzigern des 20igsten Jahrhunderts wächst Mary mit Rachel, ihrer Schwester, in einem gut bürgerlichen Elternhaus auf, in dem es üblich ist,  dass nur die Männer zur Ehe taugen, die von den Eltern ...weiterlesen...


Sonntag, 19. Dezember 2010 | Kategorie: Rezensionen, Rezensionen (diverse) | Kommentare (1)

Wer hier regelmäßig vorbeikommt, kennt meine Vorliebe für die sonntägliche Sendung "Lebenszeichen" im WDR 3. In der heutige  Sendung "Nur mit sich selbst verabredet - über Freuden und Qualen des Alleinseins" geht es um die Einsamkeit als ein zur menschlichen Existenz gehörendes Phänomen: das Alleinsein, die Ein-samkeit und um möglichen Umgang mit ihr. Absolut hörens-wert und (als Manuskript) lesens-wert für die, die für die Wiederholung heute Abend im WDR 5 keine Zeit haben. Ein-samkeit ist durch  Zwei-samkeit meist nicht aufzu-lösen, auch wenn viele dies glauben. Einsamkeit ist Gefängnis, das nur von innen zu öffnen ist, auch wenn Zwei-samkeit bei der Heilung hilfreich sein ...weiterlesen...


Dienstag, 14. Dezember 2010 | Kategorie: Buch-Rezensionen, Rezensionen | Kommentare (6)

Schreiben ist eine Form von Therapie, an der man eine breite Öffentlichkeit teilnehmen lassen kann - sinnvoll sicher dann, wenn das Thema von allgemeinem Interesse ist und der sich Therapierende über ein gewisses Maß an literarischen Fertigkeiten verfügt. Beides trifft auf den Verfasser dieses Romans zu. Immerhin hat Wawerzinek für "Rabenliebe" den diesjährigen Klagenfurter Bachmannpreis bekommen. Es ist ein autobiographischer Roman, dessen Ich-Erzähler sein ganzes Leben mit der Frage zubringt: Warum hat meine Mutter mich weggegeben und ist ohne mich aus der DDR in den Westen gegangen? Konfrontiert wird der Leser mit den ständigen Traumatisierungen dieses Kindes bis in die Adoleszenz, das in Folge der Handlungen seiner ...weiterlesen...