Dirk Kurbjuweit, Kriegsbraut

“Kriegsbraut” ist ein Roman über Esther, eine junge Frau, die Soldatin wird und nach Afghanistan geht. Persönlicher Frust über die Unzulänglichkeiten und Ziellosigkeit ihres eigenen Lebens sind Motive, die sie diesen Schritt tun lassen. In Afghanistan erlebt sie dann die Routine ihres täglichen Arbeitstages innerhalb des Bundeswehrcamps schnell als langweilig und leer und nutzt die Chance, auf Patrouillenfahrten die Landschaften Afghanistans und Mehsud, einen Schulleiter, kennenzulernen, in dessen Schule sie und ihre Kameraden dafür sorgen sollen, dass die Schüler, vor allem die Mädchen zur Schule gehen dürfen. Nach anfäng-lich offener Ignoranz der Soldatin durch Mehsud, gelingt es den beiden über die Kenntnis der russischen Sprache, miteinander in Kontakt zu kommen und von ihren Leben zu erzählen. Die Initiative geht eindeutig von Esther aus. Nach einiger Zeit stellt sie sich sogar ein Leben mit ihm in Afghanistan vor. Nach einem Anschlag auf ihre Patrouillenfahrzeuge schleicht sie sich von ihrer Truppe weg, um Mehsud in seinem Haus zu besuchen. Er lässt sie aber nicht in sein Haus. Durch die geöffnete Tür sieht sie eine blaue Burka hängen. “Wir sind nicht das, was wir verpasst haben. Wir sind das, was wir miteinander erleben durften.” Das sind Mehsuds Sätze über ihre Beziehung. Esther dagegen: “Wir haben viel mehr verpasst als erlebt.”
Anfangs fand ich den Roman interessant, doch zunehmend unrealistischer – zumindest was die Beziehung zwischen Esther und Mehsud betrifft. Inwieweit die Einblicke in soldatische Leben, vor allem in das von Soldatinnen in einem Camp realistisch sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Die Personenzeichnung bleibt insge-samt klischeehaft und oberflächlich. Der Beurteilung des “Tagesspiegel” in Dirk Kurbjuweit “einen Erzähler allerersten Ranges” zu sehen, kann ich mich nicht an-schließen.

Dirk Kurbjuweit, Kriegsbraut, Roman, Berlin 2011, 333 S. ISBN 978-3-87134-661-3

Datum: 10. Mai 2011
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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