Tiziano Terzani, Das Ende ist mein Anfang

In einem mehrere Wochen dauernden Gespräch erzählt Tiziano seinem Sohn Folco von seinem Leben, das in einem Arbeiterviertel in Florenz begann. Er erzählt von den Werten, der Würde, dem Stolz seiner Eltern, deren Welt aber nie die seine gewesen ist. “Ja. Und von Anfang an begriffen alle, das ich von einer anderen Art war. Ich war einfach vollkommen anders.” Auf der Mittelschule und später auf dem Gymnasium begann er, seine Welt zu entdecken: die Welt der Literatur, der Gedanken, der Freiheit. Der Leser kann anhand des Berichtes und der Fragen Folcos Tizianos Lebensweg nachvollziehen, von dem er sagt: “Es gibt einen Weg durchs Leben, aber merkwürdigerweise erkennst du ihn erst, wenn das Leben um ist. Du blickst zurück und sagst: ‘Donnerwetter, da ist ja ein roter Faden.’ Vorher bemerkst du ihn nicht, aber er ist da. ”
Es ist ein spannendes Buch, das vielleicht die ein oder andere Antwort auf die Frage Folcos enthält: “Am Ende eines langen Lebens, in dem man so viel gesehen hat, was hat man da gelernt?”

Zu sein, wer man ist, und sich damit arrangieren, dass auch die anderen die sind, die sie sind, aus eingefahrenen Gleisen herauszutreten, Erfahrungen zu machen und zu suchen, nur was? “Wer schon weiß, was er sucht, wird nie finden, was er nicht sucht … und vielleicht ist es ausgerechnet das, was zählt, oder?” vor allem aber Entschlossenheit, Phantasie und Mut zu entwickeln, sein Leben zu leben.

Und so hat er auch als Journalist die vorgefertigten Pfade der Pressekonferenzen, Politikerstatemens als Informa-tionsquelle für seine Recherchen gemieden und sich statt dessen unters Volk gemischt.
Sein Rat an junge Menschen: “Ich finde, das Beste, was ein junger Mensch tun kann, ist sich eine Arbeit zu erfinden, die seinen Fähigkeiten und Bestrebungen entspricht und die ihm Freude macht, ohne diese ständige Resignation, ohne die es heute nicht mehr zu gehen scheint.”
Resigniert hat Tiziano nie. Selbst seine Krebskrankheit bezeichnet er als Geschenk, weil sie für ihn Anlass gewesen ist, inne zu halten und sich auf die Suche nach sich selbst zu begeben. Dabei hat er dann auch aufgehört, als Journalist zu arbeiten und begonnen, diverse Bücher zu schreiben über seine Tätigkeiten als Journalist, aber auch von seiner Reise nach innen in “Noch eine Runde auf dem Karussell“.
“Das Ende ist mein Anfang” ist mit Bruno Ganz in der Hauptrolle verfilmt worden. “Ich habe mein ganzes Leben lang getan, was ich wollte”. Und darin hat ihn seine Ehefrau Angela unterstützt, die ihm die Freiheit gegeben hat, die er für sich und seine Arbeit gebraucht hat.

Tiziano Terzani, Das Ende ist mein Anfang, Ein Vater, ein Sohn und die große Reise des Lebens. (hrsg. von Folco Terzani), Aus dem Italienischen von Christiane Rhein, München 13. Aufl. 2008, 412 S., ISBN 978-3-442-12987-4

Datum: 15. Juni 2011
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Ein Kommentar

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    […] Tiziani fragt in “Das Ende ist mein Anfang” seinen Vater danach, wie er seine Frau bzw. seine Mutter kennengelernt habe. Tiziano sah […]

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