Miek Pot, In der Stille hörst du dich selbst

Nein, in diesem Buch geht es nicht um Funkstille, um Schweigen, weil man sich möglicherweise nicht mehr zu sagen hat oder Konflikte nicht lösen kann, sondern um den ungewöhnlichen Entschluss einer jungen Frau nach bestandenem Examen in ein Schweigekloster zu gehen, sehr zur Überraschung ihrer Familie und ihrer Freunde.
Dieser Band vereint zwei Bücher, die Miek Pot geschrieben hat. Im ersten Teil erzählt sie von ihrem sehnlichen Wunsch, ins Kloster zu gehen und einen für sie passenden Orden zu finden sowie ihr (tägliches) Leben in einem Kartäuser Orden, einem sogenannten Schweigeorden, in dem es nur ganz bestimmte Zeiten gibt, in denen das Sprechen miteinander erlaubt ist. Einfachheit und Schön-heit sind wichtige Elemente,  von denen sich Miek Pot angezogen fühlt.
Im zweiten Teil geht es – mehr noch als im ersten – um das innere Erleben in der Stille als ein Weg zu sich selbst: „Indem wir still werden, nicht mehr kämpfen, uns der Intuition anvertrauen und eigene Interpretationen der Wirklichkeit loslassen, bekommen wir das Leben, das zu uns passt. Man bekommt, was man braucht. Außerdem ist man dann auch in der Lage, das als solches  zu erkennen.
Still werden bedeutet zulassen, dass tiefere Aspekte der eigenen Person das Leben steuern und die Angst ihre Herrschaft verliert.“
Dass dies kein einfacher Weg ist, sondern ein Weg, der alle bisherigen Wahrheiten, Sicherheiten und Überzeu-gungen in Frage stellt, wird beim Lesen deutlich. Der Weg der Stille erfordert viel Übung, Disziplin, Reflexionen und Selbstliebe. Miek Pot gibt für diejenigen, die Schweigen in ihr Leben integrieren wollen, Meditationsanleitungen und fasst ihre Erfahrungen mit und in der Stille in kleine, sehr poetische Texte:

Es gibt einen Raum
In mir,
Zu dem niemand
Gelangen kann
Unendlich, still,
Hell.
Hier lässt es sich
Gut  verweilen:
Zu Hause.

Die Stille ist nach wie vor ihr Zuhause, auch wenn sie nach 12 Jahren im Kloster zu der Erkenntnis gelangt: „Als Mystikerin musste ich zurück auf den Marktplatz. Der wahre mystische Weg verläuft nicht fern der Welt, sondern zu den Menschen hin.“ Viele Kapitalanfänge beginnen mit Zitaten, in denen sich Schriftsteller, Mystiker oder auch Wissenschaftler zur Stille äußern. Ein lesenswertes Buch für den, der innere Ruhe anzie-hend findet.

Miek Pot, In der Stille hörst du dich selbst, Meine 12 Jahre in einem Schweigekloster, a. d. Niederländischen v. Wal-traud Heitzer-Gores, Köln 2011, 236 S., ISBN 978-3-7857-2436-1

Datum: 26. Oktober 2011
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