Alex Capus, Léon und Louise

Léon und Louise lieben sich, ihr Leben lang. Begonnen hat ihre unkonventionelle Liebe während des ersten Weltkrieges. Auf dem Rückweg ihres ersten gemeinsamen Ausfluges ans Meer, geraten sie in einen Bombenhagel und glauben beide, der jeweils andere habe nicht überlebt. Der Bürgermeister des kleinen Ortes, in dem Léon und Louise wohnen, hätte diesem Irrglauben ein Ende machen können, tut es aber nicht. Beide verlassen das Dorf und gehen ihrer Wege, stets an den anderen denkend.

In Paris sieht Léon – mittlerweile verheiratet und Vater mehrerer Kinder – Louise während einer Fahrt mit der Metro, findet sie dann aber trotz intensivster Bemühungen nicht. Er hört erst wieder von ihr, als sie ihm zur Zeit der deutschen Besatzung von Paris einen langen Brief schreibt, bevor sie als Angestellte der französischen Nationalbank mit den Goldreserven Frankreichs ins Ausland geschickt wird. “Für Léon, der sich schon lange daran gewöhnt hatte, zwei Frauen zu haben – eine an seiner Seite und eine im Kopf – änderte sich damit nicht viel.”
Louise aber hat nie geheiratet:” … mit der Zeit ist mir dann klar geworden, dass ich mich mit mir allein doch weniger langweile als in Gesellschaft eines Herrn, der mir nicht rundum gefällt.”

Mit seiner Ehefrau Yvonne ist er stark damit beschäftigt, die Familie heil und möglichst gesund durch die Besatzungszeit zu bringen und gleichzeitig nach Möglichkeiten zu suchen, der Kontrolle und den Unmenschlichkeiten der Besatzer zu entgehen und sich für Gefährdete einzusetzen. Nach dem Krieg taucht Louise dann bei Léons Frau auf.

Es ist ein unterhaltsamer Roman über Léons Leben, das von den beiden Weltkriegen entscheidend beeinflusst worden ist, erzählt von Léons Enkel. Ob es auch ein Liebesroman ist? Die Frage scheint mir nicht wichtig, wohl aber die Frage danach, was (gelebte) Liebe sein und wieder nicht sein kann.

Alex Capus, Léon und Louise, 6.Aufl. München 2013, 315 S., ISBN 978-3-423-14128-4

Datum: 10. Juni 2013
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2 Kommentare

  1. Karl | Sonntag, 23. Juni 2013 21:29
    1

    Ja sowas, da finde ich eine Rezension meines Lieblingsroman. Eine spannend erzählte Geschichte, in der es gelingt, die Leidenschaften des eigenen Großvaters mit den historischen Geschehnissen seiner Zeit unmittelbar zu verknüpfen. Welch unterschiedliche Erfahrungen die beiden Hauptpersonen Léon und Louise in den Wirren der Kriegszeiten machen – und trotz aller neuen Lebensphasen bleibt ein unzerstörbares Band ihrer jungen LIebe bestehen, es reißt nicht, bis zur Trauerfeier des Erstversterbenden. Alex Capus schreibt großartig. Ich werde es wohl noch ein viertes mal lesen.

  2. mona lisa | Montag, 24. Juni 2013 6:40
    2

    Ja Karl, von wem hab’ ich denn den Tipp ;)?
    Danke!

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