Vergeben und vergessen? Vergiss es!

„Vergeben und vergessen? Vergiss es! Über Schuld und Entschuldigung.“ So der Titel der heutigen Sendung „Lebenszeichen“ im WDR 3, die gut nachvollziehbar darstellt, was Verzeihen und Vergeben bedeutet und welche Arbeit an einem selbst es voraussetzt.

Vergeben als manchmal jahrelanger „dorniger Weg“, als ein Ringen „um eine neue Balance in einer alten Beziehung“, der verschiedene Stationen aufweist, ähnlich wie der der Trauerarbeit:

– die eigene Verwundung eingestehen
– das Grübeln über das, was geschehen ist
– das Bewusstmachen und Ausdrücken der Gefühle von Wut, Rache, sogar von Hass
– Zweifel hinsichtlich des eigenen Anteils am Geschehen
– ein Perspektivwechsel, die Frage nach Gründen des anderen für sein Verhalten

Erst dann kann wirkliches Vergeben möglich werden, manchmal auch erst nach dem Tod eines der beiden Konfliktpartner.

Vergeben als innerer Kampf, der für beide heilsam sein kann, wenn sie sich diesem Kampf stellen. Ein Akt, der nur auf Augenhöhe gelingen kann, auf jeden Fall kein Muss, keine Verpflichtung sein kann, um die Verletzten nicht noch einmal zum Opfer zu machen.

Die Sendung endet mit einem Zitat des Theologen Fulbert Steffensky:

“Jeder Mensch hat das Recht, ein anderer zu werden – Menschen machen Fehler, und wenn wir trotzdem mit ihnen unser Leben teilen wollen, müssen wir uns und ihnen die Gnade des Neuanfangs gewähren, indem wir verzeihen.“

Wie immer wird die Sendung heute Abend wiederholt, sie ist als Podcast zu hören und als Manuskript nachzulesen.

Datum: 25. August 2013
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2 Gedanken zu „Vergeben und vergessen? Vergiss es!

  1. Sonja

    Danke für diesen Artikel, habe mir die Sendung angehört.
    Fulbert Steffensky ist der Witwer von Dorothee Sölle- und er hat nach ihrem Tod noch mal ein völlig neues Leben begonnen, sie hatte es ihm sogar angeraten, diese gemeinsame Freundin zu heiraten.
    Ja, manchmal ist das Vergeben erst nach dem Tod eines der Konfliktpartner möglich- besser scheint es mir auf jeden Fall vorher…ich finde, es gibt nichts Unverzeihliches, weil alles menschlich ist, wenn auch noch so böse oder übel…oder?

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  2. Jan S. Kern

    Ganz und gar einverstanden bin ich, in der Theorie zumindest…leider hapert’s in der Praxis immer mal wieder…oder liegt das eben daran, dass Verzeihen eben eventuell seeehr lange dauern kann…
    Liebe Grüsse,
    Jan

    Antworten

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