Simone Frieling, Ich schreibe, also bin ich

„Cogito ergo sum“ – dieser Grundsatz von René Descartes ist vielen vielleicht geläufig. „Ich schreibe, also bin ich“ geht da sicher noch einen Schritt weiter, denn Schreiben setzt m. E. Denken voraus.
In ihrem biografischen Essayband stellt Simone Frieling zehn Schriftstellerinnen unterschiedlichster Couleur vor: Sie beginnt mit Virginia Woolf. Es folgen Katherine Mansfield, Gertrude Stein, Marina Zwetjajewa, Rosa Luxemburg, Natalia Ginzburg, Sylvia Plath, Hannah Arendt, Else Lasker-Schüler und Elisabeth Langgässer.

So unterschiedlich die Frauen sind, leben und schreiben, so unterschiedlich auch ihre Publikationsbedingungen und der damit verbundene mögliche Erfolg, die ersehnte Anerkennung auch sind, so haben sie doch eines gemeinsam: „Zu schreiben hieß für sie zu existieren.“
Und daher schreiben sie, nicht immer in einem eigenen Arbeits- oder Schreibzimmer, da muss nachts auch mal das Sofa oder der Küchentisch herhalten, „wenn die Tischplatte frei war für die Gedanken, Ellenbogen und Papierstöße.“

Da wundert es wenig, wenn Marina Zwetajewa ihrem Schreibtisch ein sehr langes Gedicht gewidmet hat:

„Mein Schreibe-, mein Last-Maultier.
Dass du nicht zusammenbrachest mir,
Den mit Traum und Traum ich belud.
Hab Dank du der trug und trug.“

In einem Vorwort geht die Autorin zunächst allgemein auf die besonderen Arbeits- und Schreibbedingungen von Autorinnen ein, die sich in ihrem Alltag oft erst einmal den (inneren und äußeren) Raum schaffen mussten, um überhaupt schreiben zu können.
In den dann folgenden Kapiteln widmet sie sich dann den einzelnen Schriftstellerinnen, ihren Schreiborten, -geräten, Lebensumständen, den Zielen, die diese Frauen mit ihren Arbeiten verfolgten, und den besonderen Widrigkeiten, denen sie ausgesetzt waren . Eingeleitet wird jedes Kapitel mit einer von Simone Frieling gestalteten schwarz-weiß gehaltenen Grafik der jeweiligen Autorin. Meist zeigen sie ein Profil, das die markanten Gesichtszüge gut herausarbeitet.

Entstanden sind spannende, zum Teil recht intime Portraits, gut zu lesen. Ein Lesebändchen wäre das I-Tüpfelchen gewesen, denn zumindest ich habe das Buch nicht in einem Rutsch gelesen, sondern kapitelweise – mit zeitlichen Abständen.

Simone Frieling, Ich schreibe, also bin ich, ebersbach & simon Verlag, Berlin 2019, 144 S., ISBN 978-3-86915-185-4

Datum: 16. Dezember 2019
Themengebiet: Buch-Rezensionen, Rezensionen Trackback: Trackback-URL
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2 Gedanken zu „Simone Frieling, Ich schreibe, also bin ich

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