Glanzbilder

Glanzbilder

Gestern habe ich beim Einkaufen eine Zeitschrift gesehen, die als Beigabe dieses kleine Heftchen mit Glanzbildern anbot.

Welche Erinnerungen waren auf einmal da: an Treppenstufen, auf denen ich mit anderen Mädchen gesessen habe – ich meist mit aufgeschlagenen Knien – mit Glanzbildern in einer Zigarrenholzschachtel. Die Wertigkeit der Glanzbilder war unter anderem davon bestimmt, ob sie mit oder ohne „Glimmer“ im Tauschhandel angeboten wurden.

Doch auch der Duft dieser Zigarrenschachteln war ganz präsent und damit die vielen Erinnerungen an meinen „Oppa“. Ich hatte einen Großvater und meinen Oppa. Der rauchte – meist nur sonntags Zigarren – stets eine bestimmte Sorte, die ich ab und zu mit ihm am Bahnhofskiosk kaufen ging. Wenn nach Monaten dieses Kästchen leer war, dann bekam ich es für meine Schätze: Glanzbilder, Murmeln …

Dieser Opa war für mich wichtig. Dort durfte ich einfach sein. Er hat mir gezeigt, wie man hobelt, schnitzt. Wir haben sogar gemeinsam ein Puppenhaus gebaut, in das nie Puppen eingezogen sind. Das brauchte ich nicht. Das Zusammen-Sein mit meinem Opa war mir genug.

Er hat mir Rollschuhlaufen beigebracht, mir viel vorgelesen, mich sein lassen. „Latt dat Mädchen ment.“ hat er zu meiner Oma gesagt, wenn sie meinte, ich müsse ihn in Ruhe lassen.

Gemeinsame Ritual waren die sonntäglichen Spaziergänge, die immer an einer Bude vorbeiführten, wo ich meinen Sonntagsgroschen in Klümpkes eintauschen konnte – 1/2 Pfennig kosteten die diversen Köstlichkeiten, die man sich nach eigener Auswahl in eine Tüte packen lassen konnte. Die musste dann die ganze Woche halten.

Darüberhinaus gab’s noch eine teurere Auswahl von: Mäusespeck, Nappoblocks, Lakritzschnecken, die zweigeteilt wurden, damit man länger was davon hatte. Salmiakpastillen pappten wir als Stern auf den Handrücken, um sie nach und nach abzulecken – auch das, damit man länger was von diesem Genuss hatte.

Dankbar, welch unverhofften Glanz diese Glanzbilder in meinen Tag zauberten.

4 Gedanken zu „Glanzbilder

  1. Oh, ist das schön! Wie viele wunderbare Erinmnerungen du an diese Glanzbilderzeit abrufen kannst.
    Ja, das sind wahre Schätze, die wir auf unserer „Festplatte“ gespeichert haben.
    Und manchmal sind sie unvermittelt da in vollem Glanz.

    Lieben Gruss in den verhangenen Nachmittag,
    Brigitte

    1. Manchmal denke ich dann: Jetzt werde/ bin ich alt.
      Doch diese Erinnerungen wärmen Herz und Seele.
      Einen alten riesengroßen Holzhobel halte ich ihn Ehren, ebenso von ihm hergestellte Bilderrahmen und eine Holzkiste mit Scharnieren.
      Die haben eine ähnliche Wirkung, wenn ich sie bewusst wahrnehme.
      Herzliche Grüße

  2. aaaach – watt schööön. diese erinnerungen sind selbst glanzbildchen, so schön zu lesen, wie du dich dran freust und wie warm die beziehung zwischen oppa und mädchen war. mein oppa war ein oller bollerkopp – aber die omi war doll:-))).
    lieber gruß
    Sylvia

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