Tessa Randau, Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich

“Wer seinem inneren Kompass folgt, kommt auch mit geschlossenen Augen ans Ziel.”

Dieser Satz ist dem kleinen Büchlein vorangestellt, in dem es um eine folgenschwere Begegnung der Ich-Erzählerin, einer gestressten berufstätigen Mutter, ohne inneren Kompass, mit einer freundlichen alten Frau mit weißem Haar geht, die nur zustande kommt, weil ein Treffen mit einer langjährigen Freundin ausgefallen ist. So hat die Ich-Erzählerin auf einmal Zeit und erinnert sich an die nahegelegene Lichtung im Wald, auf der sie sich als Kind und Jugendliche oft aufgehalten hat.

“Eine halbe Stunde später erreichte ich die alte Bank. Meine Glieder fühlten sich schwer an, so, als würde ich schon den ganzen Tag eine große Last mit mir herumschleppen. ”

Die alte Frau, die auf einmal auf der Lichtung erscheint und sich ebenfalls auf die Bank setzt, verwickelt die Ich-Erzählerin in ein Gespräch, obwohl diese dazu überhaupt keine Lust verspürt. “Ich war nicht hierhergekommen, um nach Gesellschaft zu suchen. Im Gegenteil. Doch vielleicht würde die alte Dame wieder gehen, wenn sie begriff, dass ich nicht an einem Schwätzchen interessiert war. Demonstrativ schloss ich erneut die Augen …
‘Sie sind auf der Suche’, sagte sie wieder in die Stille hinein.

Nach einigen Widerständen lässt sie sich – von sich selbst überrascht – auf ein Gespräch mit der alten Dame ein, die von ihrem Leben erzählt, das sie früher gelebt hat. Der Ich-Erzählerin scheint es, als berichte die alte Frau gleichzeitig von ihrem eigenen, so anstrengenden Leben, von dem sie allerdings hier nichts preisgeben möchte.

Daher stellt sie der alten Dame die Frage: “Was hat sich verändert?”
“Mir sind die Fragen des Lebens begegnet. … Auf den ersten Blick … sind es eigentlich nur vier simple Fragen. … Aber sie haben die Kraft, ein ganzes Leben zu verändern.”

Und um diese vier Fragen geht es in der märchenhaft anmutenden Erzählung von Tessa Randau. Bei jedem zeitlich auseinander liegenden, nicht geplanten Treffen mit der alten Frau auf der Lichtung, erhält die Ich-Erzählerin eine weitere Frage. Dazwischen erlebt sie die Auswirkungen der Fragen in ihrem eigenen Leben. Denn sie ist von den Fragen derart beeindruckt, dass sie sie in ihrem Leben umzusetzen versucht. Die letzte muss sie selbst herausfinden.

“Die Begegnung, die alles veränderte” liegt im dtv-Verlag als Buch vor, mit feinen, passenden goldnen Illustrationen von Ruth Botzenhardt, und bei Random-House-Audio als ca. zweistündiges Hörspiel, gefühlvoll gelesen von Solveig Duda. So kann jede(r) der eigenen Vorliebe nachgehen und zum Buch oder zur CD greifen. Auf jeden Fall: empfehlenswert! Für alle, die den inneren Kompass verloren haben oder ihn neu ausrichten möchten.

Tessa Randau, Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich. Von einer Begegnung, die alles veränderte, dtv-Verlag, München 2020, 123 S., ISBN 978-3-423-34976-5
dies., Random House Audio, 2020, Gesamtspielzeit ca. 2Std. 18 Min., ISBN 9-78-3-837-15096-4


Datum: 7. Oktober 2020
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6 Kommentare

  1. Sonja | Mittwoch, 7. Oktober 2020 10:13
    1

    Ohne meinen inneren Kompass verloren zu haben, will mich deine gute Besprechung zum Lesen verleiten, also…
    Gruß von Sonja

  2. mona lisa | Mittwoch, 7. Oktober 2020 10:26
    2

    Vielleicht kannst du anschließend eine Feinjustierung vornehmen oder dich zufrieden zurücklehnen, weil alles so ist, wie es sein soll.
    Herzliche Grüße

  3. sylvia | Mittwoch, 7. Oktober 2020 11:31
    3

    es klingt interessant. ich schreibe es deshalb auf meine bücherliste. vielen dank!
    lieber gruß
    sylvia

  4. mona lisa | Mittwoch, 7. Oktober 2020 11:56
    4

    Es kommt märchenhaft naiv daher, doch wenn man die Fragen ernst nimmt und umsetzt – dann kann es das eigene Leben ggf. umkrempeln, je nachdem, für welche Fragen des Lebens man bereits eine Antwort gefunden hat.
    liebe Grüße

  5. seelenruhig | Donnerstag, 8. Oktober 2020 7:05
    5

    Oh… das spricht mich sehr an! Danke für den Tipp!!
    zu deinem Kommentar: Kaminrock…. was für eien herrliches Wort — meine Mutter besaß auch eienen — einen aus Steppstoff.. in den siebziger Jahren. Das war sehr schick!

  6. mona lisa | Donnerstag, 8. Oktober 2020 8:40
    6

    Gern! Ist schneller gelesen als ggf.umgesetzt ;)
    Herzliche Grüße

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