Harald Krassnitzer, Rauhnächte

Harald Krassnitzer, Rauhnächte

Bald kommen sie wieder, die Rauhnächte, die auch „Innernächte, Glöckelnächte, Unternächte, Losnächte oder schlicht nur die Zwölfen“ heißen. Es sind die Nächte zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar, für die es unzählige Regeln, Gebote und Verbote gibt.

Ich wohne in einer Gegend, in der die Rauhnächte kaum von Bedeutung sind. Mir sind also auch die Erzählungen rund um diese Nächte fremd, in dem Sinne, dass ich sie einfach nicht kenne, sie mir aber auch in ihrer Besonderheit, ihren Themen sehr fremd sind. Doch auch ich habe in Erinnerung, dass man in der Zeit keine Wäsche waschen soll, da es Unglück bringe.

Harald Krassnitzer, ein österreichischer Schauspieler, der vielen sicher als Tatortkommissar bekannt ist, hat in diesem Band „Geschichten zur Bewältigung von Ängsten und Erfüllung von Hoffnungen und Träumen “ gesammelt, die ihn in seiner Kindheit fasziniert haben. Es geht zum Teil sehr märchenhaft und auch sehr gruselig zu: Tiere können in diesen Nächten reden, oft prophezeien sie den Tod von Menschen des Hofes, des Dorfes, Menschen können Kontakt zu bereits Verstorbenen aufnehmen, Geister sind unterwegs, Gute werden belohnt, Böse entgehen ihrer gerechten Strafe nicht.
Die ein oder andere Geschichte ähnelt dann auch Märchen z.B. der der Gebrüder Grimm. So begegnet man in einigen Frau Holle oder Sagenfiguren aus der isländischen Tradition.

Krassnitzer hat „Wunderbares für eine besondere Zeit“ – so der Untertitel – zusammengetragen. In seinem Vorwort geht er auf die Tradition der Rauhnächte ein und verweist explizit darauf hin, dass ihn die esoterischen Aspekte der Rauhnächte nicht interessieren. Seine Sammlung ist demnach auch keine Anleitung für Rituale, die mancherorts mit diesen Tagen verbunden sind, sondern eine reine Geschichtensammlung.

Krassnitzer hat das Anliegen, mit Geschichten „auf das lang ersehnte Licht am Ende des Tunnels zuzugehen, das alte Jahr zu verarbeiten und das neue mit Hoffnung vorzubereiten. Wir tun dies mit den simpelsten Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, mit einfachen Geschichten von den Ängsten, Sorgen, der Liebe, der Wut, dem ganzen Spektrum des menschlichen Daseins.“

Harald Krassnitzer, Rauhnächte, Wunderbares für eine besondere Zeit, erweiterte Neuausgabe, hrsg. u. mit einem Vorwort von Harald Krassnitzer, Residenzverlag, Salzburg-Wien 2020, 171 S., ISBN 978-3-7017 1739 2

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