Ilija Trojanow, Gedankenspiele über die Neugier

Wer kennt aus der Kindheit nicht den Vorwurf:
„Sei doch nicht immer so neugierig!“
Krönung war:
„Du darfst alles essen, aber nicht alles wissen.“
Und was stachelt ein solches Verbot an? – Die Neugier!!

Doch wohin käme man/ frau ohne Neugier? Ist es die bloße „Gier“ aufs Neue, Andere, Unbekannte, die einen in die Welt hinausgehen und sie erforschen lässt? Oder ist Neu-Gier in manchen Fällen tatsächlich übergriffig, grenzüberschreitend? Und wenn ja – wer legt es fest?

Mit Ilija Trojanow kann man/frau gedankenspielerisch einen Streifzug durch die weitgehend philosophisch, theologisch und damit männlich geprägte Welt der Neugier machen, lernt Verfechter dieser Neugier kennen, aber auch solche, die „Barrieren gegenüber dem Wissen errichtet haben“, so dass es zu Herrschaftswissen und Berufsgeheimnissen kommen konnte.

Seine Hinweise auf einen geschlechtsspezifischen Umgang mit weiblicher Neugier sind sehr kurz gehalten:

„Jahrhundertelang wurden Mädchen dazu erzogen (geradezu abgerichtet), der Neugier zu entsagen. Weil es unschicklich schien. Und so ein Verbot genutzt werden konnte, Frauen davon abzuhalten, Dinge zu wissen, die nur Männer wissen sollten. Jene, die sich selbstherrlich Wissen aneigneten, wurden als Hexen verbrannt.“
Doch: Welche Schicksale verbergen sich hinter diesen wenigen Zeilen! Wäre sicher Thema für ein anderes Buch ;)

War Neugier früher häufig verpönt, so kommt es heute zu einem fast inflationären Umgang mit der Neugier etwa auf menschliche Daten im Internet. Trojanow warnt vor einer „Überdosis Neugier“, um sich dann der Frage zu stellen, was aus (kindlicher) Neugier im Alter wird.

Für ihn ist Neugier (s)ein Lebenselixier. Und das ist sein Fazit:
„Wieder und erneut. Selbst wenn die Neugier im Rollstuhl vorankommt, Hauptsache sie bleibt nicht stehen.“

Dieses Büchlein ist demnach eine Hommage an die „Neugier“, der man/ frau spätestens nach der Lektüre mit Lust und Freude nachgehen kann.

Ilija Trojanow, Gedankenspiele über die Neugier, Literaturverlag Droschl, Graz-Wien 2020, 55 S., ISBN 978-3-99059-061-4

Datum: 15. Januar 2021
Themengebiet: Allgemein Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: