Ein Schatten am Tage

Ein Schatten am Tage

Du bist ein Schatten am TageUnd in der Nacht ein Licht;Du lebst in meiner KlageUnd stirbst im Herzen nicht. Wo ich mein Zelt aufschlage,Da wohnst du bei mir dicht;Du bist mein Schatten am TageUnd in der Nacht mein Licht. Wo ich auch nach dir frage,Find‘ ich von dir Bericht,Du lebst in meiner KlageUnd stirbst im Herzen nicht. Du bist ein Schatten am TageUnd in der Nacht ein Licht;Du lebst in meiner KlageUnd stirbst im Herzen nicht. (Friedrich Rückert)

Ich bin der Welt abhanden gekommen

Ich bin der Welt abhanden gekommen

Ich bin der Welt abhanden gekommen,Mit der ich sonst viele Zeit verdorben,Sie hat so lange nichts von mir vernommen,Sie mag wohl glauben, ich sei gestorben! Es ist mir auch gar nichts daran gelegen,Ob sie mich für gestorben hält,Ich kann auch gar nichts sagen dagegen,Denn wirklich bin ich gestorben der Welt. Ich bin gestorben dem Weltgetümmel,Und ruh‘ in einem stillen Gebiet!Ich leb‘ allein in meinem Himmel,In meinem Lieben, in meinem Lied! (Friedrich Rückert, vertont von Gustav Mahler)

Mondlicht

Mondlicht

Wie liegt im MondenlichteBegraben nun die Welt;Wie selig ist der Friede,Der sie umfangen hält! Die Winde müssen schweigen,So sanft ist dieser Schein;Sie säuseln nur und webenUnd schlafen endlich ein. Und was in TagesglutenZur Blüte nicht erwacht,Es öffnet seine KelcheUnd duftet in die Nacht. Wie bin ich solchen FriedensSeit lange nicht gewohnt!Sei du in meinem LebenDer liebevolle Mond! (Theodor Storm)

Hoffnung

Hoffnung

Es reden und träumen die Menschen vielVon bessern künftigen Tagen,Nach einem glücklichen goldenen ZielSieht man sie rennen und jagen;Die Welt wird alt und wird wieder jung,Doch der Mensch hofft immer Verbesserung. Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,Sie umflattert den fröhlichen Knaben,Den Jüngling locket ihr Zauberschein,Sie wird mit dem Greis nicht begraben.Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,Noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf. Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,Erzeugt im Gehirne des Toren,Im Herzen kündigt es…

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Feder-leicht

Feder-leicht

Traumfänger –federleichte SchönheitflugfähigschwebendVerbindung zwischen Himmel und Erde Leichtigkeit des Seinsund Todesbote zugleichdie Daune die da liegt und nicht mehr fliegt Nur noch sanfte Erinnerung an das, was war – FlugfähigkeitLeichtigkeitEroberung des Himmels Freiheit zu fliegen – wohin auch immer (© mona lisa)

Dunkle schwarze Träume

Dunkle schwarze Träume

Schon wenn’s auf den Vollmond zugeht, schlafe ich schlecht bzw. unruhig.An die meisten Träume kann ich mich dann morgens nicht mehr erinnern. Heute war dies anders. Ich stand in einer dunklen Ecke, „bewaffnet“ mit Handfeger und Dreckschaufel und nahm staunend die vielen Schwarznuancen wahr. Ja es waren Schwarznuanchen, keine Grautöne – kommt mir seltsam vor, war aber so. Dann schoss es mir durch den Kopf: Jeden Tag eine kleine Ecke „sauber“ machen, Dreck wegkehren, wie Beppo der Straßenkehrer in Michael…

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Annet Mooij, Das Jahrhundert der Gisèle

Annet Mooij, Das Jahrhundert der Gisèle

Gisèle van Waterschoot van der Gracht (1912-2013) wird als „Jahrhundertgestalt“ bezeichnet, was ja schon aufgrund ihres langen Lebens eine korrekte Bezeichnung ist. Annet Mooij “ beleuchtet mit feinem Gespür für Details“ das Leben dieser Malerin, so liest man auf dem Cover dieser Biografie, wobei ich ihr Gespür eher als „Detailverliebtheit“ bezeichnen würde, die es mir persönlich schwer macht, Zugang zu Gisèle als Person zu bekommen. Das erste Kapitel „Wurzeln“ liest sich wie ein ausführlicher Stammbaum ihrer Familie, der bis ins…

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Und noch eine Runde

Und noch eine Runde

Und noch eine Runde DistanzverhaltenAlleinsein und EinsamkeitStilleDisziplinMotivationsanstrengungen Aber vielleicht auch Möglichkeit der Besinnung aufs Wesentlicheder Dankbarkeitder Entwicklung neuer Perspektivendes LoslassensGelassenheit zu üben Undsolidarisch sein mit mit denen, die es weitaus schwerer haben in dieser Zeit Ich bin nicht der Nabel der Weltauch wenn sich das manchmal so anfühlt. (© mona lisa)

Thea Dorn, TROST, Briefe an Max

Thea Dorn, TROST, Briefe an Max

Wut und Verzweiflung über den Corona-Tod ihrer vierundachzigjährigen lebensfrohen Mutter sind die zu Beginn vorherrschenden Gefühle Johannas, einer Fensehjournalistin, die sie sich von der Seele schreibt. Dabei weiß sie selbst nicht so genau, auf wen oder was sie konkret wütend sein soll: Auf die Mutter, „weil sie sich in ihrem verdammten Leichtsinn für unsterblich hielt“, zu Beginn der Coronapandemie noch eine Italienreise unternimmt und sich diebisch über die Leere in den Museen freut. Oder ob sie über die „blinden Politiker“…

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