Hanna Johanson, Der Herbst, in dem ich Klavier spielen lernte

Die Ausgabe ist optisch sehr ansprechend. Das klare Rot des Balkens auf dem glatten Buchdeckel wiederholt sich auf den Innenseiten und in dem roten Lesebändchen. Schon das ein guter Anfang!

Am 22. September beginnt die Ich-Erzählerin mit ihren tagebuchartigen Aufzeichnungen, in denen es zunächst um ihren Entschluss geht: „Ich lerne Klavier spielen.“ Sie enden am 20.12.

Dazwischen entwickelt sich eine autobiografisch gefärbte Handlung, in der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft ineinander übergehen, in ihren Bedingheiten gesehen und reflektiert werden.

So geht es vordergründig zunächst ums Lernen des Klavierspielens. Doch dabei bleiben die Gedanken und Überlegungen der Lernenden nicht stehen. Es fließen Erinnerungen ans Lernen in der Kindheit und Jugend während des zweiten Weltkrieges ein, an die Menschen, an die das Lernen, ihr Leben gekoppelt war, an ihre sehr selbstständige Mutter, an den später aus dem Krieg heimkehrenden Vater, an die Verwandten.

Aber auch an das Alter der Lernenden – sie ist über siebzig Jahre alt – ihre Wohnsituation allein in einem Haus, ihre Tätigleit als Schriftstellerin werden thematisiert. Sie erwischt sich immer öfter dabei, dass sich ein „Noch“ in „die Sätze einzunisten versucht. Es ist ein wahres Wort, und darum weiß ich es zu schätzen. Aber ich möchte es nicht überhand nehmen lassen.“

Auch ganz alltägliche Begebenheiten, Beobachtungen werden auf sehr besondere, stille Art und Weise beschrieben wie die Wintersonne und ihr Eindrungen in die hintersten Winkel der Wohung, der Lieblingsbaum im Garten – eine Quitte – das Gärtnern überhaupt. Und immer wieder ist es das Lernen selbst bzw. unterschiedliche Arten zu lernen das im Vordergrund steht, seine Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele.

„Jetzt möchte ich zum ersten Mal genauer wissen, was mir beim Lernen zustößt, während es früher offenbar mehr um das ging, was dabei herauskommt. Und damit es nicht gleich wieder in der Masse des Vergessens versickert, habe ich mir vorgenommen, aufzupassen und es aufzuschreiben, so gut ich kann.“

Und das kann sie gut. Ergebnis ist das vorliegende Buch der in Bremen geborenen Autorin. Sehr empfehlenswert, wenn man Bücher mag, in denen es leise und nachaltig zugeht, in denen dem Denken, Erinnern Zeit gelassen wird, sich zu entfalten und gleichzeitig zum Gegenstand von Relexionen zu werden.

Hanna Johansen, Der Herbst, in dem ich Klavier spielen lernte, Dörlemann Verlag Zürich 2014, 320 S., ISBN 978-3-03820-011-6

Datum: 18. Dezember 2014
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2 Kommentare

  1. Sonja | Samstag, 20. Dezember 2014 11:19
    1

    Nach dem Lesen dieser Besprechung inspiriert!
    Mein Klavier dient momentan als Buchablage. Das wird sich bald ändern. Lernen geht immer! Wenn die Wintersonne demnächst mein Klavier erreicht, werde ich dran denken. Danke!

  2. mona lisa | Freitag, 26. Dezember 2014 11:37
    2

    Inspiriert wozu? Zum Lesen oder Klavierspielen?
    Lb (Weihnachts-) Grüße!

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