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Kategorie: Gedichte

Zum Gedenken

Zum Gedenken

ICH habe Tote, und ich ließ sie hinund war erstaunt, sie so getrost zu sehn,so rasch zu Haus im Totsein, so gerecht,so anders als ihr Ruf. Nur du, du kehrstzurück; du streifst mich, du gehst um, du willstan etwas stoßen, daß es klingt von dirund dich verrät. O nimm mir nicht, was ichlangsam erlern. Ich habe recht; du irrst,wenn du gerührt zu irgendeinem Dingein Heimweh hast. Wir wandeln dieses um;es ist nicht hier, wir spiegeln es hereinaus unserm Sein, sobald…

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Blütenmeer

Blütenmeer

Geht ein Windhauch durch den weißen Flieder,Hundert Blütensterne regnen nieder.Einer schwebt und fällt auf meine Hand . . .Bist du eines nahen Glückes Pfand?Oder bringst du eine leise Mahnung,Dass des viel zu trüben Todes AhnungDiese Stunde mich wie dich gestreift? –  –  – (Ernst Goll)

Nix: Vogel im Busch

Nix: Vogel im Busch

Heute in einem hiesigen Baumarkt auf der Suche nach Haushaltskerzen. Ich lese das folgende Schild und denke: Ein verspäteter Aprilscherz. Von Wegen. ein Mitarbeiter bestätigte, dass hinter dem Schild, an der hinteren Stelle, an der keine Kerzen mehr stehen, ein Rotkehlchenpaar brütet, sorgsam beschützt von den Mitarbeitern, die auch für das Anbringen des Schildes gesorgt haben. Vogel im Busch Kleiner Vogel in den Zweigen,Bleib hübsch sitzen, singe weiter,Keine Pfeile führ‘ ich bei mir,Singe fort, das ist gescheiter. Bange nicht, ich…

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Glas, Glas

Glas, Glas

„Glas, GlasWas ist das?Es ist und ist nicht,Es ist Licht und kein Licht,Es ist Luft und nicht Luft,Es ist duftloser Duft.Und doch ist es hart,Ungesehen harte GegenwartDem gefangenen Vogel, der es nicht siehtUnd den es in die Weite zieht.Ein Lied möchte ich dichten von Glas,Einen Hymnus ersinnenIm Geiste tief innen vom trockenen Nass. Glas, GlasWas ist das?Es glänzt wie Wasser und ist nicht nass.Gieß Wasser in ein gläsernes GlasKlar und rein:Es wird Glas im Glase sein.Und ist es Wein,Dann ist…

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Tag des Buches

Tag des Buches

Bücher – Nein, ich bitte Sie inständig:Nicht mehr fragen! Laß dich doch belehren!Bücher, auch wenn sie nicht eigenhändigHandsigniert sind, soll man hoch verehren.Bücher werden, wenn man will, lebendig.Über Bücher kann man ganz befehlen.Und wer Bücher kauft, der kauft sich Seelen,Und die Seelen können sich nicht wehren. (Joachim Ringelnatz, letzte Strophe seines Gedichts, Der Bücherfreund)

Blues

Blues

Wenn du nicht froh kannst denken,Obwohl nichts Hartes dich bedrückt,Sollst du ein Blümchen verschenken,Aufs Geratewohl von dir gepflückt. Irgendein staubiger, gelber, –Sei’s Hahnenfuss – vom Wegesrand.Und schenke das Blümchen dir selberAus linker Hand an die rechte Hand. Und mache dir eine VerbeugungIm Spiegel und sage: „Du,Ich bin der Überzeugung,Dir setzt man einzig schrecklich zu. Wie wär’s, wenn du jetzt mal sachlichFleissig einfach arbeiten tätst?Später prahle nicht und jetzt lach nicht,Dass du nicht in Übermut gerätst.“ (Joachim Ringelnatz)

Ostern

Ostern

Wenn die Schokolade keimt,Wenn nach langem Druck bei Dichterlingen„Glockenklingen“ sich auf „Lenzesschwingen“Endlich reimtUnd der Osterhase hinten auch schon presst,Dann kommt bald das Osterfest. Und wenn wirklich dann mit GlockenklingenOstern naht auf Lenzesschwingen, —Dann mit jenen DichterlingenUnd mit deren jugendlichen BräutenDraussen schwelgen mit berauschten Händen —Ach, das denk ich mir entsetzlich,Ausserdem – unter Umständen –Ungesetzlich. Aber morgens auf dem FrühstückstischeFünf, sechs, sieben flaumweich gelbe, frischeEier. Und dann ganz hineingekniet!Ha! Da spürt man, wie die FrühlingswärmeDurch geheime Gänge und GedärmeIn die Zukunft…

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Stell dir vor …

Stell dir vor …

Stell dir vor,es gibt Krieg, und keiner geht hin. Eine wunderschöne Vorstellungeine Utopie –leider nicht Realität. Stell dir vor,es gibt Krieg, und du bist völlig auf dich allein gestellt. Ein Horrorszenariodas man/frauwahrscheinlich nicht überlebt. (© mona lisa)

Veränderungen erwünscht

Veränderungen erwünscht

 Feindlich ist des Mannes Streben, Mit zermalmender Gewalt Geht der wilde durch das Leben, Ohne Rast und Aufenthalt. Was er schuf, zerstört er wieder, Nimmer ruht der Wünsche Streit, Nimmer, wie das Haupt der Hyder Ewig fällt und sich erneut. (Friedrich Schiller, 4. Strophe seines Gedichtes, Würde der Frauen)