Nebel am Wattenmeer
Nebel, stiller Nebel über Meer und Land.Totenstill die Watten, totenstill der Strand.Trauer, leise Trauer deckt die Erde zu.Seele, liebe Seele, schweig und träum auch du. (Christian Morgenstern)
Nebel, stiller Nebel über Meer und Land.Totenstill die Watten, totenstill der Strand.Trauer, leise Trauer deckt die Erde zu.Seele, liebe Seele, schweig und träum auch du. (Christian Morgenstern)
Kalter Herbst vermag den Tag zu knebeln,seine tausend Jubelstimmen schweigen;hoch vom Domturm wimmern gar so eigenSterbeglocken in Novembernebeln. Auf den nassen Dächern liegt verschlafenweißes Dunstlicht; und mit kalten Händengreift der Sturm in des Kamines Wändeneines Totenkarmens Schlußoktaven. (Rainer Maria Rilke)
Das erste Herbstblatt leuchtet wie Blut,Als ob verwundet im Strauch einer ruht.Sein Blut von Blatt zu Blatt still tropft,Sein Tod an alle Bäume klopft. Die Sonne brennt so still und stumm,Das rote Blatt geht drohend um,Als müßte ein Mörder im Strauchwerk stehenUnd wild sein Blutdurst am Weg umgehen. Und abends steigt der Rauch dann auf.Als sei das Land ein Kehrichthauf`,So lastet am Fluß ein schwüler DunstWie der letzte Atem der Sommerbrunst. Max Dauthendey, 1867-1918
Sehnsucht gab mir ihr weites Kleid, Seine Naht ist lang wie die Ewigkeit. Streicht die Sehnsucht um das Haus, Trocknen die plaudernden Brunnen aus; Die Tage kommen wie Tiere daher, Du rufst ihre Namen, sie atmen nur schwer; Du suchst dich im Spiegel, der Spiegel ist leer, Hörst nur der Sehnsucht Schritt, Du selbst bist nicht mehr. (Max Dauthendey) (Noch sind die Spiegel nicht leer, und das ist gut so.)
Solch ein lauer weißer TagMag die Hände gar nicht rühren,Nur die Augen liegen wach.Draußen welken gelb die Bäume,In der stillen Esche nickenGraue Blätter, altersschwach.Graue Blätter, graue Träume. (Max Dauthendey)
Die Sonne ist gesunken,Der Donner schlief schon ein;Nur durch die fernen WolkenGeht noch der Blitze Schein. Es tropfet von den Zweigen –So schweigend steht die Nacht.Nagend in meinen GedankenVersunknes Leid erwacht. Du denkst, es ist verklungenDer alte böse Schmerz –Da zuckt sein WetterleuchtenNoch immer durch das Herz. (Heinrich Seidel)
Das Fieber warst du einer bösen Zeit;Vielleicht bestimmt des Uebels Grund zu heben.So flammtest du durchs aufgeregte Leben!Doch, wie des Krankenlagers Aengstlichkeit,Dem Fieber pflegt der Krankheit Schuld zu geben,Schienst du allein der Feind nur aller Ruh‘,Und trugst die Schuld, die früher war als du! … – Denn seit du fort, fließt nun nicht mehr das Blut,In dem vor dir schon alle Felder rannen?Ward Lohn den gegen dich vereinten Mannen?Ist heilig das von dir bedrohte Gut?Die Tyrannei entfernt mit dem Tyrannen?Ist…
In welken Kronenwiegt sich … der Herbst. Purpurne Blätter schweben,schwanken … schaukeln,trägkreiseln,fallen. Nebel webt schon,Krähen krächzen. Stare sammeln sich… Drosseln … ziehen… Wildgänse wandern. Noch einmal,kühlblass, müdescheint die … Sonne. Am stillen See,auf der kleinen Brücke,über das alte, krumme, morschmoosige Balkengeländer gelehnt,unter den dunklen,riesigen, schlangenbunt sich verästelnden Platanen,versunken,einsam … lange,stehe ich,starre … und … träumein eingespiegeltes, seltsam fantastisches,wie unirdisches,märchenhaftes, zauberhaftesParadies! (Arno Holz)
Sie stehen jahrelang im Topf aus Ton,Verstockte in sich, selbstverliebte Käuze,In einer rätselhaft verbißnen FronDer Form: sind Kugel, Kegel, Kreuze, Sie gleichen Birnen, mißgebornen Köpfen,Sind Stein-Gespenster, Schlange, Hand:Verfeindet so dem Außen, daß in SchöpfenStacheln aufstehn um sie wie eine Wand, Dahinter sie verharrn, anarchisch, kündend,Prophet und Gott, ihr selbstbeseßnes Ich,Bis sie auf einmal stumm, in Blumen mündend,Sich ganz verschweigen, opfern, löschen sich. (Maria Luise Weissmann)
(Blick in meine Papiertonne) Ob wir’s erlitten, ob verschuldet Vergangnes ist nicht abgetan. Ob losgekämpft und ungeduldet, Es folgt im Stillen unsrer Bahn. Dem Überraschten naht es leise, Heut mit verklärender Gewalt, Und morgen tritt’s in unsre Kreise Verkehrt zu wilder Mißgestalt. (Otto Roquette) Manchmal ist „Schreddern“ eine Möglichkeit, sich von einem Teil der Vergangenheit zu verabschieden, immer dann, wenn die Aufbewahrungsfrist von 10 Jahren vorbei ist. Manches, kloppt man fröhlich „in die Tonne“, da fällt der Abschied leicht. Anderes…