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Kategorie: Gedichte

Die Zeit vertreiben

Die Zeit vertreiben

Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!Sie zu halten, wäre das Problem.Denn, wen ängstigts nicht: wo ist ein Bleiben,wo ein endlich Sein in alledem? – Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegenjenem Raum, der ihn nach Abend nimmt:Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen,und das willig Liegende verschwimmt – Berge ruhn, von Sternen überprächtigt; –aber auch in ihnen flimmert Zeit.Ach, in meinem wilden Herzen nächtigtobdachlos die Unvergänglichkeit. (Rainer Maria Rilke)

Der Mond an gewisse Sänger

Der Mond an gewisse Sänger

Hört auf, ihr Dichter! Stellt es ein,Dies aberwitz’ge Verse-Lallen!Denn fahrt ihr fort mit euren Reimerei’n –Ich schwör es euch bei meinem Schein! –So werd‘ ich schließlich aus den Wolken fallen! (Oscar Blumenthal)

Sonnenstrahlen

Sonnenstrahlen

Sooft die Sonne aufersteht,Erneuet sich mein HoffenUnd bleibet, bis sie niedergeht,Wie eine Blume offen!Dann schlummert es ermattet,Geduldig mit ihr ein;Doch wacht es fröhlich wieder aufMit ihrem ersten Schein! (Gottfried Keller)

Zerstörungen

Zerstörungen

Bei einem Rundgang durch den Stadtteil, in dem ich zur Volksschule gegangen bin, so hießen damals die Grundschulen, habe ich über viele Veränderungen staunen können. Dort wo früher Straßenbahnen, Lastwagen, viele Autos in Richtung Ruhrschnellweg fuhren, viel Staub und Lärm dominierten, lädt jetzt eine große Fläche zum Verweilen ein, Geschäften wechselten, eine Bank wurde durch einen Barbier-Shop ersetzt, viele gibt es aber auch nicht mehr, den Blumenladen, in dem ich als Kind gelernt habe, Kränze zu winden, die Hutmacherin mit…

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Das Fenster

Das Fenster

Du leeres Fenster hoch am grauen Haus,Du Lücke, die man einst dem Lichte ließ,Dem Farbenstrom von draußen und von drinnen –Wer alles lugte schon durch dich heraus,Den dunkler Trieb ins Dämmerdasein stießZu Lust und Leid, zum Sehnen und zum Sinnen? Wie viele müden Alten mögen hier,Im Sorgenstuhl beschaulich vorgerückt,Ein letztes Weilchen noch gesonnt sich haben –Wie manche schmucke Jungfer hat aus dirHerabgelauscht beklommen und verzücktDem Liebeslockruf eines kecken Knaben! Wie oft schon ließest du den Himmel einZu einem Paare, das…

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Sommerfrische

Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,Das durch den sonnigen Himmel schreitet.Und schmücke den Hut, der dich begleitet,Mit einem grünen Reis. Verstecke dich faul in die Fülle der Gräser.Weil’s wohltut, weil’s frommt.Und bist du ein MundharmonikabläserUnd hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt. Und lass deine Melodien lenkenVon dem freigegebenen Wolkengezupf.Vergiss dich. Es soll dein DenkenNicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf. (Joachim Ringelnatz)

Die Sonnenblume

Die Sonnenblume

O Rosen, die mit RuhmeIhr prangt in Duft und Licht,Ich bin die Sonnenblume,Und ich beneid‘ euch nicht. Des Falters flatternd Kosen,Die Lieder im Gesträuch,Der Menschen Lob, ihr Rosen,Wie gerne gönn‘ ich’s euch! Mir schafft es volle G’nüge,Vom Himmelstau getränktIn meines Liebsten ZügeZu schauen still versenkt. Zum Sonnenjüngling richteDas Haupt ich früh und spätUnd nähre mich vom Lichte,Das sein Gelock umweht. Mein Auge bleibt dem HohenAuch dann noch zugekehrt,Wenn er mit heil’gen LohenZuletzt mich selbst verzehrt. O sprecht, wie ließ‘ erwerbenSich…

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