Durchsuchen nach
Kategorie: Gedichte

Der Ästhet

Der Ästhet

(Geflecht kann ich nicht bieten ;) ) Wenn ich sitze, will ich nichtsitzen, wie mein Sitz-Fleisch möchte,sondern wie mein Sitz-Geist sich,säße er, den Stuhl sich flöchte. Der jedoch bedarf nicht viel,schätzt am Stuhl allein den Stil,überläßt den Zweck des Möbelsohne Grimm der Gier des Pöbels. (Christian Morgenstern)

Vergissmeinnicht

Vergissmeinnicht

Die kleinen schwachblauen VergissmeinnichtSind die Blumen vom wachsenden Vertrauen.Sie sehen dir offenherzig ins AngesichtWie Gedanken, die im Denken aufschauen; Gedanken, die Pläne ins Grüne bauen,Von denen der Mund nicht laut spricht;Gleich den Augen der stillen verschwiegenen Frauen,Die unter dem Maienhimmel auftauenUnd legen Geständnisse ab, die ihnen längst aus den Wimpern schauen. ( Max Dauthendey) Manchmal sind sie dann auch einfach weiß.

Lebensgenuss

Lebensgenuss

(Ein Hauch von „dolce vita“ in der Recklinghäuser Altstadt) »Wie man nur so leben mag? Du machst dir gar keinen guten Tag!« Ein guter Abend kommt heran, Wenn ich den ganzen Tag getan. Wenn man mich da- und dorthin zerrt Und wo ich nichts vermag, Bin von mir selbst nur abgesperrt, Da hab ich keinen Tag. Tut sich nun auf, was man bedarf Und was ich wohl vermag, Da greif ich ein, es geht so scharf, Da hab ich meinen…

Weiterlesen Weiterlesen

Der Auferstandene

Der Auferstandene

Er vermochte niemals bis zuletzt ihr zu weigern oder abzuneinen, dass sie ihrer Liebe sich berühme; und sie sank ans Kreuz in dem Kostüme eines Schmerzes, welches ganz besetzt war mit ihrer Liebe größten Steinen.  Aber da sie dann, um ihn zu salben, an das Grab kam, Tränen im Gesicht, war er auferstanden ihrethalben, dass er seliger ihr sage: Nicht –  Sie begriff es erst in ihrer Höhle, wie er ihr, gestärkt durch seinen Tod, endlich das Erleichternde der Öle und des Rührens Vorgefühl verbot,  um aus ihr die Liebende zu…

Weiterlesen Weiterlesen

Grüne Wiese

Grüne Wiese

Es färbte sich die Wiese grünUnd um die Hecken sah ich blühn,Tagtäglich sah ich neue Kräuter,Mild war die Luft, der Himmel heiter.Ich wusste nicht, wie mir geschah,Und wie das wurde, was ich sah. Und immer dunkler ward der WaldAuch bunter Sänger Aufenthalt,Es drang mir bald auf allen WegenIhr Klang in süßen Duft entgegen.Ich wusste nicht, wie mir geschah,Und wie das wurde, was ich sah. Es quoll und trieb nun überallMit Leben, Farben, Duft und Schall,Sie schienen gern sich zu vereinen,Dass…

Weiterlesen Weiterlesen

Hinaus an den Strand

Hinaus an den Strand

Hinaus an den Strand will ich gehen, Wenn keiner wacht Das wilde Meer zu sehen Und die heilige Nacht. Und wieder faßt mich das alte Weh – Am Strand tanzt ein Boot. Das lockt mich hinaus in die tosende See, Fort, fort für immer von Haß und Not, In die See, in die Nacht, in das Glück, in den Tod. Ich löse das Tau Und die Freiheit lacht Hinter Nebel und Grau. Und ich fahre jubelnd hinaus in die Nacht,…

Weiterlesen Weiterlesen

Rückblick

Rückblick

Ich sehe hinter dem Grau heute Blau, Und ich bin milder gewordenIch bin nicht mehr der junge Radau Und wehe nicht mehr aus Norden. Es kommen die Jüngsten auch mal dahin, Wenn sie streng Zauderndes wagen Und fragen nach jedem »Wie ist …?« dann: »Wie bin …?« Und werden still Danke sagen. (Joachim Ringelnatz)

Einsamkeit

Einsamkeit

Einsamkeit Einsamkeit, ernsthafte Frau, Tratest einst still in mein Zimmer, Ach, und ich wollte dich nimmer, Grüßte dich finster und rauh. Nicktest nur milde dazu, Ließest dich doch nicht verjagen, Mußte dich eben ertragen, Sangest mich heimlich zur Ruh. Sieh, und nun weiß ich genau: Wolltest du heut von mir scheiden, Würde ich tief darunter leiden, Einsamkeit, ernsthafte Frau. (Anna Ritter)