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Kategorie: Gedichte

Buntes Laub

Buntes Laub

Buntes Laub in stiller Luft,Matter Herbsttagsonnenschein,Berge in der Ferne Duft, —Sommerfäden spinnt mich ein! Farben, Linien, blass und weichWie gedämpft durch stillen Schmerz —In der Schwermut ZauberreichStarrt und zieht’s mein wissend Herz. Und Erinn’rung steigt empor,Wie der Duft von welkem Laub,Flüstert leise mir ins OhrUnd sinkt welkend in den Staub. Still mein Herz den Sang vernahm:„Immer kam der Herbst zurück,Wiedersehn und Abschied kamUnd es kam — es kam! — das Glück. Aber eines blieb sich gleich:Ew’ger Sehnsucht stiller Schmerz“ —— — — — —…

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Wie eine Mänade

Wie eine Mänade

 Wo ist die Schönheit,wo ist die Liebe?Ist eins im andern,ist keines wahr? Wie eine Mänadedurchschluchz ich den Morgen,durchras ich den Mittag -,durchsehn ich den Abend,– und taumle ins Dunkelder großen Nacht. – – –Und doch – – – überm Dunkelleuchtet ein Stern mir– der Stern meines Ich! So große Sehnsucht,so große Liebe,so große Leiden -,die haben erkauft sichdie Ewigkeit! (Hermione von Preuschen)

Das Spinnennetz

Das Spinnennetz

O sieh das Spinnennetz im Morgensonnenschein,Wie es vom Tau noch voll kristallner Tropfen hängt!Im leichten Winde wiegt es seiner Perlen Pracht,Die in den silbergrauen Maschen hier und dortSo flüchtig sich wie sanft und zierlich eingeschmiegt.Sieh, so ist alles Glück. So hängt es flüchtig sichIn unsrer Tage schwankendes Gespinst,Und es erschauert unter seiner köstlichen LastDes Majaschleiers weltdurchwallendes Geweb. (Christian Morgenstern)

Der Reif

Der Reif

Der Reif ist ein geschickter Mann:O seht doch, was er alles kann!Er haucht nur in den Wald hinein,Wie ist verzuckert schön und feinEin jeder Zweig und Busch und StrauchVon seinem Hauch! Wie schnell es ihm von Händen geht!Kein Zuckerbäcker das versteht.Und alles fein und silberrein,Wie glänzt es doch im Sonnenschein!Wär´ alles doch nur Zucker auchVon seinem Hauch! … (August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)

Die Buche

Die Buche

Allein steht eine BucheEntfernt vom Waldesplan,Von Sträuchern nur umgebenZu klein, sie zu erstreben,An die sie sich nicht lehnen kann. Doch wie sie so alleineDort wurzelt stolz und stark,Verkünden Wuchs und Krone,Daß tief im Innern wohneEin kräftiges und edles Mark. Es mag der Sturm umpeitschenUnd wild umtoben sie;Er mag die Zweige knicken,Die Blitze sie umzücken,Den Wipfel beugt sie feige nie! … (Marie Luise Büchner)

Augen in der Großstadt

Augen in der Großstadt

Wenn du zur Arbeit gehstam frühen Morgen,wenn du am Bahnhof stehstmit deinen Sorgen:da zeigt die Stadtdir asphaltglattim MenschentrichterMillionen Gesichter:Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,die Braue, Pupillen, die Lider –Was war das? vielleicht dein Lebensglück…vorbei, verweht, nie wieder. Du gehst dein Leben langauf tausend Straßen;du siehst auf deinem Gang,die dich vergaßen.Ein Auge winkt,die Seele klingt;du hasts gefunden,nur für Sekunden…Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,die Braue, Pupillen, die Lider;Was war das? kein Mensch dreht die Zeit zurück…Vorbei, verweht, nie wieder. Du mußt…

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Aussicht

Aussicht

Der offne Tag ist Menschen hell mit Bildern,Wenn sich das Grün aus ebner Ferne zeiget,Noch eh des Abends Licht zur Dämmerung sich neiget,Und Schimmer sanft den Klang des Tages mildern.Oft scheint die Innerheit der Welt umwölkt, verschlossen,Des Menschen Sinn von Zweifeln voll, verdrossen,Die prächtige Natur erheitert seine TageUnd ferne steht des Zweifels dunkle Frage. (Friedrich Hölderlin)

Septembertag

Septembertag

Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit,die dich befreit, zugleich sie dich bedrängt;wenn das kristallene Gewand der Wahrheit sein kühler Geist um Wald und Berge hängt. Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit. (Christian Morgenstern)

Jetzt ist es Herbst

Jetzt ist es Herbst

Jetzt ist es Herbst,Die Welt ward weit,Die Berge öffnen ihre ArmeUnd reichen dir Unendlichkeit.Kein Wunsch, kein Wuchs ist mehr im Laub,Die Bäume sehen in den Staub,Sie lauschen auf den Schritt der Zeit. Jetzt ist es Herbst,das Herz ward weit.Das Herz, das viel gewandert ist,Das sich verjüngt mit Lust und List,Das Herz muss gleich den Bäumen lauschenUnd Blicke mit dem Staube tauschen.Es hat geküsst, ahnt seine Frist,Das Laub fällt hin, das Herz vergisst. (Max Dauthendey)

Rosa

Rosa

Es hebt sich ein rosa GesichtVon der Wand.Es strahlt ein verwegenes LichtVon der Wand.Es kracht mir der SchädelBeim Anblick der Wand.Es träumt mir ein MädelBeim Anblick der Wand. (Jakob van Hoddis)